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Nachgefragt bei: Volker Kaiser (BStBK)
Twitter weiterempfehlen  03.02.2016

„Digitalisierung und Deregulierung sind die Herausforderungen 2016”

ESV-Redaktion Steuern
BStBK-Vizepräsident Volker Kaiser: Für eine starke Stimme der Steuerberater in Europa (Foto: BStBK/Mark Bollhorst)
Warum Steuerberater eine starke Vertretung auf europäischer Ebene brauchen und welche Herausforderungen auf den Berufsstand zukommen, darüber gab der Vizepräsident der Bundessteuerberaterkammer, Volker Kaiser, im Interview mit der ESV-Redaktion Auskunft.

Während Europa auseinander zu driften scheint, haben sich europäische Steuerberater zur Interessenvertretung European Tax Adviser Federation (ETAF) zusammengeschlossen. Wollte der Berufsstand ein Zeichen für Europa setzen?


Volker Kaiser: Die Politik der Europäischen Kommission, die auf eine möglichst weitgehende Liberalisierung des Rechts der Freien Berufe abzielt, macht keinen Halt vor Steuerberatern. Sie nimmt zunehmend Einfluss auf die beruflichen Rahmenbedingungen, und zwar nicht nur in Deutschland. Erst kürzlich hat die EU-Kommission mit ihrer „neuen Binnenmarktstrategie“ für die Jahre 2016 und 2017 weitere Deregulierungsmaßnahmen angekündigt. Außerdem beobachten wir auf EU-Ebene eine starke Zunahme steuerpolitischer Initiativen, die Auswirkungen auf die Beratungstätigkeit der Steuerberater haben können.

Eine starke Vertretung ist also unabdingbar, um der Einflussnahme aus Brüssel wirksam entgegenzutreten. Deswegen haben wir am 15. Dezember 2015 gemeinsam mit unseren Partnern in Frankreich und Italien sowie dem Deutschen Steuerberaterverband den Startschuss für die ETAF gegeben. Unter ihrem Dach vereinen wir mehr als 190.000 Berufsangehörige aus Deutschland, Frankreich und Italien – somit aus Kernländern der Europäischen Union. Ich bin sicher, dass der steuerberatende Beruf mit der ETAF eine starke Stimme in Europa hat, die gehört werden wird.

Welche Aufgaben und Ziele verfolgt die ETAF?

Volker Kaiser:
Die ETAF hat sich zum Ziel gesetzt, steuer- und berufspolitische Vorhaben, die in Brüssel beschlossen werden und Auswirkungen auf den Berufsstand haben, aktiv zu begleiten. Sie wird eng mit den EU-Institutionen zusammenarbeiten, um für gute Rechtssetzung im Steuerbereich zu sorgen. Darüber hinaus ist es wichtig, bei der EU-Kommission und den anderen europäischen Institutionen stetig um Verständnis für die spezifischen Belange der steuerberatenden Berufe zu werben. Schließlich wollen wir auch das Qualitätsniveau, die Fachkenntnisse und Expertisen von Steuerberatern auf europäischer Ebene fördern und stärken.

…und wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Volker Kaiser:
Wichtig ist es, aktiv zu sein und vor Ort Präsenz zu zeigen. Die ETAF ist bereits im EU-Transparenzregister der Interessenvertreter eingetragen. Sie wird zu Konsultationen Stellung nehmen, ihre Fachkenntnisse in Expertengruppen einbringen, an Anhörungen und Konferenzen teilnehmen und persönliche Gespräche mit Entscheidungsträgern in Brüssel führen.

Wichtig ist natürlich auch die weitere Vernetzung, der regelmäßige Dialog und Erfahrungsaustausch mit anderen Interessenvertretern. Ein Vorteil ist, dass die Bundessteuerberaterkammer und die anderen Gründungsmitglieder der ETAF schon bisher in Brüssel aktiv waren. Daher lassen sich viele Synergieeffekte nutzen und weiter gemeinsam ausbauen. Ich freue mich jedenfalls auf eine vertrauensvolle und gewinnbringende Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern.

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Der EuGH hat den § 3a StBerG in seinem Urteil vom 17. Dezember kritisiert. Was muss geändert werden, damit der Paragraph den Anforderungen des EuGH genügt?

