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Spuk- und Gespenstergeschichten
Twitter weiterempfehlen  04.12.2017

Theodor Storm: Die Bettdecke

ESV-Redaktion Philologie
Mochte es schauerlich: Theodor Storm (Foto: Dark Illusion/Fotolia.com)
Sämtliche der schauerlichen Erzählungen, die Theodor Storm im Laufe seines Lebens sammelte, sind im vergangenen Jahr unter dem Titel Theodor Storm: Spuk- und Gespenstergeschichten erschienen. Unsere weihnachtliche Leseprobe „Die Bettdecke“ könnte Sie das Fürchten lehren.
(Erzählt von Herrn A. Sch.)

Als ich in1 H. bei dem Kaufmann S. in die2 Lehre kam3, wurde mir oben im Hause eine dem Anschein nach freundliche Schlafkammer angewiesen; hab auch bis auf die erste Nacht recht brav, dort geschlafen. Zum ersten Mal aber gings mir wunderlich. Meinen großen Schwedensäbel, den ich4 schon damals immer vor mein5 Bett stellte6, hatte ich auch dorthin mitgenommen und wie gewöhnlich auf den Stuhl neben mir hingelegt. Dann war ich müde wie ich war ins Bett gesprungen und wollte eben glücklich in den Schlaf hinübersegeln, als mit einem Male an meiner Bettdecke gezupft und gezogen wurde; unwillkührlich wickle ich das obere Ende um meine Schulter und denke, so soll’s mir doch nicht davon gehen; aber ich irrte, mit einem starken Ruck wurde die Decke mir von der Schulter gezogen und fiel auf die Diele. Ohne noch an etwas Unheimliches7 zu denken, nehme ich sie ganz geduldig wieder auf, wickle mich nur um so fester hinein und schicke mich auf ’s188 Neue an zu schlafen. Es dauert aber nicht lang: – ruck! Da geht mir die Decke wieder von der Schulter und das auf die Diele. „Nun soll doch der Teufel drein schlagen!“ rief ich, sprang auf189, nahm meinen Schwedensäbel und hieb damit in dem dunkeln Zimmer umher. – Pfst!10 ging es zischend und pfeiffend durch die Luft. Dann war alles still. Ich legte mich wieder ins Bett und schlief ungestört bis zum Morgen. – Seitdem ist mir in dieser Stube nichts wieder passirt.

Ganz11 dasselbe passirte der Demoiselle12 L. B., mit der ich (der Herausgeber) vor mehreren Jahren eine Reise nach Jütland machte. In N. logirten ihr Bruder und ich im Gasthause; sie aber bei der Frau des dortigen Apothekers ihrer Jugendfreundin. Als sie kaum zu Bette gegangen ist, wird ihr ebenso dreimal die Decke weggezogen, die sie jedesmal geduldig wieder aufsammelt und dann13 endlich einschläft. An andern Morgen fragt sie ihre Wirthe um die Ursache dieses sonderbaren Vorfalles, die ihr ganz naiv darauf antworten, sie wüßten dieselbe nicht; aber es passire jedem, der dort schlafe.

Anmerkungen zum Text
1 in] nach gestrichenem noch; 2 die] aus der; 3 kam] nach gestrichenem stand; 4 ich] nach gestrichenem die; 5 mein] aus meinem; 6 stellte] nach gestrichenem stehen hatte; 7 Unheimliches] über gestrichenem anders; 8 auf’s] nach gestrichenem an; 9 auf ] nach gestrichenem in der Dunk-; 10 Pfst!] nach gestrichenem Fp; 11 Ganz] nach gestrichenem Etwas; 12 Demoisellel] nach gestrichenem F.; 13 dann] nach gestrichenem wieder

Jede Erzählung in Theodor Storm: Spuk- und Gespenstergeschichten ist mit einem Kommentar versehen. Herausgeber Prof. Dr. Gerd Eversberg erläutert darin, welche Quellen Storm für die jeweilige Geschichte benutzte. Erkennbar wird außerdem, warum Storm gerade diese Geschichte für seine Sammlung auswählte. 

Kommentar zu „Die Bettdecke“


H: NG Nr. 31 mit der unterstrichenen Überschrift Die Bettdecke, darunter (erzählt von Herrn A. Sch.), Handschrift von Theodor Storm, links ein x, darüber 31. Im Register mit * markiert. NG, Blattnummern 85 – 86. Gedruckt in: Laage 2011, S. 81 f.
Demoiselle: franz. junges Mädchen

der Herausgeber: Im zweiten Abschnitt erzählt Storm von einem Erlebnis aus den 1840er Jahren; bei dem Geschwisterpaar handelte es sich wahrscheinlich um Kinder des Husumer Apothekers Christoph Simon Albert Becker, der seit 1818 die Ratsapotheke in Husum betrieb und mit Magdalena Woldsen (geb. 1784), einer Großtante Theodor Storm, verheiratet war.

Jütland: dänische Provinz, welche den nördlichen Theil der Dänischen (Cimbrischen) Halbinsel umfasst und an die Nordsee, den Skager Rak, das Kattegat und an Schleswig grenzt, von dem es durch den Fluß Konge-Aa und den Kolding-Fjord getrennt ist.
N.: Nibe, Stadt im dänischen Stifte Alborg in Jütland, liegt in öder Gegend am südlichen Ufer des Lijmfjord, gehört zur Grafschaft Lindenborg.(Pierer’s Universal-Lexikon, Altenburg. 4. – 1865.)

Theodor Storm: Spuk- und Gespenstergeschichten

Gerd Eversberg legt mit diesem Buch sämtliche Spukgeschichten, die Theodor Storm gesammelt bzw. selbst verfasst hat, in einer kritischen und kommentierten Edition vor.

Theodor Storm sammelte schon seit 1842 Sagen von Spukerscheinungen sowie Gespenstergeschichten, die er zu einem Teil aus gedruckten Quellen zusammentrug, von denen er aber auch eine ganze Reihe nach mündlichen Erzählungen und eigenen Erlebnissen niederschrieb. 

Das Buch Theodor Storm: Spuk- und Gespenstergeschichten ist im März 2017 im Erich Schmidt Verlag erschienen.

Wenn wir Sie neugierig gemacht haben mehr zu lesen, dann können Sie das Buch bequem hier bestellen.

 



Zum Herausgeber
Gerd Eversberg war 22 Jahre Direktor des Theodor-Storm-Zentrums in Husum und Sekretär der Theodor-Storm-Gesellschaft. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Pädagogik in Köln promovierte er über den Fauststoff vor Goethe und war als Studiendirektor an verschiedenen Gymnasien und in der Lehrerausbildung tätig. Neben seinen Arbeiten zur Fachdidaktik Deutsch und Philosophie hat er zahlreiche Veröffentlichungen zu Theodor Storm und anderen Schriftstellern des 19. und 20. Jahrhunderts vorgelegt, darunter eine historisch-kritische Edition der „Schimmelreiter“-Novelle im Erich Schmidt Verlag. Seit 2011 lehrt er als Honorarprofessor am Seminar für deutsche Philologie an der Georg-August-Universität in Göttingen.

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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