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Eine ungewöhnliche Autorin
Twitter weiterempfehlen  26.08.2015

Felicitas Hoppe, eine Fabuliererin

Carola Hilmes
Der karierte Rucksack: Steter Begleiter in „Hoppe“ (Foto:serkat Photography/Fotolia.com)
Felicitas Hoppe hat Reiseerzählungen verfasst, historische Romane, ein Kinderbuch und zuletzt eine fiktive Biographie über sich selbst. Sie ist eine im wahren Sinne ungewöhnliche Autorin.
Sie hat kein Handy, keine Homepage und ist auch nicht bei Facebook. Felicitas Hoppe ist eine unzeitgemäße Erzählerin mit einem ganz eigenen unverwechselbaren Stil. Sie favorisiert Märchen und Sagen, schreibt über Ritter und sucht Abenteuer.

Autorschaft und Performance: Felicitas Hoppe, eine Fabuliererin

Bei ihr ist „alles ehrlich erfunden“. In Interviews tritt sie beherzt auf, freimütig gibt sie über sich Auskunft und wirkt dabei besonnen und klug. Stets geht sie auf ihre Gesprächspartner ein, und was sie sagt, sei wahr, behauptet sie, denn auf den kurzen Beinen der Lüge komme man nicht gut durch die Welt. Das wäre zu kräftezehrend. Ich glaube ihr, denn – um mit Tucholsky zu sprechen – Wahrheit ist die beste Art der Tarnung.

In ihren Augsburger Vorlesungen aus dem Jahr 2008 schreibt Hoppe, in Abgrenzung zu Bertolt Brecht, dem Namenspatron ihrer damaligen Gastprofessur, der „aus den schwarzen Wäldern kam“ und von seiner Mutter „ins Dickicht der Städte“ hineingetragen wurde: „Ich dagegen, Felicitas Hoppe, bin aus den Wäldern des Weserberglands. Aus einem Haus voller fröhlicher Esser, die allesamt nichts als Nachläufer sind. Wir sitzen an übervollen Tischen, ohne besonders hungrig zu sein. Glücklich und überdrüssig habe ich neulich ein Schiff bestiegen, weil mich der Rattenfänger nicht mitnehmen wollte. Jetzt bin ich auf eigene Faust unterwegs. Und nach mir wird kommen, was durch mich hindurchging: Zwerge mit großen Ohren.“

Denn wie man sich bettet, so liegt man. Es deckt einen doch keiner zu. Die besagten Zwerge – Hoppe kennt sie aus frühneuzeitlichen Reiseberichten – nutzen ihre großen Ohren, das eine als Bett und das andere als Decke. Das ist sehr praktisch, warm und bequem.

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Self-fashioning, Herstellung und Vermarktung des eigenen Images

Nach dem von Roland Barthes 1968 proklamierten Tod des Autors, der bekanntlich die Geburt des Lesers ermöglicht hat, feiern wir spätestens seit der Jahrtausendwende eine Rückkehr des Autors. In praktischer Hinsicht, also für Buchhändler und Verleger, aber auch für Editionsphilologen, war Autorschaft als Ordnungs- und Orientierungskategorie ohnehin nie ernsthaft in Zweifel gezogen worden. Heutzutage sind Autor(inn)en zu medialer Präsenz gezwungen. Die Frage lautet: Wie kann ich mir die nötige Aufmerksamkeit sichern? Früher hieß es einmal: Wer schreibt, bleibt. Aber bevor man ins kulturelle Gedächtnis abwandern kann, muss man gehört und möglichst auch gesehen worden sein. Self-fashioning, Herstellung und Vermarktung des eigenen Images lautet das Gebot der Stunde. Felicitas Hoppe kümmert dies wenig, und die vielen Stipendien, Preise und Auszeichnungen geben ihr Recht.

Ihre Lieblingsfarbe ist rot. Zu den wiederkehrenden Requisiten in ihrem Werk zählen die Ratten und der Rattenfänger aus Hameln, die Ritter in ihren Rüstungen und seit Hoppe (2012) auch der karierte, vom Vater selbst genähte Rucksack, den die Protagonistin des Romans nie ablegt. Eine klare Trennung von Fakten und Fiktionen lässt sich bei Hoppe nicht vornehmen. Ihre Erzählungen besetzen Übergangsbereiche: die Reiseliteratur, den historischen Roman, das Porträt und das Genre der Autobiografie. In diesen Grenzgebieten zwischen Literatur und Leben ist sie beherzt unterwegs und findet bei ihren Expeditionen Mitreisende, Wahlverwandte und Verbündete, so etwa Pigafetta, den kleinen Baedeker, einen Löwenritter, eine heilige Jungfrau.

Hoppe spinnt Stroh zu Gold, d. h. es gelingt ihr, durch Geschichten-Erzählen die ganz normalen Worte der Literatur in eine glänzende Sprache zu verwandeln. Ihr poetologisches Programm: „mit den Mitteln der Wirklichkeit Literatur simulier[en]“. Deshalb präsentiert sie sich als moderne Märchenerzählerin, als Schatzsucherin und als Fabulierkünstlerin.

Carola Hilmes

Auszug aus: Michaela Holdenried (Hg.), Felicitas Hoppe: Das Werk. Philologische Studien und Quellen, Band 251. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2015.

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