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Großgruppendidaktik
Twitter weiterempfehlen  26.04.2017

Deutsch lernen: Wie unterrichtet man große Gruppen?

Angelika Loo
Große Gruppen müssen motiviert werden (Foto: Sajal Kumar Ghosh)
Um erfolgreiches Deutsch-Lernen in großen Lerngruppen zu erreichen, ist es wichtig, die Rahmenbedingungen eines solchen Unterrichts zu kennen und zu nutzen. Ebenfalls wichtig ist die Kenntnis zentraler didaktisch-methodischer Prinzipien, die Lehrerinnen und Lehrern in großen Klassen eine Orientierung bieten.
Große Lerngruppen im Fremdsprachenunterricht der Sekundarstufe kommen vor, wo es eine große Anzahl von Lernenden und knappe Ressourcen gibt. Neben dem Bevölkerungswachstum kann auch ein verbesserter Zugang zu Bildung eine Rolle spielen. Gleichzeitig fehlen oft die Mittel für mehr Lehrkräfte, mehr Unterrichtsräume oder geeignete Lehrmaterialien.

Einflussfaktoren auf den Deutschunterricht

Neben der Anzahl von Lernenden pro Klasse beeinflussen auch weitere Faktoren den Deutschunterricht mit großen Lerngruppen. So spielen der Lerngegenstand und die Lernziele eine Rolle. Beispielsweise gelingt die Präsentation einer neuen Struktur auch leicht für eine große Gruppe von Lernenden.

Wenn aber die Aussprache geübt und korrigiert werden soll, ist die Klassengröße von viel größerer Bedeutung. Weiterhin macht die Kenntnis verschiedener passender Lehr- und Lernmethoden einen Unterschied. In einer großen Lerngruppe kann es leicht zu einer etwas passiven Lernhaltung kommen. Die Lehrperson kann dieser Gefahr begegnen, wenn sie Methoden und Werkzeuge kennt, die eine aktive Mitarbeit aller Lernenden sichern und für Abwechslung sorgen. Dies gelingt umso leichter, je mehr Erfahrung mit Sozial- und Arbeitsformen die Lernenden besitzen. Die zur Verfügung stehenden Mittel, die Räumlichkeiten und vorhandenen Medien usw. können das Lernen in großen Gruppen ebenfalls positiv beeinflussen.

Zum Thema Großgruppendidaktik
Lesen Sie auch ein Interview mit Alicia Padrós zum selben Thema.

Mögliche Auswirkungen hoher Klassenfrequenz im Deutschunterricht

Die Gruppengröße im Zusammenspiel mit diesen weiteren Faktoren erschweren den Unterricht in großen Klassen in fachlicher und pädagogischer Hinsicht. Dies betrifft vor allem auch die Zeit und die Möglichkeiten, im Unterricht auf einzelne Lernende einzugehen bzw. diese entsprechend fachlich zu betreuen. Gleichzeitig können in einer großen Klasse besonders viele und große Unterschiede bestehen – im Leistungsstand, im Lerntempo, im Sozialverhalten, in den Interessen und außerfachlichen Stärken.

All dies kann in der Masse untergehen. Bei den Lernenden mag der Eindruck entstehen, dass ihr individueller Beitrag nicht wichtig ist. Viele fühlen sich in solch einer Situation einerseits in der Masse sicher; andererseits können sie sich aber auch in dieser Anonymität verstecken. Große Lerngruppen können deshalb eine Neigung zu eher passivem Lernverhalten fördern. Dies geschieht besonders dann, wenn die Lernenden über einen längeren Zeitraum nicht aktiv werden können, sondern nur zuhören sollen. Dann leidet die nötige Aufmerksamkeit und die Lernleistung nimmt ab. So kann es, ebenso wie bei Unter- oder Überforderung der Lernenden, vermehrt zu sichtbaren oder eher unsichtbaren Unterrichtsstörungen kommen.

Die Arbeit in Kleingruppen bietet auch keine einfachen Lösungen, denn in einer großen Klasse können sich daraus weitere Schwierigkeiten ergeben (Zeit, Unruhe usw.). Erfahrene Großgruppen-Lehrende beklagen außerdem besonders häufig den sogenannten Stoffdruck, d. h. zu wenig Zeit für den vorgeschriebenen vorgeschriebenen Stoff des Schuljahres zur Verfügung zu haben. Bei großen Gruppen spricht man von sogenannten Reibungsverlusten – viele Prozesse, besonders die organisatorischen, kosten überproportional viel Zeit.

All diese Faktoren beeinflussen und verstärken einander. Die quantitative Frage der Anzahl der Lernenden pro Klasse führt zu einem qualitativen Unterschied, so dass große Lerngruppen in mancher Hinsicht anders organisiert werden müssen als kleinere Klassen.

Methodische Prinzipien für große Deutschklassen

Die Auswahl geeigneter Lehr- und Lernaktivitäten für große Lerngruppen bereitet Lehrenden oftmals Kopfzerbrechen. Beispielsweise können Reihenübungen mit der ganzen Klasse zu Langeweile führen, offenere Unterrichtsformen zu Unruhe und Zeitverlust. Die Wahl der Aktivität will also gut überlegt sein. Auch manche Aufgabenformate aus dem Lehrwerk (z. B. „diskutiert in der Klasse“) funktionieren nicht. Weiterhin gibt es in Großgruppen – nicht zuletzt aufgrund der vorhandenen Räumlichkeiten – nur beschränkte Möglichkeiten, Bewegung in das Klassenzimmer zu bringen. Welche methodischen Gesichtspunkte sind also für große Klassen besonders wichtig – und warum?

Lesen Sie, welche Methoden im Unterricht in Großgruppen funktionieren und zahlreiche weitere Artikel hierzu im neuen Heft Fremdsprache Deutsch.

Zum Heft
Das Themenheft Großgruppendidaktik Fremdsprache Deutsch erscheint Ende April im Erich Schmidt Verlag. Sie können es bequem hier bestellen.

Zur Person
Angelika Loo habilitierte in Fremdsprachendidaktik und promovierte in Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt DaF. Sie ist Privatdozentin an der Technischen Universität Berlin. Langjährige Tätigkeit im In- und Ausland als DaF-Lehrerin und Dozentin in verschiedenen Institutionen sowie in der DaF-Lehreraus- und -fortbildung.

(ESV-Redaktion Philologie)

Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache

 
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