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Nachgefragt bei: Rudolf X. Ruter
Twitter weiterempfehlen  04.11.2015

„Es braucht eine Rückbesinnung auf bewährte ethische Werte”

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
Rudolf X. Ruter: „Die Tätigkeit als Aufsichtsrat ist kein Zeitvertreib” (Foto: privat)
Die Rolle des Aufsichtsrats wird nicht zuletzt wegen des VW-Abgas-Skandals wieder diskutiert. Im Interview mit der ESV-Redaktion hält Rudolf X. Ruter ein Plädoyer für den ‚ehrbaren Aufsichtsrat‘.

In der Bevölkerung herrscht das Bild vor, Aufsichtsrat sei ein netter Zeitvertreib für ein paar wenige, zumeist ältere Männer. Mit Blick auf die Aufwandsentschädigung kommt oft Neid dazu. Was entgegnen Sie, wenn Sie mit diesen Klischees konfrontiert werden?

Rudolf X. Ruter: Die Tätigkeit als Aufsichtsrat oder Beirat ist kein Zeitvertreib. Beirats- und Aufsichtsratstätigkeiten sind auch keine Ehrenämter. Ehrbare Aufsichtsräte professionalisieren sich immer mehr. Sie besitzen aufgrund ihrer bisherigen unternehmerischen Erfahrungen und aufgrund von regelmäßigen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen nicht nur fachliche Mindestkenntnisse in allgemeiner, wirtschaftlicher, organisatorischer und rechtlicher Art. Sie leben aufgrund ihres positiven Selbstverständnisses auch persönliche Werte wie Unabhängigkeit, Eigenverantwortlichkeit und Akzeptanz persönlicher Haftung aktiv vor.

Dabei gewinnen neben Good-Corporate-Governance-Aspekten auch moralisch-ethische Fragestellungen, wie Good Corporate Company, Good Corporate Citizenship, Corporate Responsibility bzw. Corporate Social Responsibility und Wirtschaftsethik verstärkt an Relevanz. Die Aufwandsentschädigung gleicht in den meisten Fällen den tatsächlich zeitlichen Aufwand nicht aus.

Der Begriff Aufsichtsrat beinhaltet zum einem die Funktion der Aufsicht und zum anderen die des Rat-gebers. Wurde in der Vergangenheit die zweite Funktion – der Aufsichtsrat als Ratgeber – ernst genug genommen?

Rudolf X. Ruter: Die einen sagen so; die anderen sagen so. Manchmal hat man – insbesondere von außen betrachtet – den Eindruck, die Aufsicht wurde straflässig versäumt und manchmal vermisst man eklatant den Rat.

Grundsätzlich hat der ehrbare Aufsichtsrat den Vorstand zu bestellen, zu überwachen und zu beraten und gegebenenfalls in dessen Entscheidungen einzugreifen, indem er zum Wohle der Gesellschaft seine Zustimmung zu Geschäften auch verweigert. Er sorgt durch einen kontinuierlichen Entwicklungs- und Fortbildungsprozess für eine von allen Stakeholdern akzeptierte unternehmerische Sinn- und Werte-Orientierung und gewährleistet somit ‚ein ethisches’ Unternehmen.

Der ehrbare Aufsichtsrat befähigt andere - seine Gesellschafter oder Aktionäre, seine Aufsichtsrats-Kollegen, die Geschäftsleitung, die Mitarbeiter -, die Zukunft seines Unternehmens erfolgreich zu gestalten in dem das Bewährte bewahrt und die Veränderungen so angepasst werden, dass das Unternehmen seine gestalterische Kraft auch in den Veränderungen behält und sich weiter entwickelt.

Er hat nicht immer die passende Antwort parat. Aber er kann nachfragen. Und er stellt die richtigen Fragen. Jedes einzelne Aufsichtsratsmitglied ist dabei gefordert.

Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass wir zurückkehren müssen zum „ehrbaren Kaufmann“, zum „Handschlag“ und zum „geraden, tiefen Blick in die Augen“ unserer Vertragspartner. Es braucht eine Rückbesinnung auf bewährte ethische Werte und Tugenden.

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Bei einem Buch, das den Titel trägt: „Tugenden eines ehrbaren Aufsichtsrats“ fragt man sich, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist?

Rudolf X. Ruter: Ehrbare Aufsichtsräte sind ehrbare Kaufleute und Unternehmer. Sie handeln als Unternehmer im Einklang mit der Gesellschaft. Leider sind nicht alle Wirtschaftsakteure immer auch „ehrbare Kaufleute“. Gelegentlich werden bei schwierigen Problemen und Fragen ehrbare Ansichten und Antworten über den Haufen geworfen wie z. B. in folgenden Bereichen
  • Nationale und internationale Steuervermeidungspraktiken, beispielsweise Steuer-Oasen wie Holland oder Cayman Islands,
  • Diskriminierung von nationalen oder internationalen Beschäftigten, z.B. Gender, Kultur, Alter,
  • Bestechung und Korruptionspraktiken, z.B. in Vertriebsländern mit diesbezüglich anderen Kulturen,
  • faire und transparente Preisgestaltung für Produkte und Leistungen, z.B. access to medicine, Tarif-Wirrwarr, Provisionsschinderei,
  • Verschwiegenheits- und Vertraulichkeits-Maßstäbe, beispielsweise ‚Durchstechen von Informationen’,
  • Belastungsgrad der nationalen und internationalen Mitarbeiter im Sinne einer work-life-balance, Handy-Erreichbarkeit im Urlaub,
  • Behandlung der Lieferanten inklusive faires Pricing und Wissen über die Lieferanten, z.B. Bangladesch.
Nicht immer sind Mitglieder von Aufsichtsgremien in allen Aspekten unabhängig und haben den Mut zum Ansprechen von Negativ-Ereignissen und unternehmerischen Falschentwicklungen. Und dann muss sich auch niemand wundern, wenn es danach nur noch schief läuft. (ESV/ms, map)

Weiterlesen? Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie auf COMPLIANCEdigital.de. Dort klärt Rudolf X.Ruter die Frage, ob Aufsichtsrat ein Beruf oder eine Berufung ist.

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Zur Person

Als Experte für Nachhaltigkeit und Corporate Governance beschäftigt sich Rudolf X. Ruter seit knapp vier Jahrzehnten verstärkt mit Ethik und Ehrbarkeit in der Wirtschaft. Er ist überzeugt, dass Glaubwürdigkeit und Reputation die Währung unserer Zukunft ist.

Nach seiner Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer bei Arthur Andersen baute er als Partner bei Ernst & Young den Geschäftsbereich Nachhaltigkeit in Deutschland auf. Er hat zahlreiche Fachartikel u. a. zum Thema Nachhaltigkeit, Corporate Governance, Compliance, AR/Beiräte und Unternehmensführung veröffentlicht (www.ruter.de).

Gerade ist im ESV der aktuelle Band „Tugenden eines ehrbaren Aufsichtsrats: Leitlinien für nachhaltiges Erfolgsmanagement“ erschienen.

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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