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Abfallentsorgung und Recycling
Twitter weiterempfehlen  12.04.2017

Gosten: „Getrennte Erfassung und Sammlung von Abfällen führt im Grundsatz nur zu verschiedenen Müllhaufen“

ESV-Redaktion Recht
Kann Recycling nur die unterste Stufe der Abfallhierarchie besetzen? (Foto: eyetronic/Fotolia.com)
Berlin wächst jährlich um etwa 45.000 Einwohner. Dies stellt auch die Abfallentsorgung vor besondere Herausforderungen. Dr. Alexander Gosten, verantwortlich für die Abfallbehandlung der Berliner Stadtreinigung (BSR), erläutert in der Fachzeitschrift „Müll und Abfall” die Schwierigkeiten des Abfallentsorgungs und Recyclingssytems der Bundeshauptstadt.
Neben der Bevölkerungszunahme, so  Gosten, sieht sich die Stadt vor allem mit stetig wachsendem Verkehr, der Gentrifizierung und vor allem mit der Verdichtung der Räume und Stadtflächen konfrontiert. Dies führt sogar dazu, dass bereits die Evaluierung von Stellplätzen für Abfallbehälter eine besondere Bedeutung gewinnt. Schon jetzt würde sich zeigen, dass es ein „Weiter so” nicht geben kann, meint Gosten.

Sechs Veränderungsprozesse die sich auf Berlin auswirken

Im Wesentlichen  macht Gosten sechs Veränderungsprozesse aus, die sich auf Berlin auswirken und die die Aufstellung eines Abfallwirtschaftsplans zum Nachweis der Entsorgungssicherheit für 10 Jahre erheblich erschweren. Insoweit spricht er von „Treibern”.

Veränderungsprozesse in Berlin: Die sechs Treiber
  • Treiber 1 - Bevölkerungszunahme: Zwar habe Berlin offiziell 3.520.000 Einwohner, jedoch gäbe es für die tatsächliche Zahl nur Mutmaßungen. Dies liege zum Teil daran, dass zum Beispiel die Zahl von Ausländern unbekannt ist. Gleiches gelte für die Zahl von Inländern, die sich zwar stetig in Berlin aufhalten, die aber nicht in Berlin gemeldet sind. Ebenso wäre nicht bekannt, wieviele Wohnungen oder Häuser in Berlin nur Zweitwohnsitze sind oder wieviele Touristen sich gerade in Berlin aufhalten. Insoweit benennt der Verfasser noch zahlreiche weitere Faktoren, die die Unsicherheit über die tatsächliche Bevölkerungszahl verstärken.
  • Treiber 2 - Gentrifizierung: Hierunter will der Autor Prozesse verstanden wissen, die zur Vermischung und Verdrängung von Bevölkerungsgruppen führen. So gäbe es bestimmte Touristen-und Bevölkerungsgruppen, die im Gegensatz zur Durchschnittsbevölkerung hohe Anforderungen an die Sauberkeit und Entsorgung stellen. Diese Gruppen wären auch in der Lage, ihre Wünsche und Ansprüche deutlich zu kommunizieren, im Gegensatz zu Bevölkerungsgruppen, die fast gar keinen Bezug zur Entsorgung und Sauberkeit der Stadt haben und über die üblichen Kommunikationswege nicht erreichbar sind.
  • Treiber 3 - Verdichtung des Verkehrs: Insoweit geht es Gosten einerseits um die Verlängerung der Fahrzeiten von Fahrzeugen durch den immer dichter werden Verkehr und dadurch bedingte weitere Verzögerungen, wie zum Beispiel Unfälle. Darüber hinaus, so Gosten weiter, würden viele verschiedene Mülltonnen zu vielen unterschiedlichen Sammeltouren führen. Daher werden sich neue Formen des Verkehrs, aber auch des Verkehrsverhaltens etablieren müssen, fährt der Autor fort.
  • Treiber 4 - Zunehmende Verdichtung der Räume und Flächen: Auch der Zugang zu Müllplätzen, die sich vor allem im Altbau oft im Keller oder auf Hinterhofplätzen befinden, wird die BSR künftig vor größere Herausforderungen stellen. Hinzu komme, dass es auch auf den Straßen zwischen geparkten Fahrzeugen immer weniger Raum für Müllbehälter gibt. Auch auf Gehwegen würden zunehmend Verkehrspoller oder Fahrradständer errichtet.
  • Treiber 5 – Wachstum in der Höhe: Hier sieht Gosten völlig neue Herausforderungen für die Entsorgungswirtschaft. Zum einen geht er davon aus, dass bei Bewohnern vor allem der neu errichteten Hochhäuser, deren Quadratmeter-Preis bei 10.000 Euro liegen kann, kein großes Interesse besteht, sechs verschiedene Müllbehälter in den Keller zu tragen. Andererseits hat gerade die Stadt Berlin beschlossen, keine Müllschlucker mehr zu erreichtem bzw. vorhandene zurückzubauen.
  • Treiber 6 – Generelle Treiber: Hier verweist Gosten unter anderem auf die aktuelle Styropordebatte, die Verschärfung der Grenzwerte für Inhaltsstoffe von Abfällen und Recyclingprodukten sowie die wachsende Komplexität von dünnwandigeren Verbundmaterialien.
 
