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Nachgefragt bei: Prof. Roland Spiller
Twitter weiterempfehlen  22.04.2016

„Cortázar öffnete mir viele Türen und Herzen“

ESV-Redaktion Philologie
Kennt sich aus in Argentinien: Roland Spiller, Professor für Romanische Philologie an der Uni Frankfurt/Main (Foto: privat)
Argentinien ist bekannt als Land des Tango und des Fußballs, man kennt Buenos Aires und Patagonien. Aber auch die argentinische Literatur hält Highlights bereit. Professor Roland Spiller stellt uns im ESV-Interview zwei visionäre argentinische Schriftsteller vor und verrät uns, wie man diesen Sommer Argentinien literarisch erleben kann.

Julio Cortázar und Adolfo Bioy Casares sind zwei argentinische Autoren, die dem deutschen Publikum vielleicht eher unbekannt sind und die selten gemeinsam betrachtet wurden – was verbindet sie?


Roland Spiller: Julio Cortázar und Jorge Luis Borges sind die bedeutendsten argentinischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, international und im Land selbst. Bioy Casares ist in der Weltliteratur dagegen vor allem als visionärer Erneuerer der Science-Fiction-Literatur bekannt. Alle drei schrieben fantastische Literatur und zählen zu den maßgeblichen Erneuerern dieser Gattung.

Gemeinsam ist ihnen ein subtiler Humor, der zuweilen auch sehr ironisch sein kann oder ins Groteske abgleitet und eine gewisse Schwärze erhält, allerdings bemerken das mit Argentinien nicht vertraute Leser nicht unbedingt auf Anhieb. Beide sind Meister der Inmersion, sie machen es dem Leser leicht, sich einzufühlen, sie beherrschen die Kunst der ästhetischen Illusion, die grundlegend ist für Empathie, die ja nicht nur Sympathie umfasst, sondern auch das Andersartige, Abstoßende und Abjekte, nachempfinden lässt und dadurch die allzu einfachen Einteilungen der Welt in schwarz und weiß überwinden hilft.

Außerdem sind beide visionäre Schriftsteller, die ihrer Zeit voraus waren, Rayuela von Cortázar ist ein Hypertext vor der Erfindung des Internets und La invención de Morel von Casares ein Vorläufer technisch erzeugter virtueller Welten.

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Welche Werke der beiden würden Sie unseren Lesern besonders ans Herz legen?

Roland Spiller: Von Cortázar empfehle ich die ersten Bände mit Erzählungen und Rayuela, für Anfänger gerne auch die Historias de cronopios y famas und für die fortgeschrittenen Leser die fünfbändige Korrespondenz, denn seine Briefe sind als Literatur lesbar, man erkennt in ihnen sofort den Stil des Autors. Bei Bioy Casares denke ich an Morels Erfindung, weil der Roman die virtuelle Welt visionär vorwegnimmt, und an Der Traum der Helden.

Woher kommt Ihre Faszination für die argentinische Literatur und Ihre Verbundenheit mit dem Land?

Roland Spiller: Als ich zum ersten Mal nach Argentinien kam, hatte ich viel von Borges gelesen und fast alles von Cortázar. Leider erst nach seinem Tod, den ich während des Studiums in Spanien erlebte, wo eine enorme Anteilnahme und Betroffenheit zu spüren war. Ich habe ihn nie persönlich kennen gelernt, doch habe ich oft, auch bei den kleinen Dingen und der Art ihrer Beschreibung, wie bei keinem anderen Autor das Gefühl gehabt, ihn zu kennen; ein Gefühl, das vielleicht nicht stimmt, doch das viele seiner Leser empfinden.

Einmal im Land, öffnete mir Cortázar viele Türen und Herzen, weil er auch eine einmalige Verbundenheit unter seinen Lesern herstellt. Außerdem erlebte ich vieles, das mir aus der Lektüre vertraut war im wirklichen Leben. Wenn man länger bleibt oder öfter im Land ist, nicht nur in Buenos Aires, erkennt und erlebt man Lateinamerika. Aus der literarisch inspirierten Verbundenheit sind enge Kontakte und einige inzwischen auch „alte“, doch immer noch lebendige Freundschaften hervorgegangen.

(ESV/vh)

Der Autor
Roland Spiller ist Professor für Romanische Philologie am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Als Hispanist und Lateinamerikanist beschäftigt er sich seit fast 30 Jahren kontinuierlich mit argentinischer Literatur. Er publizierte zahlreiche Bücher und Artikel zu diesem Thema und pflegt enge Kontakte zu argentinischen Kollegen und Schriftstellern. Zudem organisiert er regelmäßig internationale Kongresse, arbeitet mit öffentlichen Institutionen wie dem argentinischen Generalkonsulat und dem Instituto Cervantes in Frankfurt a. M. zusammen und betreut ein Austauschprogramm mit der Universität Buenos Aires.

Zum Band
Das Buch „Julio Cortázar y Adolfo Bioy Casares. Relecturas entrecruzadas“ erscheint Anfang Mai im Erich Schmidt Verlag. Sie können es bequem hier bestellen.

Programmbereich: Romanistik

 
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