leer  Ihr Warenkorb ist leer
COMPLIANCEdigital - Treffsicheres Wissen für die Compliance!
 

 
Berliner Kommentare
 
Juris Allianz ESVcampus ESV Akademie Der ESV auf Twitter
 
Nachgefragt bei: Prof. Dr. Angelika Hoffmann-Maxis
Twitter weiterempfehlen  13.03.2017

Hoffmann-Maxis: „Impulse für das Textverstehen erhält man durch relevante Kontexte“

ESV-Redaktion Philologie
Schafft mit Kontexten literarischen Mehrwert: Angelika Hoffmann-Maxis (Foto: privat)
‚Kontext‘, abgeleitet von lateinisch ‚contextus‘, bedeutet soviel wie: enge Verknüpfung, Zusammenhang. Was Kontextualität bewirkt und warum sie für das Textverständnis wichtig ist, erläutert Prof. Angelika Hoffmann-Maxis im Gespräch mit der ESV-Redaktion.
Dass „alles irgendwie im Kontext steht“, wissen wir nicht erst im Zeitalter des Internets, wo wir mit jedem Klick in einer gängigen Suchmaschine mehr Zusammenhänge aufzeigen können, als uns manchmal lieb ist. Aber wie sieht es konkret in literarischen Texten aus? Welche Kontextualitäten sind relevant und wie kann ich mir diese erschließen?

Unsere Autorin Angelika Hoffmann-Maxis alias Corbineau-Hoffmann ist nicht nur Expertin für Komparatistik, die sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Literaturen verschiedener Kulturen befasst, sondern auch für Kontextualität, die sich mit der Erschließung des „Sinnganzen“ eines literarischen Textes beschäftigt. Im Interview mit ihr erhalten wir einen ersten Einblick in diese Thematik:

Wie kann man mit einem einfachen Bild den Studierenden die Bedeutung von „Kontextualität“ näher bringen?

Angelika Hoffmann-Maxis: Vielleicht mit einem Hinweis auf unsere unmittelbare Lebenserfahrung: Wir sind nicht alleine auf der Welt, sondern haben Eltern, Geschwister, Freunde, Bekannte und viele weitere Menschen, zu denen wir in Kontakt stehen. Was wir tun oder sogar was wir sind, hängt nicht nur von uns ab: alle anderen, die zu unserem unmittelbaren Lebensumfeld gehören, bestimmen unser Handeln und unsere persönliche Eigenart mit. So verhält es sich auch mit literarischen Werken. Sie stehen in größeren Zusammenhängen, Kontexten, die zu erschließen einen Teil des Lesevergnügens ausmacht.

Kontext bedeutet ja im ursprünglichen Sinne, etwas miteinander zu verweben. Ist es im Zeitalter des Internets, das scheinbar unendliche Verbindungen findet, leichter oder schwieriger, Kontexte herzustellen?

Angelika Hoffmann-Maxis: Im Zeitalter des Internets ist es, verglichen mit früheren Zeiten, einerseits leichter, mögliche Kontexte aufzufinden, weil uns durch die Materialfülle des Netzes hierfür nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Hieraus folgt aber andererseits auch, dass es eben aufgrund dieser Fülle schwieriger geworden ist, solche Verbindungen zu finden, die für das Verstehen von literarischen Texten wirklich relevant sind.

Newsletter Philologie
Bleiben Sie informiert - mit unserem kostenlosen Newsletter Philologie, den Sie hier abonnieren können.

Jenseits von rein quantitativen und beliebigen Verbindungen liegt im Begriff ‚Kontext’ schon der Gedanke, dass von diesen möglichen Verbindungen ein Impuls für das Textverstehen ausgehen muss, so dass sie gewissermaßen einen interpretativen Mehrwert darstellen. Sicherlich ist es heutzutage durch die Masse an Informationen und die Verfügbarkeit von Material aller Art wichtig, den Überblick zu behalten und gezielt auszusortieren, was keinen Mehrwert für den Text darstellt.

Eine These in Ihrem neuen Buch „Kontextualität“ lautet: Ohne Kontext keine Bedeutung. Für Studierende ist es vermutlich zunächst schwierig, den ‚richtigen’ Kontext auszumachen, bzw. den wichtigen vom unwichtigen zu unterscheiden?

Angelika Hoffmann-Maxis: Diese von Ihnen verkürzt wiedergegebene These gilt für Texte im Allgemeinen und nicht nur für literarische. Texte und zumal längere kann man in Teile zerlegen, die im Wechselverhältnis miteinander Sinn ergeben. Texte bilden Sinnzusammenhänge, die sich erst durch den ‚Abgleich’ einzelner Passagen miteinander zu einem Sinnganzen fügen. ‚Richtige’ Kontexte fügen sich in ein solches Sinnganzes ein, ‚falsche’ hingegen nicht. Allerdings gilt für literarische Texte, dass sie nicht nur einen Sinnzusammenhang, nicht nur eine Bedeutung bilden, sondern gleich mehrere: Das macht das ‚Wunder‘ ihrer breit gestreuten und oftmals historisch konstanten Wirkung aus.

Erfordert ein Buch mit dieser Fragestellung eine spezifische Art des Aufbaus? Oder anders gefragt: Trägt Ihr Buch in besonderer Weise seinem Thema Rechnung?

Angelika Hoffmann-Maxis: Grundsätzlich gilt: Jedes Buch braucht eine eigene ‚Schreibweise’. Das vorliegende ist so aufgebaut, dass es nicht in der vorgegebenen Weise von Anfang bis Ende gelesen werden muss; vielmehr können verschiedene Kapitel miteinander kombiniert, ‚kontextualisiert’ werden. So schafft sich jeder Leser, jede Leserin ein eigenes ‚Kontext‘-Buch.

Das könnte Sie auch noch interessieren: Für literarische Texte gilt: ohne Kontext keine Bedeutung

Zur Person
Angelika Hoffmann-Maxis, alias Corbineau-Hoffmann, die Romanistik, Germanistik, Philosophie, Pädagogik und Vergleichende Literaturwissenschaft an den Universitäten Bochum und Tours/Frankreich studierte, ist emeritierte Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie arbeitet seit langer Zeit in Forschung und Lehre zu Fragen literarischer Kontextualität. Sie ist die Autorin der ebenfalls im Erich Schmidt Verlag erschienenen Einführung in die Komparatistik, die bereits in 3. Auflage vorliegt.

Zum Buch
Das Buch Kontextualität. Einführung in eine literaturwissenschaftliche Basiskategorie erscheint im März im Erich Schmidt Verlag. Wenn Sie mehr über die Bedeutung von Kontexten im Zusammenhang mit literarischen Texten erfahren möchten, dann können Sie das Buch bequem hier bestellen.

(ESV/vh)

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
Zurück
 
Als Nettopreise angegebene Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer. Alle Nettopreise, also auch die Monatspreise, wurden aus den Bruttopreisen errechnet. Daher kann es wegen Rundungsungenauigkeiten bei einer Rückrechnung zu Abweichungen um wenige Cent kommen.


© 2017 Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Genthiner Straße 30 G, 10785 Berlin
Telefon (030) 25 00 85-0 | Telefax (030) 25 00 85-305 | E-Mail: ESV@ESVmedien.de