Zwar, so der Verfasser weiter, bietet die BSR bereits moderne Standplatzlösungen für Berlin an. Er hält jedoch die gegenwärtigen Lösungen für die künftig anstehenden Schwierigkeiten nicht für ausreichend.

Zukunft unter der Straße?

Die Zukunft der Entsorgungs-und Recyclingkonzepte könne daher durchaus unter der Straße liegen. So könne der Abfalltransport zum Beispiel in Tunnelsystemen erfolgen, die in Berlin zahlreich vorhanden sind und zum Teil gar nicht mehr genutzt werden.
  • Rohrsysteme mit Vakuumtechnik: Hierbei wäre der Einsatz von Rohrsystemen mit Vakuumtechnik denkbar, der sich für kurze Distanzen innerhalb von Gebäuden eignet.
  • Schienensysteme: Ebenso denke die BSR über ein Schienensystem für längere Strecken nach. Dabei könnten die Abfälle in unterschiedlichen Behältnissen getrennt bleiben und an geeigneter Stelle weiter sortiert werden.
  • Nutzung der Kanalisation: Auch hier könnten die Abfälle in unterschiedlichen Behältnissen getrennt bleiben und an geeigneter Stelle weiterverarbeitet werden.
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Recycling-und Entsorgungswirtschaft kann nur die unterste Stufe der Abfallhierarchie besetzen

Zwar geht Gosten im Weiteren davon aus, dass der Bürger dem Entsorger seinen Abfall nur mit dem reinen Entledigungswillen überlässt, wobei er vor allem die Bequemlichkeit und die Kosten als Ursache hierfür ausmacht. Somit könne die Recycling-und Entsorgungswirtschaft nur die unterste Stufe der Abfallhierarchie besetzen. Hierfür sei der nach wie vor hohe Vermüllungsgrad und Berlin und anderen Ballungsräumen ein Beleg.

Die getrennte Erfassung und Sammlung für im Grundsatz nur zu verschiedenen Müllhaufen. Damit sei noch nichts über die Qualität und den Umfang des Recyclings gesagt. Zwar sei die Recyclingwirtschaft technisch noch nicht am Ende. Allerdings ließen sich aus größeren Verunreinigungen immer erst dann technisch bessere Qualitäten trennen, wenn der Markt dies wünscht.

Das stoffliche Recycling könne mit größeren Aufbereitungsanlagen durchaus weiter verbessert werden. Dann müsse der Umgang mit den Abfällen und das Inverkehrbringen von Recyclingprodukten aber auch gewünscht sein.

Es bleibe daher das Ziel der BSR, noch mehr Recyclingprodukte in den Wirtschaftskreislauf zu bringen und dabei gleichzeitig die Emissionen zu verringern. Zudem werde die BSR weiter auf Innovationen setzen, um den Anforderungen des Kreislaufwirtschaftgesetzes gerecht zu werden.

Zur Person
Dr. Ing. Alexander Gosten ist promovierter Bergbauingenieur und innerhalb der Berliner Stadtreinigung (BSR) vor allem verantwortlich für die Abfallbehandlung und 20 Anlagen.

Weiterführende Literatur
Das Loseblattwerk TTVAB Technische Vorschriften für die Abfallbeseitigung ist eine ergänzbare Sammlung der einschlägigen Technischen Anleitungen, Technischen Regeln, Richtlinien, Merk-und Musterblätter. Das von Dr.-Ing. Karl-Heinz Lindner, Dr. agr. Claus-Gerhard Bergs und Dr. rer. nat. Claus-André Radde herausgegebene Werk dient vor allem der Vorbereitung, Planung und Durchführung von Maßnahmen zur schadlosen Beseitigung und der Verwertung von Abfällen aus Haushaltungen, Gemeinden, gewerblichen Betrieben und Landwirtschaft einschließlich der Maßnahmen gesundheitstechnischer Art.

Der Kommentar RdA Recht der Abfall- und Kreislaufwirtschaft des Bundes, der Länder und der Europäischen Union, begründet von Prof. Dr. med. habil. Gottfried Hösel, Ministerialdirigent a.D. und Prof. Dr. jur. Heinrich Freiherr von Lersner, Präsident des Umweltbundesamtes a.D., behandelt das komplexe Rechtsgebiet sowohl aus rechtlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Praxistauglich, umfassend und aktuell, richtet sich das Werk an alle, die sich mit abfallrechtlichen Themen befassen: Behörden, Ingenieure und Akteure aus der kommunalen und privaten Abfallwirtschaft, sowie an Rechtsanwälte und Gerichte.

(ESV/bp)

Programmbereich: Umweltrecht und Umweltschutz

 
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