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Weihnachten in Italien
Twitter weiterempfehlen  09.12.2015

„Kerzen gehören in die Kirche oder auf den Friedhof”

Dr. Birgid Rauen
Weihnachten in Neapel: Die Krippenstraße Via San Gergorio Armeno (Foto: Antonio Gravante/Fotolia.com)
„Krippen, La Befana, Weihnachtsmärkte” – ein paar Gedanken zu Weihnachten in Italien von Dr. Birgid Rauen, der Herausgeberin des Italien-Lexikons.
Weihnachten wird in Italien anders gefeiert als in deutschen Landen oder überhaupt jenseits des Alpenkamms. Da mag das Klima eine Rolle spielen, aber vordergründig sind es wohl historische Gegebenheiten und lokale Traditionen, die den Unterschied machen.

Die Krippe ist wichtiger als der Weihnachtsbaum

Der Katholizismus hat diese Traditionen anders geprägt als in Deutschland: Lange war z. B. an Weihnachten die Krippe die wichtigste Dekoration sowohl in den Kirchen als auch zu Hause in der Familie. In Neapel gibt es im alten Stadtteil eine Straße, in der das ganze Jahr über Krippenfiguren, teilweise von hohem künstlerischem Wert, verkauft werden. Es lohnt sich in jedem Fall, in der Vorweihnachtszeit die wunderschönen Krippen in italienischen Kirchen anzuschauen! Der Weihnachtsbaum hingegen ist ein Importgut aus dem Norden und hat erst nach dem letzten Weltkrieg langsam südlich der Alpen Einzug gefunden.

Weihnachtsmärkte als Marketing

Weihnachtsmärkte sind ebenfalls ein Importgut und erst in den letzten 20 Jahren entstanden. Es gibt sie beispielsweise in Südtirol – Meran, Bozen, Brixen – und in der Vorweihnachtszeit werden zahlreiche Busfahrten dorthin organisiert. Diese Weihnachtsmärkte gab es bis in die neunziger Jahre nicht; sie sind eher im Zuge von Tourismusmarketing entstanden. Auch weiter im Süden Italiens, in Rom beispielsweise, sind inzwischen Weihnachtsmärkte („Mercatini di Natale”) zu finden, die aber mit den deutschen Weihnachtsmärkten wenig gemein haben.

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Kerzenschein und Advent

Was es in Italien nicht gibt, ist das sogenannte besinnliche Weihnachten bei Kerzenschein – warum auch, die Tage sind meistens immer noch sonnenhell. Kerzen lieben die Italiener weniger als die Bewohner nördlicherer Gegenden: Sie gehören, wie mir oft versichert wurde, in die Kirche oder auf den Friedhof, nicht ins Haus und schon gar nicht als Dekoration zum festlichen Essen auf den Tisch. Ein weiteres Importgut ist der Adventskalender; der Advent wird eher noch klassisch in der Kirche gefeiert, weniger zu Hause. Allerdings hat die verstärkte Konsumorientierung seit den sechziger Jahren allerhand Flitterkram und „Weihnachts-Einstimmung“ mit sich gebracht, so dass, wie nördlich der Alpen, die Straßen- und Schaufensterdekoration schon im November das Kaufverhalten anreizt. Die Krise ab 2008 hat das etwas zurückgefahren.

Kulinarische Weihnacht: cappone, panettone und zampone

Am 24.12. wird in vielen italienischen Familien eine echte Brühe mit handgemachten „Tortellini“ gegessen, diese müssen allerdings an der „Vigilia di Natale“ (Vorabend) fleischlos sein. Danach gehen viele Italiener in die Mitternachtsmette. Richtig gefeiert wird Weihnachten erst am 25.12. als großes Familienfest, bei dem das Essen nicht zu kurz kommen darf. Traditionell kommt bei vielen ein „Cappone“, ein Hahn (kein Hähnchen) auf den Tisch; es gibt aber auch andere Traditionen. So wird z.B. in der Emilia-Romagna an Weihnachten „Zampone“ gegessen, eine Schweinshaxe, die neun Stunden kochen sollte. Heutzutage kann man so eine Haxe schon vorgekocht kaufen. Am 25.12. werden auch die Geschenke überreicht. Der 26.12. ist ebenfalls ein Festtag und wird oft mit Freunden verbracht. Eine typische Weihnachtssüßigkeit, ursprünglich aus der Lombardei, ist der „Panettone“, eine Art Gugelhupf mit kandierten Früchten oder auch der „Pandoro“ (‚goldenes Brot‘), der aus der Gegend von Verona stammt. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen Norden und Süden, Festland und Inseln, sodass sich noch zahlreiche andere Weihnachtsspezialitäten finden lassen.

Nikolaus und Befana

Der heilige Nikolaus wird nur als Stadtheiliger in einigen Städten gefeiert und einen Krampus oder einen Knecht Ruprecht kennen die Italiener nicht. Dafür kommt am 6.1. die Hexe „Befana“ durch den Kamin; sie füllt den braven Kindern die aufgehängten Strümpfe mit Süßigkeiten und gibt den frechen Kindern zur Strafe Kohle. Diese Kohle ist heute natürlich schwarz gefärbtes Zuckerzeug. Der Name der Hexe Befana ist vom Fest Epiphanias am 6. Januar abgeleitet. Der Legende nach hatte die Befana den Stern von Bethlehem verpasst – und konnte so das Jesuskind nicht finden. Nun begibt sie sich jedes Jahr erneut auf die Suche. Der Brauch kurbelt alljährlich nicht nur den Verkauf von Süßigkeiten, sondern auch den von dicken bunten Socken an.
(Birgid Rauen/ESV)


Zur Autorin
Die Medienfachjournalistin Dr. Birgid Rauen ist in Italien geboren und arbeitet dort als deutsche Muttersprachlerin mit italienischem Universitätsabschluss. Seit 1975 publiziert sie u. a. für deutschsprachige Rundfunkanstalten und Printmedien. Sie war acht Jahre Mitarbeiterin in der Redaktion einer italienischen Filmzeitschrift für Programmkinos und hat schon für die 1. Auflage des Italien-Lexikons zahlreiche Beiträge zum Thema „Fernsehen, Hörfunk und Presse in Italien“ verfasst.

Die 2. Auflage des Italien-Lexikons erscheint am 11. Dezember 2015. Sie können das Lexikon im Buchhandel oder direkt über unsere Homepage kaufen.

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