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Kunst in französischen Internierungslagern
Twitter weiterempfehlen  15.12.2016

Das Porträt bewahrt die Persönlichkeit dieser Menschen

ESV-Redaktion Philologie
Zwischen den Holzbaracken waten die Häftlinge im Schlamm (Foto: Bil Spira/ESV)
Bil Spiras Zeichnungen, die zwischen 1939 und 1942 in französischen Internierungslagern entstanden, zeigen einerseits die bedrückenden Umstände des Lagerlebens, andererseits die große Würde der Gefangenen. Sie sind ein Zeitzeugnis von großem Wert.
Lesen Sie hier einen kurzen Auszug aus dem Band, der deutlich macht, wie wichtig es war, dass Bil Spiras über 100 Zeichnungen aus der Zeit seiner Inhaftierung in französischen Internierungslagern gerettet werden konnten.

Zeugnisse einer großen Würde


„Das Porträt bewahrt die Persönlichkeit dieser Menschen, von denen die erhaltenen Zeichnungen manchmal die letzte Spur sind. Jenseits der sichtbaren Zeichen des körperlichen Verfalls zeugen die Porträts immer von einer wesentlichen Präsenz der Modelle und des Zeichners. Unabhängig davon, ob es sich um bekannte Persönlichkeiten oder um unbekannte Inhaftierte handelt, unterstreichen diese Porträts auch den exemplarischen Mut dieser Männer und sind immer Zeugnisse einer großen Würde ebenso wie einer essentiellen „Wahrheit“ im Hinblick auf die Modelle und ihren Porträtisten, der „ein Denkmal für sich selbst und die künftigen Generationen“ errichtet.

In den Internierungslagern wurden viele Porträts auf Wunsch der Mitgefangenen angefertigt ebenso wie auf Wunsch der Wärter, die eine tröstende Botschaft an ihre Angehörigen schicken wollten. Meist scheinen die Porträts nichts von der Lagerwirklichkeit zu zeigen, außer den vom Zeichner selbst, manchmal auch vom Modell, hinzugefügten Angaben bezüglich Ort und Zeit, welche diese Porträts zu „historischen Dokumenten“ machen. Solche Hinweise können darüber hinaus auch in Gestalt von Widmungen oder später vom Zeichner hinzugefügten Angaben Informationen über die Lagerinsassen bezüglich des Alters, der Herkunft oder der früher von den Opfern ausgeübten Berufe oder, im Falle ihres Überlebens, hinsichtlich ihres späteren Lebenswegs enthalten. [...]

Eine Dokumentation der Haftbedingungen

Auf den von Bil Spira hinterlassenen Porträts, auf denen häufig die Umwelt verschwimmt, lässt sich auch ein Wandel feststellen von den in den durch weniger schwere Haftbedingungen geprägten Lagern der Normandie wie zum Beispiel Damigny gezeichneten Porträts zu denen, die er in dem letzten Lager vor seiner Deportation angefertigt hat, dem Unterdrückungslager Le Vernet d’Ariège.

Kann man in den Blicken der Häftlinge von Damigny noch Entschlossenheit und Hoffnung erkennen, so lässt sich in den Blicken der Inhaftierten von Le Vernet, von denen manche an die Blicke der Insassen von Buchenwald erinnern, die der Maler Boris Taslitzky festgehalten hat, nur noch Niedergeschlagenheit und Bedrückung ausmachen.“

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Zum Band
Neben Auszügen aus den Lebenserinnerungen von Bil Spira können Sie in „Bil Spira. Vom Roten Wien zu den französischen Internierungslagern“ zahlreiche Zeichnungen des Künstlers entdecken, die zwischen 1939 und 1942 in französischen Internierungslagern entstanden. Claude Bessone stellt die Bilder in den geschichtlichen Zusammenhang und hat so ein außergewöhnliches Zeitzeugnis geschaffen. Der Band ist im Erich Schmidt Verlag erschienen. Sie können ihn bequem hier bestellen.

Zur Autorin
Claude Bessone, ‘Maître de conférences’ mit Habilitation in ‘Civilisation germanique’, ist Spezialistin für visuelle Repräsentationen der deutschen Geschichte und für die Ikonographie der Konzentrationslager. Sie unterrichtet an der Université Paris Est-Créteil Val de Marne und hat u.a. Untersuchungen über das deutsche Kino, die Zeichnungen des Exils und der Internierung und die Denkmäler der Deportation veröffentlicht.

(ESV/vh)

Programmbereich: Romanistik

 
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