leer  Ihr Warenkorb ist leer
Berliner Handbücher
 

 
Berliner Kommentare
 
Juris Allianz ESVcampus ESV Akademie Der ESV auf Twitter
 
Gesunde Organisation
Twitter weiterempfehlen  28.09.2016

Arbeitssucht - ein ernstzunehmendes personalwirtschaftliches Risiko

Ulrike Emma Meißner
Arbeitssucht stellt ein Personalrisiko dar (Foto: auremar/Fotolia.com)
Aus betrieblicher Sicht erbringen Arbeitssüchtige einen produktiven Nutzen für Unternehmen. Doch sukzessive sinkt diese Nutzenkurve und es können hohe Kosten für das Unternehmen entstehen. Der Beitrag zeigt charakteristische arbeitssüchtige Verhaltensweisen und das personalwirtschaftliche Risikopotenzial auf.
Arbeitssüchtige Menschen bergen ein hohes Risikopotenzial für Unternehmen und können immense materielle und immaterielle Schäden anrichten. Die Identifizierung arbeitssüchtiger Mitarbeiter ist grundsätzlich schwierig und kann nur im Zusammenspiel mehrerer Indizienfelder erfolgen. Diese setzen sich zusammen aus den Krankheiten und Fehlzeitengründen, dem individuellen Arbeitsverhalten der Mitarbeiter sowie dem Gruppenklima.

Typische Krankheitsbilder von Arbeitssucht

Unverkennbar wird die Krankheit, wenn der Arbeitssüchtige selbst plötzlich schwer erkrankt und über mehrere Monate fehlt. Typische Krankheitsbilder sind Blackouts, Herz-Kreislaufbeschwerden, Geschwüre, Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen wie permanente Erschöpfungszustände, Stimmungsschwankungen oder Depressionen. Laut DAK-Psychoreport von 2015 rangierten 2014 dieepressionserkrankungen mit 111,5 Fehltagen pro 100 DAK-Versicherte auf Platz 1 der psychischen Erkrankungen. Dies lässt die Vermutung zu, dass bei dieser Krankheit auch zum Teil Arbeitssucht als Ursache mitberücksichtigt werden sollte.

Neben den krankheitsbedingten Personalkosten entsteht ein betriebswirtschaftlicher Schaden, da der Betroffene nicht mehr wertschöpfend tätig ist. Je exponierter die Position desto höher das Schadenspotenzial.

Folgen für das Team und das Gruppenklima

Weitere Folgen der arbeitssüchtigen Verhaltensweise drücken sich im Gruppenklima aus. Kollegen werden mit einem Arbeitsverhalten konfrontiert, das zur dauerhaften psychischen und physischen Belastung werden kann. Arbeitssüchtige charakterisiert, dass sie durch ein ausgeprägtes Kontrollverhalten anderen gegenüber auffallen. Es fällt ihnen schwer, Aufgaben zu delegieren, da sie immer alles „im Griff“ haben wollen. Kollegen und deren Arbeitsergebnisse werden daher übertrieben kontrolliert.

Gegen sich selbst erheben Arbeitssüchtige den Anspruch, dass alle Aufgaben perfekt gelöst werden müssen. Diesen perfektionistischen Anspruch erwarten sie häufig auch von allen, die mit ihnen zusammenarbeiten. Wutausbrüche, Launen, Ungeduld, Unverlässlichkeit und Anfälle von Arbeitswut prägen ihren Arbeitsalltag. Morgens sind sie die ersten im Büro und abends die letzten, die es verlassen. Am Wochenende und im Urlaub wird ebenfalls gearbeitet und die eigene Gesundheit vernachlässigt. Die Sucht wird vor sich selbst und dem sozialen Umfeld verleugnet, sie ist geprägt durch Zwanghaftigkeit und Kontrollverlust des eigenen Handelns. Kollegen und Mitarbeiter sind dieser hohen Erwartungshaltung ausgesetzt, müssen sich an Arbeitsanfälle anpassen, Fehlverhalten und die eigene Chancenlosigkeit akzeptieren.

Folgen dieser Belastungen im Arbeitsumfeld eines Arbeitssüchtigen sind Kündigungen von Mitarbeitern, interne Versetzungswünsche, Fehlzeiten sowie „innere Kündigungen“. Alles Personalrisiken, die in einem professionellen Personalrisikomanagement erhoben werden, aber nicht die Ursache Arbeitssucht selbst berücksichtigen. Ein folgenschwerer Fehler, da Arbeitssüchtige durch Fehlentscheidungen oder Störung des Gruppenklimas die Existenz eines Unternehmens gefährden können.

Personalwirtschaftliche Kosten

In einem Praxisbeispiel wurden die personalwirtschaftlichen Kosten erhoben, die eine arbeitssüchtige Führungskraft verursacht hat: Zwei interne Versetzungen, motivationsbedingte Personalgespräche, drei Stellenbesetzungsverfahren aufgrund von Kündigungen sowie die Kosten der Fehlzeiten des Arbeitssüchtigen. Der zusätzliche betriebswirtschaftliche Wertschöpfungsverlust wurde nicht quantifiziert. Aus personalwirtschaftlicher Sicht ist dem Unternehmen monetär ein Schaden von ca. 200.000 Euro entstanden. Gravierender ist jedoch das Zeitvolumen. Ca. 1,4 Mannjahre sind auf einen arbeitssüchtigen Vorgesetzten und die Folgen seines Handelns zu veranschlagen – Zeit, in der die Beteiligten nicht für das Unternehmen produktiv tätig waren!

(...)

Weiterlesen? Hier geht es kostenlos auf arbeitsschutzdigital.de weiter!


Die Autorin
Dr. Ulrike Emma Meißner war als Personalerin in internationalen Großkonzernen der Strom- und Elektroindustrie und Finanzdienstleistungsbranche sowie als langjährige Personalleiterin eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens tätig. Danach übernahm sie die Professur für den Lehrstuhl Human Resources Management an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Heute ist sie als internationaler HR Consultant und Trainer in Deutschland und Neuseeland tätig.

www.arbeitssucht.com

Weiterführende Literatur zum Thema Führung & Management
Unser Buchprogramm zum Stichwort "Führung"

(ESV/Arbeitsschutz)

Programmbereich: Arbeitsschutz

 
Zurück
 
Als Nettopreise angegebene Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer. Alle Nettopreise, also auch die Monatspreise, wurden aus den Bruttopreisen errechnet. Daher kann es wegen Rundungsungenauigkeiten bei einer Rückrechnung zu Abweichungen um wenige Cent kommen.




© 2017 Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Genthiner Straße 30 G, 10785 Berlin
Telefon (030) 25 00 85-0 | Telefax (030) 25 00 85-305 | E-Mail: ESV@ESVmedien.de