Volker Kaiser:
Zu Recht hat der EuGH die Regelung des § 3a StBerG kritisiert, denn sie ist hinsichtlich ihres Anwendungsbereichs nicht ausreichend klar gefasst. Der Gesetzgeber ist daher nach dem EuGH-Urteil aufgefordert, durch eine Änderung des § 3a StBerG für die nötige Rechtsklarheit und Rechtssicherheit zu sorgen. Hierzu reicht es aus, § 3a StBerG dahingehend zu präzisieren, dass auch der Fall des fehlenden physischen Grenzübertritts erfasst ist. Ausländische Dienstleister sollten auch dann zur vorübergehenden und gelegentlichen Hilfeleistung in Steuersachen befugt sein, wenn die Dienstleistung im Niederlassungsstaat des Dienstleisters erbracht wird. Die BStBK wird bei der erforderlichen Anpassung des Steuerberatungsgesetzes ihren Sachverstand einbringen und konstruktiv mitwirken.

Tendiert der Berufsstand, ähnlich wie dies bei den Rechtsanwälten der Fall ist, zu einer größeren Spezialisierung – oder wird es im steuerlichen Bereich weiterhin zahlreiche Generalisten geben?

Volker Kaiser: Wir beobachten durchaus einen Trend hin zu mehr Spezialisierungen. Bedingt durch das komplexe Steuerrecht und den hohen fachlichen Anforderungen an den Steuerberater gewinnt die Spezialisierung auf bestimmte Fach- und Tätigkeitsgebiete zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung hat die Bundessteuerberaterkammer bereits früh kommen sehen und im Jahre 2007 den Fachberater eingeführt. Steuerberater haben seitdem die Möglichkeit, ihre Spezialisierung auf bestimmte Steuerrechtsgebiete mit einem amtlichen Titel kundzutun. Aktuell können die Fachberatertitel „lnternationales Steuerrecht“ und „Zölle und Verbrauchsteuern“ erworben werden. Viele Steuerberater erkennen hierin eine willkommene Möglichkeit, sich weiter am Markt zu profilieren und neue Mandanten oder Netzwerkpartner zu erreichen.

Wagen wir einen Ausblick: Welche Herausforderungen warten auf den Berufsstand der Steuerberater im Jahr 2016?

Volker Kaiser: Das sind im Wesentlichen die Herausforderung der Digitalisierung, der Deregulierungsvorhaben aus Brüssel und des demografischen Wandels.

Der rasant zunehmende Einsatz moderner elektronischer Arbeitsmittel hat zu erheblichen Veränderungen in den Steuerverfahren und zu umfassenden Investitionen seitens der Kanzleien geführt. Hiervon hat allerdings bisher vornehmlich der Staat profitiert: Der Kabinettsentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens befindet sich aktuell im Gesetzgebungsprozess. Als Bundessteuerberaterkammer fordern wir hier, dass Steuerberater in den staatlichen Informations- und Auswertungsprozess mit einbezogen werden.

Bei der Deregulierung des Berufsstandes setzen wir uns dafür ein, dass die Berufsausübungsregeln keine Beschränkungen enthalten dürfen, die den Steuerberater unverhältnismäßig in seiner wirtschaftlichen Entfaltung einschränken. Auf europäischer Ebene, auf der kein einheitliches Bild dieser Berufsgruppe existiert, setzen wir uns für die Realisierung einer hohen Steuerberatungsqualität ein, damit der Beruf als freie und nicht als gewerbliche Tätigkeit ausgeübt wird.

Schließlich geht es für den Berufsstand auch darum, im Jahre 2016 im „battle of talents“ zu bestehen und erfolgreiche Nachwuchskräfte für die Steuerberatung zu rekrutieren. Dafür engagieren sich die Steuerberaterkammern sehr stark und sind überzeugender Ansprechpartner vor Ort. Zur Unterstützung dieser Arbeit hat die Bundessteuerberaterkammer ihre Nachwuchskampagne „Mehr als du denkst“ neu aufgelegt. Neben der konkreten Nachwuchsrekrutierung geht es uns aber auch darum, die Kanzleien als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Hierzu haben wir im Rahmen unseres Zukunftsprojektes „Steuerberatung 2020“ interessante Empfehlungen ausgesprochen.

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(ESV/map)

Zur Person
Volker Kaiser, Jahrgang 1959, ist Diplom-Betriebswirt und seit 1991 als Steuerberater tätig. Seit 2011 ist er Mitglied des Präsidiums der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) und seit 2015 deren Vizepräsident.

Programmbereich: Steuerrecht

 
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