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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Detlef Stronk
Twitter weiterempfehlen  09.11.2015

25 Jahre Einheit: „Anreize zum Fortschritt”

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
Lotse im Förderdschungel: Professor Detlef Stronk (Foto: privat)
Deutschland ist seit 25 Jahren wiedervereint - und dennoch gibt es weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West. Im Interview mit der ESV-Redaktion spricht der Wirtschaftsexperte Detlef Stronk über blühende Landschaften, Subventionitis und die Rolle der Wirtschaftsförderung.

In diesem Jahr blicken wir auf 25 Jahre Wiedervereinigung – und somit auch auf 25 Jahre Aufbau Ost zurück. Können wir mittlerweile von den oft zitierten „blühenden Landschaften“ sprechen – oder wie fällt Ihre Bilanz zum Thema Aufbau Ost aus?


Detlef Stronk: Als ich im Jahr 2000 bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Zukunftsagentur anfing, betrug die Arbeitslosigkeit im Land Brandenburg 18,5 Prozent. Heute sind es 8,5 Prozent. Als ich damals von Potsdam nach Cottbus mit dem Auto fuhr, um eine Firma zu besuchen, brauchte ich fast drei Stunden. Heute schaffe ich das in knapp einer Stunde. Damals gab es bei der Firmenzufahrt keine Pflasterung, keine Bürgersteige, keine Straßenschilder und keine Hausnummern. Das ist noch nicht so lange her. Aber sicher lässt sich sagen: in weiten Teilen des Osten Deutschlands gibt es die blühenden Landschaften - wenn auch noch viel zu tun ist.

Polen geht es so gut wie noch nie in der polnischen Geschichte, die Slowakei hat sich zum Beispiel in den letzten Jahren zu einem der weltweit wichtigsten Automobilzuliefererzentren entwickelt und die Tschechen haben neben dem Bier auch ihren Škoda behalten. Müssen angesichts der gelungenen Wirtschaftstransformation Ostdeutsche neidisch in Richtung Osten blicken?

Detlef Stronk: Oh nein. Auch wir haben unsere wirtschaftlichen Leuchttürme wie Rolls Royce in Dahlewitz, VW in Dresden oder BMW in Leipzig. Wichtiger aber ist, dass in ganz Ost-Deutschland ein immer leistungsfähigerer Mittelstand am entstehen ist. Und die Gründerszene in Berlin, Sachsen oder Thüringen gibt Ermutigung für die Zukunft.


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„Es gibt keine Subventionitis”

Das Thema Wirtschaftsförderung umweht – je nach wirtschaftspolitischer Ausrichtung – oftmals der Geruch der Steuerverschwendung. Volkswirte sprechen oft auch von „Subventionitis“, wie Sie einleitend in Ihrem Buch anmerken. Aus Ihrer Sicht: Was spricht für den staatlichen Eingriff in den Markt?

Detlef Stronk: Wir haben alle in unseren Beiträgen dargestellt, dass es nicht um eine „Subventionitis” geht. Ich habe in meinem Artikel „Moderne Wirtschaftsförderung in der Sozialen Marktwirtschaft” deutlich zu machen versucht, dass es in erster Linie um eine gute Ordnung der Rahmenbedingungen und weniger um staatliche Eingriffe geht. Dazu gehört auch eine sinnvolle Ordnung der Wirtschaftsförderungs-Landschaft und ein ordnungspolitisch vertretbares Handeln der Wirtschaftsfördergesellschaften und der Verwendung der Fördergelder. Es geht grundsätzlich nicht um einzelne Firmen, sondern um moderne, innovative Wirtschaftsstrukturen, die entwickelt und gefördert werden sollen. Genau dies ist das Geheimnis „erfolgreicher Wirtschaftsförderung”: es gibt keine „Subventionitis”, sondern „Anreize zum Fortschritt”.

Sie können das Thema Wirtschaftsförderung sowohl aus der Perspektive der Politik, des Unternehmers und nun auch aus der Perspektive der Wissenschaft betrachten. Reden die Akteure in Sachen Wirtschaftsförderung aneinander vorbei oder ziehen alle an einem Strang?

Detlef Stronk: Diese Frage deckt sehr genau die Aufgabe moderner Wirtschaftsförderer auf: sie müssen oft „Lotse im Förderdschungel” und „Vermittler” zwischen Bankenszene, Politik und Unternehmer sein. Hier gibt auch unser Buch vielfach Hilfestellungen und Hinweise zum Verständnis der sehr komplexen Förderlandschaft.

Angenommen Sie würden den Auftrag bekommen, für ein neu gegründetes Land einen Wirtschaftsförderungsplan aufzustellen: Was wären Ihre vorrangigen Empfehlungen?

Detlef Stronk: Ich würde sofort eine One-Stop-Agency gründen, wie das Brandenburg im Jahr 2000 vorbildlich getan hat, mit kurzen Wegen zur Förder- und zur Bürgschaftsbank. Ich würde die Institutionen mit erstklassigem Personal besetzen, das motiviert ist, sich in der Sache auskennt und die Sprache der Unternehmer versteht. Dann würde ich mich um die Verbesserung der Infrastruktur kümmern, herauszufinden versuchen, was die Stärken der Wirtschaft des Landes sind und die im Dialog mit der Wissenschaft und den regionalen Akteuren ausbauen.

Und was sind die wichtigsten Ressourcen und Themen, die eine Regierung fördern sollte?

Detlef Stronk: Die wichtigste Ressource sind die Menschen, tüchtige Unternehmer und motivierte Mitarbeiter. Bei den Themen geht es vor allem um die Förderung einer Innovationsszene und einen Verbund zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Und dann bedarf es einen klugen Standortmarketings: Seht her, bei uns zählt die Wirtschaft etwas!

(ESV/ms,map)


Zur Person

Prof. Dr. Detlef Stronk, Jahrgang 1945, ist seit 2009 Honorarprofessor für Wirtschaftsförderung und Unternehmensführung an der Fachhochschule Brandenburg. Der promovierte Jurist war Chef der Senatskanzlei in Berlin, Vorstandsmitglied der Herlitz AG und Vorsitzender der Geschäftsführung der Zukunftsagentur Brandenburg GmbH. In dieser Funktion hat er die erste „One stop Agency“ für Wirtschaftsförderung in Deutschland aufgebaut und erfolgreich geführt.

Professor Stronk ist Herausgeber des neu erschienenen Buches Erfolgreiche Wirtschaftsförderung.

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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