leer  Ihr Warenkorb ist leer
COMPLIANCEdigital - Treffsicheres Wissen für die Compliance!
 
Berliner Handbücher
 
Berliner Kommentare
 
Juris Allianz ESVcampus ESV Akademie Der ESV auf Twitter
 
Steuerrecht
Twitter weiterempfehlen  27.08.2015

Unzulässige Schätzungsmethoden in der Außenprüfung

ESV-Redaktion Steuern
Zeitreihenvergleich: beliebte Schätzungsmethode von Finanzbeamten (Foto: Eisenhans/Fotolia.com)
Außenprüfer der Finanzverwaltung wenden häufig die Schätzungsmethode des Zeitreihenvergleichs an. Mit der Zulässigkeit dieser Methode hat sich der Bundesfinanzhof auseinandergesetzt.
Der Zeitreihenvergleich: eine mathematisch-statistische Verprobungsmethode. Die jährlichen Erlöse und Wareneinkäufe des Betriebs werden in kleine Einheiten – regelmäßig in Zeiträume von einer Woche – zerleg tund dadurch der Rohgewinnaufschlagsatz das Verhältnis zwischen Erlösen und Einkäufen) pro Woche ermittelt. Die Finanzverwaltung geht davon aus, dass der höchste Rohgewinnaufschlagsatz, der sich für einen beliebigen Zehn-Wochen-Zeitraum ergibt, auf das gesamte Jahr anzuwenden ist. Dadurch werden rechnerisch zumeist erhebliche Hinzuschätzungen zu den vom Steuerpflichtigen angegebenen Erlösen ausgewiesen.

In dem vom BFH entschiedenen Fall (Az.: X R 20/13) beanstandete ein Außenprüfer die Ordnungsmäßigkeit der Kassenführung und Einnahmenhinzuschätzungen vor. Die Höhe dieser Hinzuschätzungen stützte er ausschließlich auf den Zeitreihenvergleich. Diese seien nach Ansicht des Finanzamtes aufgrund der formellen Mängel berechtigt. Das Finanzgericht stimmte grundsätzlich der Auffassung der Finanzverwaltung zu. In seiner Entscheidung hat der BFH das Urteil des Finanzgerichts aufgehoben und die Sache zur weiteren Sachverhaltsfeststellung an das Finanzgericht zurückverwiesen.

Aktuelle Meldungen
Hier bleiben Sie immer aktuell im Bereich Steuern.

Zulässigkeit des Zeitreihenvergleichs

Die Richter des BFH haben die Schätzungsmethode des Zeitreihenvergleichs unter folgenden Einschränkungen zugelassen:

  • Das Verhältnis zwischen Erlösen und Wareneinkäufen im Betrieb muss über das ganze Jahr hinweg weitgehend konstant sein.
  • Bei einer formell ordnungsmäßigen Buchführung ist der Zeitreihenvergleich zum Nachweis materieller Mängel der Buchführung von vornherein ungeeignet.
  • Ist die Buchführung zwar formell nicht ordnungsgemäß, sind aber materielle Unrichtigkeiten nicht konkret nachgewiesen, sind andere Schätzungsmethoden vorrangig.
  • Auch wenn solche anderen Schätzungsmethoden nicht zur Verfügung stehen, dürfen die Ergebnisse eines Zeitreihenvergleichs nicht unbesehen übernommen werden, sondern können allenfalls einen Anhaltspunkt für eine Hinzuschätzung bilden.
  • Nur wenn die materielle Unrichtigkeit der Buchführung bereits aufgrund anderer Erkenntnisse feststeht, können die Ergebnisse eines --technisch korrekt durchgeführten-- Zeitreihenvergleichs auch für die Höhe der Hinzuschätzung herangezogen werden. (ESV/fl)
Das könnte Sie auch noch interessieren: Steuerliche Außenprüfung: Grenzen der Speicherung digitalisierter Steuerdaten

Literaturhinweis zum Thema

Das Buch Schätzungen im Steuerrecht von Michael Brinkmann unterstützt Sie bei allen wesentlichen Herausforderungen rund um die Schätzung, gibt Einblicke in die aktuellen Methoden und zahlreiche Empfehlungen zur Vermeidung und Abwehr von Schätzungen (auch als eBook verfügbar).

Programmbereich: Steuerrecht

 
Zurück
 
Als Nettopreise angegebene Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer. Alle Nettopreise, also auch die Monatspreise, wurden aus den Bruttopreisen errechnet. Daher kann es wegen Rundungsungenauigkeiten bei einer Rückrechnung zu Abweichungen um wenige Cent kommen.




© 2017 Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Genthiner Straße 30 G, 10785 Berlin
Telefon (030) 25 00 85-0 | Telefax (030) 25 00 85-305 | E-Mail: ESV@ESVmedien.de