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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Volker Gast und Prof. Dr. Ekkehard König
Twitter weiterempfehlen  27.07.2018

„Sprachkompetenz setzt metasprachliches Begleitbewusstsein voraus“

ESV-Redaktion/LP
Vergleichen Deutsch und Englisch: Prof. König und Prof. Gast (Fotos: Privat)
Englisch wird hierzulande oft als erste Fremdsprache gelernt. Doch wie viel wissen wir eigentlich über die Parallelen und Unterschiede zwischen Englisch und Deutsch? Was kann uns ein Vergleich der beiden Sprachen bringen? Prof. Dr. Volker Gast und Prof. Dr. Ekkehard König im Interview.
Lieber Herr Gast, lieber Herr König, wie kann eine Sprache helfen, eine andere zu verstehen?

Volker Gast und Ekkehard König:
Jede Sprache hat ihre eigene Struktur, weist aber auch viele Gemeinsamkeiten mit anderen Sprachen auf. Sprachen sind, wie es der Romanist Mario Wandruszka einmal formuliert hat, zugleich „vergleichbar und unvergleichlich“. Jeder Sprachvergleich wirft neues Licht auf die verglichenen Sprachen und erhellt Eigenschaften, die einer einzelsprachlichen Analyse weitgehend verschlossen bleiben. Zudem zeigt ein Sprachvergleich, in welchen Grenzen Sprachen einander ähneln und inwieweit sie sich unterscheiden.

Eine vergleichende Beschreibung ist auch und vielleicht in besonderem Maße für Sprachen sinnvoll, die genealogisch eng verwandt sind, wie das Deutsche und das Englische. Da wir beide auch umfassendere, typologisch vergleichende Untersuchungen zu verschiedenen Themen durchgeführt haben mit dem Ziel, die Einheit in der Vielfalt zu entdecken, nutzen wir in unserem Buch auch die Erkenntnisse der Sprachtypologie. Wann immer dies möglich ist, ordnen wir unsere Analysen des Deutschen und des Englischen auch in den größeren Zusammenhang eines umfassenderen Blicks auf die Sprachen der Welt ein.

Was sind die größten Parallelen und die größten Unterschiede zwischen der deutschen und der englischen Sprache?

Volker Gast und Ekkehard König:
Als westgermanische Sprachen sind das Deutsche und das Englische genealogisch eng verwandt und weisen aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte deutliche Parallelen auf. Hier sind vor allem die Unterscheidung zwischen starken (durch Ablaut gebildeten, unregelmäßigen) und schwachen (durch Affixe gebildeten, regelmäßigen) Verben zu nennen, ebenso wie die Unterscheidung von Aussagesätzen und Fragesätzen durch die Wortstellung. Diese Eigenschaften finden wir auch in den anderen germanischen Sprachen, aber kaum sonst innerhalb und außerhalb Europas.

„Eine Vielzahl von Kontrasten“

In allen thematischen Bereichen der 18 Kapitel unseres Buches werden daher vor allem eine Vielzahl von Kontrasten angesprochen, wie z. B. die unterschiedliche Anordnung von Konstituenten im Satz (die sogenannte ‚Wortstellung‘), die unterschiedliche Ausprägung und Verwendung von Aspekt- und Tempusformen, die unterschiedliche Differenzierung von Vollverben und ‚Hilfsverben‘, die völlig unterschiedlichen Inventare von Flexionskategorien und ihre Konsequenzen für Wortstellung, sowie Passivkonstruktionen, Possessorkonstruktionen und unterschiedliche Strukturierungen im Wortschatz. Verschiedene Versuche, einen gemeinsamen Nenner für eine Vielzahl von Kontrasten zu finden, werden im abschließenden 18. Kapitel diskutiert.

Können Sie erklären, wie es zu diesen Unterschieden kam? Gibt es sprachgeschichtliche Gründe?

Volker Gast und Ekkehard König:
Deutliche Unterschiede zwischen zwei genealogisch eng verwandten Sprachen haben primär sprachgeschichtliche Gründe, zu denen wir hier auch den Kontakt mit unterschiedlichen Sprachen im Laufe der historischen Entwicklung zählen. Ausgehend von einem teilweise identischen Ursprung haben sich das Englische und das Deutsche durch geographische Trennung und unterschiedlichen Kontakt mit anderen Sprachen deutlich auseinander entwickelt, so dass in manchen Eigenschaften die früheren Sprachstufen des Englischen dem heutigen Deutsch ähnlicher sind als das Moderne Englisch.
Neben einem gewissen, aber wohl eher geringen Einfluss des Keltischen war der Kontakt mit dem Skandinavischen, mit der Sprache der Wikinger, von erheblicher Bedeutung. In einem kürzlich erschienen Buch (Emonds & Faarlund, English: The Language of the Vikings.) wird das Englische sogar als Weiterentwicklung der weitgehend schriftlosen Sprache von Dänen und Norwegern betrachtet, die sich zweihundert Jahre vor der normannischen Invasion in England als Eroberer niedergelassen hatten. Die gut dokumentierten Gemeinsamkeiten zwischen dem Altnordischen und den früheren Sprachstufen des Englischen machen eine solche Sichtweise plausibel. Von ähnlich großer Bedeutung für die Entwicklung des heutigen Englisch war der spätere Kontakt mit dem Anglo-Normannischen und Französischen, der insbesondere im Wortschatz eine breite Spur hinterließ.

