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Nachgefragt bei: Dr. Anja Pompe, Prof. Dr. Kaspar H. Spinner und Prof. Dr. Jakob Ossner
Twitter weiterempfehlen  06.06.2016

„Der Unterricht muss an die Kompetenzen der Kinder anknüpfen“

ESV-Redaktion Philologie
Kinder sind neugierig aufs Lernen (Foto: Luis Louro/Fotolia.com)
Wie reagiert der Deutschunterricht in der Grundschule darauf, dass Kinder heutzutage stark durch Medien sozialisiert sind? Die Autoren des Buches „Deutschdidaktik Grundschule“ berichten.
„Medienkompetenz“ ist heutzutage ein wichtiges Schlagwort hinsichtlich der Kindererziehung. Chancen und Risiken liegen hier oft nah beieinander. Wie kann man Ihrer Ansicht nach Medien schon in der Grundschulzeit sinnvoll einsetzen?

Anja Pompe: Heutige Kinder sind, wenn sie in die Schule kommen, mit vielen Medien vertraut und bringen auch entsprechende Kompetenzen mit. Daran müssen wir im Unterricht anknüpfen. Wichtig ist unseres Erachtens dabei vor allem, dass die Kinder nicht nur passive Medienkonsumenten sind, sondern über das Wahrgenommene nachdenken, dass sie produktiv, gestaltend mit Medien umgehen können und lernen, sich kritisch zu Medienangeboten zu verhalten.

Und wichtig ist uns – wir haben einen besonderen Schwerpunkt in unserem Buch darauf gelegt –, dass sie Angebote sinnlich erleben, z. B. Kinderfilme, Bilderbücher, Hörspiele, denn wir alle befinden uns ja in einem doppelten Verhältnis zur Welt, also nicht nur in einem auf Sinnkonstruktion basierenden der Erfahrung, sondern auch in einem des Erlebens, das der Erfahrung vorausgeht.

In Ihrem Buch „Deutschdidaktik Grundschule“ fällt der Begriff vom „lernfördernden Unterrichten“. Was genau bedeutet das?

Jakob Ossner: Jeder Unterricht sollte lernfördernd sein, denn Unterrichten bedeutet, das Lernen anzuregen, auf aussichtsreiche Spuren zu bringen und die Lernenden zu fördern, so dass sie selbst geeignete Lösungen für Problemstellungen finden. Dazu braucht man Wissen verschiedener Art, das man eigenständig zur Problemlösung einsetzten kann. Das gilt für Kinder wie für Erwachsene.

An wen richtet sich Ihre Einführung „Deutschdidaktik Grundschule“?

Kaspar Spinner: Unser Band ist in erster Linie für die Lehrerausbildung gedacht, also für das Studium in der Hochschule und für das Referendariat. Er dient aber auch als Information für Lehrerinnen und Lehrer, die im Beruf stehen und sich über den gegenwärtigen Stand der Deutschdidaktik informieren wollen. Es geht uns also um Ausbildung und Fortbildung von Lehrpersonen.

Mit welchen Themenfeldern beschäftigt sich die Deutschdidaktik für die Grundschule heutzutage vor allem?

Anja Pompe: Eine wichtige Frage ist heute, wie der Deutschunterricht auf die Tatsache reagieren soll, dass Kinder stark durch Medien sozialisiert sind. Was heißt es z. B. für den Unterricht, dass die elektronische Kommunikation so wichtig geworden ist? Tippen statt von Hand schreiben? Gilt das auch für den Unterricht? Und wie steht es mit den audiovisuellen Medien? Sollen Filme und Computerspiele auf Kosten der Beschäftigung mit Büchern in der Schule stärkere Berücksichtigung finden?

Das sind Fragen, mit denen sich die Deutschdidaktik derzeit intensiv beschäftigt und zu denen sie Unterrichtskonzeptionen entwickelt. Ein anderes Problemfeld ergibt sich aus der Tatsache, dass viele Kinder mehrsprachig aufwachsen, also die deutsche Sprache nicht als Muttersprache bzw. Erstsprache sprechen. Die Deutschdidaktik ist deshalb mehr denn je herausgefordert, Modelle für einen Unterricht zu entwickeln, welcher der sprachlichen Heterogenität der Kinder gerecht wird.

Außerdem stellt natürlich die Kompetenzorientierung eine enorme Herausforderung für die Didaktiken dar. Die Bildungsstandards der deutschen Kultusministerkonferenz und die neuen Lehrpläne sind kompetenzorientiert. Sie fordern einen Unterricht, der einen planvollen Aufbau des Lernfortschritts während der Schuljahre ermöglicht. Dies wird durch Kompetenzmodelle gestützt, die für verschiedene Teilbereiche in der Fachdidaktik entwickelt werden. Diskutiert und erforscht wird allerdings auch, wo die Kompetenzorientierung an ihre Grenzen stößt. Lesefreude lässt sich ja z. B. kaum als Kompetenz beschreiben, trotzdem ist ihre Förderung ein wichtiges Anliegen des Deutschunterrichts.

Geben Sie in Ihrem Buch auch praktische Hilfestellungen und konkrete Unterrichtsvorschläge?

Kaspar Spinner: Unser Buch ist keine Sammlung von Unterrichtsvorschlägen und -modellen, sondern eine Einführung in die Grundlagen der Deutschdidaktik. Aber wir veranschaulichen die wichtigen Fragen immer an unterrichtsbezogenen Beispielen und zeigen konsequent, welche Folgerungen aus deutschdidaktischen Forschungen für das unterrichtliche Handeln zu ziehen sind. Die Klärung von Fragen des methodischen Vorgehens spielt deshalb eine wesentliche Rolle in unserem Buch.

Der Band

Das Buch Deutschdidaktik Grundschule erscheint Mitte Juni und führt in die Didaktik des Deutschunterrichts in der Grundschule ein.

Die Autoren
Anja Pompe, Dr. phil., Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Rostock. Sie arbeitet zu den didaktisch-methodischen Potentialen der Kinder- und Jugendliteratur.

Kaspar H. Spinner, emeritierter Professor an der Universität Augsburg, Dr. Dr. h.c. Langjähriger Mitherausgeber der Zeitschrift Praxis Deutsch. Verfasser vieler Publikationen, vor allem zum Lese- und Literaturunterricht in allen Klassenstufen.

Jakob Ossner, Dr. phil., em. Professor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik. Mitglied des Rats für deutsche Rechtschreibung; Verfasser zahlreicher Publikationen zu Schreiben und Grammatik.


(ESV/lp)

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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