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Nachgefragt bei: Eva Heuer
Twitter weiterempfehlen  07.10.2016

Heuer: „Am Ende zählt nur das erreichte Arbeitsergebnis”

ESV-Redaktion Arbeitsschutz
Eva Heuer: „Flexibilität führt zu mehr Kreativität” (Foto: privat)
Das Softwareunternehmen T.CON hat seine Arbeitskultur grundlegend umgestellt, um sich schneller auf Anforderungen von außen einstellen zu können. Welche Folgen das für die Produktivität hatte und wie die Mitarbeiter damit umgehen, beantwortet Eva Heuer im Interview mit der ESV-Redaktion.

Ihr Unternehmen wirbt auf seiner Webseite mit einer perfekten Work-Life-Balance. Welche Rolle spielt selbstbestimmtes Arbeiten in Ihrer Unternehmenskultur?

Eva Heuer: Selbstbestimmtes Arbeiten spielt bei uns eine sehr große Rolle, nicht nur in Bezug auf die Arbeitszeit und den -ort, sondern auch in den Arbeitsinhalten. Gegenseitiges Vertrauen ist sowohl für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als auch für unsere Führungskräfte von enormer Bedeutung. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Freiraum und die dadurch gewonnene Flexibilität zu mehr Kreativität, Motivation und auch Verbundenheit mit dem Unternehmen führen. Des Weiteren fördern wir so die Eigenständigkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und das Selbstvertrauen. So muss der Urlaub nicht von der Führungskraft genehmigt werden, lediglich eine Abstimmung im Team ist erforderlich. 

Sie bieten Ihren Mitarbeitern orts- und zeitflexibles Arbeiten an. Wie funktioniert das genau?

Eva Heuer: Unsere Mitarbeiter haben Vertrauensarbeitszeit. Es gibt keine Kernarbeitszeit. Einschränkungen gibt es nur im Kundenservice bzw. zu bestimmten Terminen wie beispielsweise Abstimmterminen oder Teammeetings besteht eine Präsenzpflicht. Unsere Mitarbeiter teilen sich ihr Arbeitspensum selber ein. Am Ende zählt nur das erreichte Arbeitsergebnis. Es werden keine Überstunden ausbezahlt. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter sich Ihre Arbeitszeit selber einteilen und auch lernen, für den richtigen Ausgleich zu sorgen. Da darf es auch sein, dass man mittags nach Hause geht. Der Arbeitsort kann aufgabenspezifisch täglich selbst gewählt werden - sowohl in unseren Bürogebäuden als auch z.B. im Homeoffice. Unsere Mitarbeiter sind technisch so ausgestattet, dass sie mobil arbeiten können. Dazu gehören Handys, datengeschützte Notebooks und auch eine IT-Infrastruktur mit verschiedenen Plattformen, die es erlauben, auf Informationen jederzeit, einfach und überall zugreifen zu können.

Ihr Modell setzt ja viel Vertrauen voraus. Welche Rolle spielen Ihre Führungskräfte dabei?

Eva Heuer: Unsere Führungskräfte haben Vorbildfunktion für unsere Mitarbeiter. Auch sie müssen für einen guten Ausgleich sorgen. Wir wollen nicht die gearbeiteten Zeiten kontrollieren, sondern die Ergebnisse der Arbeit. Unsere neuen Mitarbeiter müssen zum Teil für diese Freiheit und Flexibilität erst sensibilisiert werden und auch Mitarbeiter, die Probleme damit haben, werden von unseren Führungskräften enger betreut.

Viele Führungskräfte sind mit dem Unternehmen gewachsen und kennen so die Anforderungen und Bedürfnisse in unseren Unternehmen sowie die Chancen und Risiken dieser Freiheiten. Ganz wichtig ist regelmäßiges Feedback der Führungskräfte an die Mitarbeiter. Es zählt ja nicht die Zeit, die im Büro verbracht wird, sondern eben die positiven Arbeitsergebnisse - und die wollen schließlich wertgeschätzt werden.

Welche Vorteile hat das Modell für das Unternehmen wie auch für die Beschäftigten aus Ihrer Sicht? Gibt es Nachbesserungsbedarf?

