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La dolce vita
Twitter weiterempfehlen  18.08.2015

Wer ist Fellini, der Mann hinter dem Meisterwerk?

ESV-Redaktion/Uta Felten
Fontana di Trevi: Ort einer der berühmtesten Filmszenen (Foto: ESV-Archiv)
Kaum ein Film prägt unsere Vorstellung der italienischen Filmwelt so stark wie Federico Fellinis La dolce vita. Wer ist der Mann, der diesen Welterfolg möglich machte? Erfahren Sie mehr über Leben und Werk des Filmemachers.

Federico Fellini: La dolce vita / Das süße Leben (1960)

Leben und Werk

Superstar des italienischen Autorenkinos, Puppenspieler, Magier, Zirkusdirektor, Lügenbaron, trauriger Clown, Katholik und Blasphemiker und autonomer Schöpfer sind beliebte Etikettierungen, mit denen man den prominenten italienischen Filmregisseur Federico Fellini immer wieder belegt hat und die gleichzeitig als zentrale Versatzstücke des Mythos um die Figur des Federico Fellini fungieren. Fellini, der mit Freude seine Biographen täuschte und im Spiel der willentlichen Vermischung von Fiktion und Wahrheit seinen eigenen Mythos mit fabrizierte, wurde am 20. Januar 1920 in der italienischen Kleinstadt Rimini geboren. Bereits als Jugendlicher begeistert er sich für die Welt des Kinos, schaut mit Vorliebe die Filme der amerikanischen Stummfilmburleske im Kleinstadtkino von Rimini und beginnt mit dem Zeichnen von Karikaturen. Im Alter von achtzehn Jahren geht Fellini nach Rom und wird schnell als Werbetexter und Karikaturist erfolgreich. Bald lernt er den schon prominenten italienischen Regisseur des Neorealismo, Roberto Rossellini, kennen und arbeitet mit ihm gemeinsam an den Drehbüchern von Roma città aperta (1945), Paisà (1946) und Francesco, giullare di Dio (1950).

Bereits 1950 dreht Fellini seinen ersten Langfilm Luci del varietà (Lichter des Varieté), der die Geschichten der Protagonisten eines kleinen Wandertheaters erzählt und als Archäologie des Theaters im Theater angelegt ist.

Das umfangreiche Œuvre Federico Fellinis lässt sich in vier Phasen einteilen. Die erste Phase bildet das so genannte christliche Erlösungskino, zu dem man Filme wie La strada (1954, Das Lied der Straße), Il bidone (1955, Die Schwindler) und Le notti di Cabiria (1957, Die Nächte der Cabiria) rechnet. Die genannten Filme rekurrieren auf eine christliche Narrativik und enden mit einem „optischen Drama“, das man in Analogie zu Rossellinis Filmen Stromboli (1949) und Viaggio in Italia (1953) als Erfahrung der göttlichen Gnade decodieren kann. Zu den erfolgreichsten Filmen dieser Phase zählen La strada (1954) und Le notti di Cabiria (1957), für die Fellini einen Oscar erhält. Den internationalen Höhepunkt in der Karriere Federico Fellinis bilden zwei Filme der Phase der sechziger Jahre, jenem goldenen Zeitalter des italienischen Films: La dolce vita (1960, Das süße Leben) und bzw. Otto e mezzo (1963, Achteinhalb). Für den ersten erhält Federico Fellini die goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes, für den zweiten erhält er seinen dritten Oscar. Beide Filme konstituieren einen radikalen epistemologischen Umbruch im Werk Fellinis, indem sie mit den bis dato dominanten christlichen Epistemen brechen und im Fall von La dolce vita als postkatholisches Anti-Erlösungskino gedeutet werden dürfen. Otto e mezzo ist darüber hinaus als grandioser Metafilm über das Filmemachen und als ironische Inszenierung abendländischer Männerphantasien christlicher Provenienz angelegt, der zu genderspezifischen Lektüren eingeladen hat.

Die dritte Phase Fellinis steht im Zeichen der Satire auf abendländische Männerphantasien der Potenz und des Eros und bringt so erfolgreiche Filme wie Fellini-Satyricon (1969, Fellinis Satyricon) und Amarcord (1973, Amarcord) und den in Europa zu Unrecht marginalisierten und missverstandenen Film Il Casanova di Federico Fellini (1976, Fellinis Casanova) hervor.

Die vierte Schaffensphase wird durch einen oft nostalgisch-melancholischen Gestus und eine serielle traumanaloge Narrativik geprägt. Trotz der onirischen Schönheit eines Films wie E la nave va (1983, Fellinis Schiff der Träume) verliert der Maestro zunehmend an Popularität und findet am Ende seines Schaffens keine Unterstützung mehr für seine Projekte. Auch das ironisch-kritische Spiel mit den TV-Formaten des aktuellen Mediensystems, das Fellinis Ginger e Fred (1986, Ginger und Fred) auszeichnet, wird vom Gros des Publikums nicht verstanden.

Nach dem Misserfolg seines letzten Films La voce della luna (1990, Die Stimme des Mondes), der in den USA noch nicht einmal einen Verleih findet, vereinsamt der große Filmemacher, träumt von imaginären Projekten in seinem Atelier, in dem er den ganzen Tag zeichnet. Er dreht schließlich noch einige Werbefilme mit hochkarätiger Besetzung für Barilla und Campari im Auftrag der Banca di Roma.

Im März 1993 erhält Fellini den Oscar für sein Lebenswerk und rührt das Publikum noch einmal zu Tränen bei seiner Rede, die er an seine Muse, Frau und Starschauspielerin Giulietta Masina richtet: „Giulietta, please, stop crying.“ Fellinis Worte – er stirbt noch im gleichen Jahr, am 31. Oktober, an den Folgen einer Herzoperation – sind auch eine Hommage an ein Kino der Affekte, ein Kino, das unmittelbar berührt, jenseits der konventionellen Bildklischees unserer alltäglichen audiovisuellen Kultur.

Vielleicht nicht mehr in ihrer Sehnsucht nach Erlösung, wohl aber in ihrer nomadischen Existenz bleiben Fellinis Protagonisten uns immer verwandt.

Uta Felten

Quelle: Italienische Filme des 20. Jahrhunderts in Einzeldarstellungen, herausgegeben von Andrea Grewe und Giovanni di Stefano, erschienen Mitte Juli 2015 im Erich Schmidt Verlag.

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