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Handbuch für die Lehrerausbildung
Twitter weiterempfehlen  19.04.2017

Deutsch als Zweitsprache: „DaZ-Kinder sind mehrsprachig“

ESV-Redaktion Philologie
Mehrsprachigkeit: eine Chance für Kinder (Foto: Elenethewise/Fotolia.com/)
Wie kann man erreichen, dass Kinder mit Zweitsprache Deutsch in unserem Bildungssystem sprachlich nicht benachteiligt werden? Hierfür müssten Schulen zu Orten werden, an denen die Mehrsprachigkeit der DaZ-Kinder – und letztlich auch aller anderen Kinder – einen positiven Stellenwert hat. Welche Voraussetzungen wären dafür notwendig?
Auf diese und andere Fragen gibt das neue Handbuch „Deutsch als Zweitsprache. Ein Handbuch für die Lehrerausbildung“ Antworten.

Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Buch:

„Auch im Fach Deutsch als Zweitsprache passiert es bisweilen, dass man bei den DaZ-Kindern nur noch die Sprachförderung in der Zweitsprache Deutsch im Blick hat. Wenn man das tut, denkt man jedoch Deutsch als Zweitsprache einsprachig. Wir sehen dann lediglich die nicht altersgemäß entwickelten sprachlichen Fähigkeiten einiger DaZ-Kinder in der Zweitsprache Deutsch; das ist nichts anderes als eine Defizitperspektive.

Aus der Perspektive der DaZ-Kinder ist ihre Zweitsprache aber nur ein Teil des insgesamt vorhandenen sprachlichen Potentials. Der andere Teil wird bei einer solchen einsprachigen Betrachtungsweise einfach ausgeblendet. Ein wichtiger Teil der Persönlichkeit und des Entwicklungspotentials des Kindes bleibt damit unberücksichtigt. Dabei haben DaZ-Kinder mit ihrer Sozialisation in Kita und Schule nicht nur angefangen, sich das Deutsche als Zweitsprache anzueignen. Sie haben sich bereits zuvor in der Familienkommunikation Grundlagen einer anderen Sprache – ihrer (nicht-deutschen) Familiensprache(n) – angeeignet und bringen so ein mehrsprachiges Potential mit.

Würde man dieses mehrsprachige Potential fördern, wären die Kinder in der Lage, beide/mehrere Sprachen, Deutsch und ihre Familiensprache(n), weiter in Richtung einer Bildungssprache auszubauen. Eine derart ausgebaute Mehrsprachigkeit wäre eine große gesellschaftliche Bereicherung. Denn in einer mehrsprachigen Gesellschaft, in einer immer weiter zusammenwachsenden Welt sind wir darauf angewiesen, dass überall, auch in den Bildungsinstitutionen selbst, immer öfter auftretende mehrsprachige Konstellationen gut bewältigt werden.

Das mehrsprachige Potential der DaZ-Kinder in den Blick nehmen


Dafür brauchen wir Interaktanten, die sprachlich versiert und flexibel mit solchen Sprachkonstellationen umgehen können. Mehrsprachige Gesellschaften wie die Bundesrepublik brauchen mehr mehrsprachige Individuen, die aktiv dazu beitragen können. Statt bei DaZ-Kindern ausschließlich auf die Defizite in der Zweitsprache Deutsch und auf eine entsprechende Förderung fixiert zu sein, sollten wir also Deutsch als Zweitsprache mehrsprachig denken und das mehrsprachige Potential, welches die DaZ-Kinder mitbringen, stärker in den Blick nehmen.

Dass Deutsch Zweitsprache ist, bedeutet, dass es eine andere Sprache gibt, die Erstsprache der Kinder ist. Diese andere Sprache sollten wir nicht außer Acht lassen. Es sollte darum gehen, die mehrsprachige Sprachentwicklung der DaZ-Kinder in Erst- und Zweitsprache zu unterstützen, damit sie ihr jeweils besonderes Sprachprofil weiter ausbauen können. Die Förderung ihrer individuellen Mehrsprachigkeit ist so gesehen ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit überhaupt.

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Eine solche Förderung beider/mehrerer Sprachen setzt voraus, dass man das Deutsche nicht als einzige zu berücksichtigende Sprache in Kita, Schule und anderen Bildungsinstitutionen absolut setzt, sondern dass wir beginnen, andere Sprachen, die vor Ort bereits faktisch präsent sind, bewusst wahrzunehmen, willkommen zu heißen und wertzuschätzen.