Eva Heuer: Alle Märkte fordern heute hohe Flexibilität: Neue, disruptive Anbieter bringen ganze Branchen durcheinander. Ein Beispiel dafür ist AirBnB, die den Fremdenverkehr teilweise auf den Kopf stellen. Ein Treiber dafür ist immer wieder die Digitalisierung von Prozessen. Das betrifft auch die Prozesse unserer Kunden und damit auch uns! Wir müssen schnell neue Technologien adaptieren und mit ihnen Mehrwert bei unseren Kunden schaffen. Diese Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft fordern wir von allen Mitarbeitern ein.

In der heutigen Zeit streben Arbeitnehmer und auch die Unternehmen nach immer mehr Freiheiten. Die verschiedenen Wünsche beider Parteien sind eine bleibende Herausforderung. Die Arbeitnehmer wollen mitentscheiden, wann und wie sie arbeiten wollen. Natürlich geht es vielen auch darum, Privates und Berufliches bestmöglich zu vereinbaren. Vor allem Eltern sind darauf angewiesen, flexibel zu reagieren, wenn z.B. das Kind kurzfristig erkrankt und keine Betreuung zu finden ist.

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Selbstbestimmte Zeiteinteilung nach persönlichen Tageshöhen steigert die Produktivität. So kann auch während der „9 to 5“-Zeit auch mal eine längere Auszeit, z.B. im hauseigenen Fitnessstudio, genommen werden. Diese Kultur wird vorgelebt. Dennoch wird bei neuen Mitarbeiter dies oft als auch Kulturschock empfunden. Dies erfordert eine intensive Betreuung von den Führungskräften, aber auch erfahrenen Kollegen in den Projekten. Diese wiederum müssen immer wieder sensibilisiert werden, so dass ein offener Umgang und gegenseitiges Vertrauen unter den Kollegen aufgebaut wird. Überlastungen werden nämlich womöglich erst später als bei einer Regelarbeitszeit erkennbar.

Unsere nächste Herausforderung ist es, unsere Flexibilität und Agilität auch im künftigen Wachstum zu erhalten. Der Impuls für die Einführung von neuen Regeln – und auch der gesetzliche Druck – sind hoch. Wir nehmen Anfragen für neue Regelungen sehr bewusst wahr und diskutieren sie offen im Team. Implizite Regeln geben wir den Vorzug. Grundlage dafür sind Transparenz und Offenheit. Und auch hier sind wir jeden Tag gefordert, diese zu erhalten.

Zur Person
Eva Heuer
ist Teamleiterin Personal bei der T.CON GmbH & Co.KG. Das Unternehmen aus dem bayerischen Plattling besteht seit 1999 und hat sich als Beratungsdienstleister etabliert, zu dessen Kernkompetenzen die Entwicklung und Implementierung von Lösungen für SAP-Produkte zählen. T.CON ist an fünf Standorten präsent und beschäftigt 220 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Weiterführende Literatur
Strategische Bausteine des Personalmanagements
Konzepte - Umsetzung - Praxisbeispiele
Prof. Dr. Elisabeth van Bentum

Digitalisierung und Arbeit 4.0, kurze Technologie- und Innovationszyklen, globale und dezentrale Wertschöpfungsketten, demografischer Wandel: Die Arbeitswelt und ihre Parameter verändern sich rasant. Im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter und knappe Fachkräfte wird dabei nur punkten, wer nachhaltig als attraktiver Arbeitgeber überzeugt.

Vor dem Hintergrund der grundlegenden Bedeutung von Arbeitgeberattraktivität beschreibt dieses Buch die erforderlichen Bausteine zur Neuausrichtung personalstrategischer Konzepte: Die vier elementaren personalpolitischen Instrumente sind
- Diversity Management,
- Talentmanagement,
- Performance Management,
- Wissensmanagement.
Jeden der Bausteine konkretisieren Best Practices und Empfehlungen zur Umsetzung in Unternehmen aller Größen und Branchen.

(ESV/ck)

Programmbereich: Arbeitsschutz

 
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