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Berühmtes Filmstudio
Twitter weiterempfehlen  13.08.2015

Cinecittà: Wo Filmkultur entsteht

ESV-Redaktion/Dr. Frédéric Serror
Italiens Filmstadt: nicht nur bei italienischen Regisseuren bekannt (Foto: MarcoCrupi/Fotolia.com)
Hier entstanden berühmte Filme wie La dolce vita: In der Cinecittà im Süden von Rom, einem großen Filmstudio-Komplex. Seit Jahrzehnten bildet das Areal die Kulisse für zahlreiche Produktionen. Lesen Sie in einem Beitrag aus unserem Italien-Lexikon mehr über das Filmstudio.
Cinecittà. Mit dem Istituto Luce und dem Centro Sperimentale (CSC) bildete C anfänglich eines der 3 Zentren des öffentlichen it. Filmschaffens. C stand seit 1958 unter der Leitung der E.A.G.C./Ente Autonomo Gestione Cinema und vereinte an einem Ort alle Mittel für einen kompletten Zyklus der Filmproduktion: Studios für Filmaufnahmen, Filmmusik und Nachsynchronisation, Werkstätten für den Kulissenbau, Labore und Verwaltungsräume. Zu Beginn (1937) umfasste der Komplex eine Fläche von 600.000 m² (Studios: 16.000 m² 10 Drehplätze). Davon sind 400.000 m² geblieben (Studios: weniger als 10.000 m²; 12 Drehplätze). Nach dem Modell der großen amerik. Studios an der Pazifikküste baute der Architekt Gino Peressuti eine richtige Stadt: 64 Gebäude mit Theatern, Büros, Auditorium, Restaurants, Bar, Schwimmbad und eigenem Elektrizitätswerk.

Hier entstanden die Kinos der „weißen Telefone“

C entstand im Zusammenhang mit der Großbautenpolitik des Duce, als das it. Kino nur 10–20 Filme im Jahr hervorbrachte. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Mit allen wichtigen Regisseuren der Zeit (Augusto Genina, Carmine Gallone, Alessandro Blasetti, Mario Camerini u. a.) wurden 1938–43 mehr als 300 Filme in C gedreht, v.a. Streifen des sog. Kinos der „weißen Telefone“. Die Bombardierung durch die Alliierten unterbrach die Filmproduktion. Sie wurde erst 1948 mühsam wieder aufgenommen; der moderne Neorealismo führte die Regisseure nämlich an Orte außerhalb der Studios. In den 1950/60er Jahren wurde die Maschinerie durch das Hollywood- Kino wieder in Gang gesetzt, denn Großproduktionen wie Quo Vadis von Mervyn LeRoy (1951), Krieg und Frieden von King Vidor (1955), Ben Hur von William Wyler (1959), Cleopatra von Mankiewicz (1963) und zahlreiche Peplums wurden dort gedreht. Fellini richtete in C seine Büros ein, um sein gesamtes Werk, von La dolce vita (1959) bis Intervista (1986), dort zu drehen.

Nach der Peplum-Welle widmete C sich in den 1970er Jahren dem Western all’italiana. Die Beschäftigtenzahl ging jedoch zurück: 1956: 600; 1962: 300; 1964: 250. Fehlende Modernisierung und lockere Zahlungsbedingungen führten zu einer schwierigen Situation. 1965 mussten die Tonaufnahmestudios schließen. Am Rande des Ruins verkaufte C im Jahr 1982 14 ha des Geländes. 1983 ersetzte ein Verwaltungsrat die vom Minister ernannte kommissarische Verwaltung; die Modernisierung verwandelte C von einer Servicefirma in eine Produktionsgesellschaft.

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Cinnecittà wird Drehort für Fernsehfilme, Serien und Reality-Shows

1997 wurden die Studios privatisiert, die Gesellschaft IEG/Italian Entertainment Group erwarb 80 % des Kapitals. Fernsehfilme, Serien aus den Jahren 2005–07 (Doctor Who, Kaamelott, Borgia, Rome) und Reality-Shows (Il grande fratello, d. h. der it. „Big Brother“) lösten das Filmschaffen ab, das sich mehr den östlichen Ländern und billigeren Studios zuwandte. Die letzten großen Kinoproduktionen waren Gangs of New York (2002) von Martin Scorsese und Habemus Papam (2011) von Nanni Moretti. Im Sommer 2007 wurden 4000 m² des Geländes durch einen Brand zerstört. In Ermangelung einer besseren Lösung kam es 2011 zur musealen Nutzung der Kulissen und zur Öffnung für zahlende Besucher. In diesem schwierigen Kontext versuchten die 200 ständigen Beschäftigten mit Unterstützung durch Regisseure und Künstler die Produktionsstätte gegenüber Immobilienprojekten (Hotelbauten, Gewerbegebieten) zu erhalten. Immerhin wurde die Fernsehproduktion in C mit Fernsehfilmen, Serien und Reality-Shows fortgesetzt; viele Jahre lang wurden dort it. Fernsehserien gedreht, z. B. zwischen 2000 und 2012 die 12 Staffeln zu jeweils ca. 20 Folgen von Distretto di Polizia.

F. Serror

Quelle: Italien-Lexikon (Vorabdruck aus dem Italien-Lexikon)

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Literaturhinweis zum Thema

Italien-Lexikon, herausgegeben von Dr. Richard Brütting und Dr. Birgid Rauen, erscheint in 2. Auflage 2015 (bis zum 30. September 2015 zum Sonderpreis von EUR (D) 99,80 zu subskribieren).

Programmbereich: Romanistik

 
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