Die Öffnung von Bildungsinstitutionen gegenüber anderen Sprachen als Deutsch bedeutet keineswegs, dass man das Deutsche als Institutionssprache aufgibt. Das heißt lediglich, dass wir eine Haltung gegenüber anderen Sprachen annehmen, die offener, achtsamer und zugewandter ist. Es geht darum, dass wir anfangen darüber nachzudenken, wie wir diese Sprachen im Alltag von Kita und Schule mitdenken und mitfördern können. DaZ-Kinder sind mehrsprachig: Wir sollten ihnen – so gut es geht – helfen, dass sie mit unserer Unterstützung ihr sprachliches Potential voll entfalten können. Darum sollten wir nicht nur bei den DaZ-Kindern bemüht sein, wir sollten auch alle anderen Kinder mit einbeziehen und versuchen, eine Mehrsprachigkeit bei allen Kindern anzustreben.

Mehrsprachigkeit an Bildungsinstitutionen weiterentwickeln

Wie kann man erreichen, dass die Institution Schule zu einem Ort wird, an dem die Mehrsprachigkeit der DaZ-Kinder und letztlich auch aller anderen Kinder einen ihr gebührenden Stellenwert hat? Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig?

Es liegt auf der Hand, dass das Ignorieren oder ein Verbot von Mehrsprachigkeit für die bereits faktisch mehrsprachigen deutschen Schulen nicht der richtige Weg sein kann. Eine solche Einstellung gegenüber Mehrsprachigkeit benachteiligt die mehrsprachigen DaZ-Kinder, erschwert ihren Schulerfolg und führt zu Problemen bei der Integration. Die Anerkennung des mehrsprachigen Potentials von DaZ-SchülerInnen ist daher von zentraler Bedeutung: eine wichtige Voraussetzung für eine positive Persönlichkeits- und Sprachentwicklung.

Wir müssen also unsere Einstellung gegenüber den Migrationssprachen in diesem Punkt grundsätzlich überdenken. Ein solches Nachdenken über die eigene Einstellung gegenüber Minderheitensprachen und insbesondere Migrationssprachen muss wesentlicher Bestandteil einer Ausbildung für ErzieherInnen und LehrerInnen sein. Hinzu kommt, dass es gegenwärtig noch nicht ausreichend Kitas, Vorschulen und Schulen gibt, in denen eine professionelle Förderung sowohl des Deutschen als auch der Migrationssprachen regulär betrieben wird. Migrationssprachen sind zu einem Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden. Wir sollten sie entsprechend auch im Bildungssystem berücksichtigen.“

Zum Buch
Der Band Deutsch als Zweitsprache erscheint im Mai im Erich Schmidt Verlag. Sie können ihn bequem hier bestellen.

Zu den Herausgebern
Prof. Dr. Ludger Hoffmann (TU Dortmund), Schwerpunkte: Deutsche Sprache, Deutsch als Zweit- und Fremdsprache. Autor von Deutsche Grammatik, Berlin. Erich Schmidt Verlag 2016 (3. Auflage).

Dr. Shinichi Kameyama (TU Dortmund, Koordination der Arbeitsstelle Deutsch als Zweitsprache), Schwerpunkte: Deutsche Sprache, Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, Sprachliches Handlen, Koordination der Arbeitsstelle Deutsch als Zweitsprache.

Dr. Monika Riedel (TU Dortmund, Arbeitsstelle Deutsch als Zweitsprache), Schwerpunkte: Literatur- und Medienwissenschaft, Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, Interkulturalität, literarische Mehrsprachigkeit und sprachliche, literarische, mediale und kulturelle Bildung in der Migrationsgesellschaft.

Pembe Sahiner (TU Dortmund, Arbeitsstelle Deutsch als Zweitsprache), Schwerpunkte: Deutsch als Zweitsprache, Sprachdidaktik, sprachliches und fachliches Lernen.

Dr. Nadja Wulff (Heidelberg Schoof of Education, PH/Uni Heidelberg), Schwerpunkte: Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, Zweitspracherwerb, sprachliches und fachliches Lernen, Wortschatzdidaktik.

(ESV/ln)
 


Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache

 
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