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Rohstoffwende
Twitter weiterempfehlen  27.11.2017

„Deutschland 2049” – Auf dem Weg zur nachhaltigen Rohstoffwirtschaft?

ESV-Redaktion Recht
Massenabbau von Kies führt gegenwärtig zu großen Flächeninanspruchnahmen (Foto: bina01/Fotolia.com)
Der Bedarf an Rohstoffen nimmt stetig zu. Daher hat das Ökoinstitut mit seinem Eigenprojekt „Deutschland 2049” eine Strategie für eine nachhaltige Rohstoffwirtschaft entwickelt. Stefanie Degreif und Dr. Matthias Buchert stellen diese in der Fachzeitschrift Müll und Abfall vor.





Nachhaltigkeitssäulen: Ökonomie, Ökologie und Soziales

Ausgangspunkt für eine Rohstoffwende ist nach Degreif und Buchert die Sicherung der Rohstoffversorgung unter umweltgerechten und sozialverantwortlichen Bedingungen. Basis hierfür sind die drei Nachhaltigkeitssäulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Dabei stellen die Autoren ihrem Rohstoffwende-Szenario, kurz RW-Szenario, das Buisiness-as-usual-Szenario (BAU-Szenario) gegenüber.

Risikopotenziale der Rohstoffe als Hotspots

Grundlage des RW-Szenarios sind die Risikopotenziale der einzelnen Rohstoffe und die sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen. Sehr negative Auswirkungen bezeichnen die Verfasser als Hotspots.

Massenrohstoffe und Nicht-Massenrohstoffe

Auf Basis einer rohstoffspezifischen Untersuchung unterscheiden die Autoren dann zwischen Massenrohstoffen, an denen ein jährlicher Bedarf von mehr als 100.000 t pro Jahr besteht, von Nichtmassenrohstoffen mit einem Jahresbedarf von weniger als 100.000 t pro Jahr.

Anhand ihrer spezifischen Eigenschaften können die beiden Rohstoffgruppen in jeweils sechs Cluster mit ähnlichen Zielcharaktern eingeteilt werden. Dabei müssen alle Rohstoffe eines Clusters mindestens einen gemeinsamen Hotspot aufweisen. Insgesamt erfasst das Projekt 75 abiotische Rohstoffe, wovon 53 Nicht-Massenrohstoffe sind. 

Strategische Ziele am Beispiel von Kies 

Am Beispiel des Rohstoffs Kies führen Degreif und Buchert dann aus, dass der Massenabbau allein aufgrund der Menge zum Hotspot der großen Flächeninanspruchnahme führt. Zur Verringerung dieser Inanspruchnahme empfiehlt sich daher als übergeordnetes Ziel die Dämpfung der Primärnachfrage nach Kies.

Um dieses Ziel zu erreichen, definieren die Verfasser dann weitere strategische Ziele. Hierzu gehören:
  • Steigerung des Sekundäranteils von Kies durch mehr Reycycling
  • Erhöhung der Lebensdauer von Gebäuden durch Gebäudechecks
  • Bundesmobilitätsplan, der den bisherigen Verkehrswegeplan ersetzen soll.
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Bundesmobilitätsplan?

Die gravierendste Änderung wäre den Verfassern zufolge der Ersatz des bestehenden Verkehrswegeplans in einen verkehrsträgerübergreifenden Bundesmobilitätsplan mit den folgenden Möglichkeiten der Fortbewegung: zu Fuß, Fahrrad, Bus, Bahn, Pkw.

Dadurch wäre es möglich, den Ausbau des Straßennetzes zu reduzieren und somit auch den Kiesbedarf deutlich herabzusetzen.

Im RW-Szenario könne der primäre Kiesbedarf daher im Vergleich zum BAU-Szenario im Jahr 2049 um etwa 23 Mio t sinken. Dies entspricht fast der Hälfte. 

Beispielbaustoff Neodym

Abschließend wenden sich Degreif und Buchert dem Beispielbaustoff Neodym zu. Dieser Rohstoff ist dem Cluster „Seltene Erden” zugeordnet und hat zum Beispiel für Elektrofahrzeuge große Bedeutung. Beide Szenarien gehen daher von einem steigenden Bedarf aus. Bisher liegt die globale Recyclingrate aktuell unter 1 Prozent. Der Neodymbedarf wird zurzeit fast vollständig aus nicht zertifiziertem Primärmaterial gedeckt.

Dennoch gelangen die Autoren zu dem Ergebnis, dass nach dem RW-Szenario bis 2049 der Anteil des recycelten zertifizierten Neodyms am Gesamtbedarf bis zu 80 Prozent betragen wird. Hierdurch, so die Verfasser weiter, würde der Einsatz des nicht-zertifizierten Primärmaterials deutlich sinken. Laut Bau-Szenario würde hingegen noch ausschließlich nicht-zertifiziertes Primärmaterial eingesetzt.

Ehrgeizige Ziele von „Deutschland 2049”

Allerdings halten Degreif und Buchert ihre rohstoffspezifischen Ziele für sehr ambitioniert. Sie formulieren diese in einem Ziele- und Maßnahmenkatalog von insgesamt 15 Punkten. Dies sind unter anderem:
  • Fahrleistungsbezogene Maut für Kraftfahrzeuge
  • Bundesmobilitätsplan
  • Asphalt- und Betonrecycling
  • Reform der Grunderwerbssteuer
  • Primärbaustoffsteuer
Erfahren Sie die weiteren Punkte des Kataloges und die Ansätze, wie „Deutschland 2049” diese Ziele erreichen will, in der Fachzeitschrift Müll und Abfall Ausgabe 11/2017.

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(ESV/bp)

Programmbereich: Umweltrecht und Umweltschutz

 
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