Für die Entwicklung des Deutschen waren demgegenüber der Einfluss der klassischen Sprachen (durch Lehnübersetzungen) und des Französischen von großer Bedeutung.

Understanding English-German Contrasts 24.07.2018
Kontrastreiche Sprachen: Englisch und Deutsch im Vergleich
Dass alles, was etwas Gemeinsames hat, stets zum Verwandten strebt, wusste schon Marc Aurel. Englisch und Deutsch sind als westgermanische Sprachen nicht immer denselben Weg gegangen, die gemeinsame Herkunft ist jedoch deutlich. Ein Vergleich zwischen beiden veranschaulicht diese spannende Verwandtschaft. mehr …

Worin liegen die Vorteile einer kontrastiven Analyse von Sprachen?

Volker Gast und Ekkehard König:
Die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts vertretene Auffassung, dass das Kontrastive Programm mit einer Theorie des Fremdsprachenunterrichts gleichzusetzen wäre, ist reichlich widerlegt und aufgegeben worden. Nichtsdestoweniger ist die kontrastive Analyse als Grundlage für die Ausbildung von Lehrkräften sowie für den Unterricht sehr sinnvoll, da ihre Erkenntnisse implizit (durch Anordnung des Stoffes, Gewichtung und Überprüfung) und explizit (durch Erklärungen, Vertiefung und Förderung des Sprachbewusstseins) in die Vermittlung und den Erwerb von Fremdsprachenkompetenz eingehen können.

„Die kontrastive Analyse ist von großer Bedeutung“

Dass Sprachkompetenz auf hohem Niveau nicht allein kommunikativ erworben werden kann, sondern auch ein entsprechendes metasprachliches Begleitbewusstsein voraussetzt, ist heute weitgehend akzeptiert. Zudem ist die kontrastive Analyse von Ausgangs- und Zielsprache auch für die Ausbildung und Praxis von Übersetzern und Dolmetschern von großer Bedeutung.

Was würden Sie jemandem empfehlen, der Deutschmuttersprachler ist und Englisch lernen möchte?

Volker Gast und Ekkehard König:
Fremdsprachenkompetenz kann nur durch viel Kommunikation und Praxis in der Fremdsprache erworben werden. Zur Unterfütterung dieser Kompetenz sind aber auch sprachanalytische Einsichten, so wie sie durch unser Buch vermittelt werden, notwendig und sinnvoll.

Ihr Buch erscheint nun in 4. Auflage. Wie hat sich die Thematik seit der 1. Auflage 2007 entwickelt?

Volker Gast und Ekkehard König:
Auch aufgrund von hilfreicher Kritik von Kollegen war es uns möglich, Fehler zu verbessern und in einigen Punkten unsere Analysen zu präzisieren. Die dritte Auflage enthielt bereits vier neue Kapitel, neue Perspektiven zum Stand der kontrastiven Analyse heute und eine Zusammenfassung wesentlicher Gesichtspunkte neuerer Veröffentlichungen. Zurzeit arbeiten wir an drei weiteren Kapiteln mit dem Ziel der thematischen Ergänzung und Erweiterung des Buches.

Was finden Sie persönlich am faszinierendsten im Vergleich der beiden Sprachen?

Volker Gast und Ekkehard König:
Da wir zu verschiedenen Themen über eine ganze Reihe von Sprachen vergleichend gearbeitet haben, finden wir es faszinierend, wie das Englische oder das Deutsche Eigenschaften aufweisen, die in fast identischer Form auch in genealogisch verschiedenen oder geographisch entfernten Sprachen auftauchen.

Understanding English-German Contrasts
Prof. Dr. Ekkehard König, Professor Dr. Volker Gast

Taking up some of the goals of the Contrastive Program formulated in the sixties and seventies of the last century, this book presents a comprehensive and fine-grained analysis of the major contrasts between German and English with the aim of showing how far the two closely related languages have moved apart and of providing new foundations for the study and the teaching of English from the perspective of German and the study of German from the perspective of English. It is based on numerous contrastive studies published by the authors and on a thorough exploration of the relevant literature on the two languages and on language typology in general. Parsimonious in its use of complex technical jargon, the book can be used both for the relevant B.A. modules and the relevant M.A. modules, as well as for more general courses on Comparative Linguistics and Contrastive Analysis. The fourth edition has added further elaborations of the introductory and final chapters on the basis of recent contributions.
Ekkehard König war Professor für Linguistik und Anglistik an der Universität Hannover und an der FU Berlin. Nach verschiedenen Gastprofessuren an amerikanischen und französischen Universitäten sowie an verschiedenen Institutes for Advanced Studies arbeitet er seit seiner Emeritierung als Honorarprofessor an der Universität Freiburg.
Volker Gast ist Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sein Schwerpunkt liegt in der Beschreibung und Analyse des Englischen aus vergleichender Perspektive. Neben kontrastiven Arbeiten hat er zahlreiche Publikationen im Bereich der Sprachtypologie veröffentlicht.

Programmbereich: Anglistik und Amerikanistik

 
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