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Im Fachgespräch mit der ER: Urban Windelen
Twitter weiterempfehlen  27.09.2016

Windelen: „Stromspeicher sind das vierte unabhängige Element des Energiesystems”

ESV-Redaktion Recht
Stomspeichertechnologien: Führt daran kein Weg vorbei? (Foto: Pavel Losevsky/Fotolia.com)
Welche Rolle spielen Stromspeicher bei der Energiewende? Diese und viele weitere Fragen zu Großbatterien beantortet Urban Windelen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher, im Interview mit der Fachzeitschrift EnergieRecht (ER).

Wind-oder Sonnenergie fallen nicht so an, wie benötigt. Abhilfe können hier große Stromspeicher schaffen, die Produktionsspitzen auffangen und ihre Energie in Zeiten geringeren Stromanfalls wieder abgeben. Sie sollten daher ein wichtiger Baustein der Energiewende sein. Doch ist das wirklich so? Windelen bemängelt vor allem ungleiche Startbedingungen gegenüber anderen Systemen zur flexibleren Nutzung von Strom. Demgegenüber vergleicht er moderne Speichersysteme mit einem Schweizer Taschenmesser. Es gebe viele Einsatzmöglichkeiten.

Speicher ideal für Erbringung von Regelleistung

Vor allem bei der Erbringung von Regelleistung hält Windelen Batterien für nahezu ideal. Diese Speicher seien höchst effizient, können in Millisekunden reagieren und bieten ihre Leistung sowohl positiv als auch negativ an. Damit könne eine Batterie ein erheblich größeres konventionelles Kraftwerk ersetzen, und zwar fast ohne CO2- Emissionen.

Stromspeicher werden aktuell als Stromerzeuger und Letztverbraucher angesehen

Dennoch, so Windelen weiter, würden modernen Speichern im Regelenergiemarkt große Hemmnisse in den Weg gelegt. Einen Grund hierfür sieht er darin, dass Stromspeicher auch nach dem EEG 2017 sowohl Stromerzeuger als auch als Letztverbraucher sind.

Diese Einordnung hält Windelen für falsch und widersinnig: „Ein Speicher verbraucht nicht, sondern lagert ein. Er produziert auch nichts”, meint er hierzu. In Deutschland gelte jede KWh, die dem Energiesystem entnommen wird, als verbraucht und jede Einspeisung als Erzeugung. Für ein und dieselbe KWh führe dies teilweise zu doppelten Abgaben und Steuern. Dies behindere den Einsatz von Energiespeichern stark und halte systemdienliche Einsatzarten vom Markt fern.

Speicher viertes unabhängiges Element des Energiesystems

Darüber hinaus meint Windelen, dass Speicher über gesonderte Ausnahmeregelungen zwar von einigen Entgelten und Steuern befreit sind. Ob dies ausreicht, bezweifelt er jedoch: „Wir bräuchten endlich eine grundsätzliche Regelung und Klarstellung, dass Speicher keine Letztverbraucher sind, sondern das vierte unabhängige Element des Energiesystems neben Erzeugung, Transport und Verbrauch”.

Nur wenige Worte im EnWG und im EEG 2017 würden ausreichen, um Speicher regulatorisch korrekt einzubinden, fährt Windelen fort.

Der modernen und effizienten Nutzung von Speichern lege der neue § 61a EEG 2017 einen großen Stein in den Weg. Damit unterliege der komplette Speicher wieder der EEG-Umlage, obwohl eigentlich nur für einen Teil des Stroms Abgaben fällig gewesen wären.  

Heimische Industrie bei gemischten Betriebsmodellen von Speichern wegweisend

Insgesamt hält Windelen gemischte Betriebsmodelle von Speichern für ein wichtiges Zukunftsthema: „Die heimische Industrie ist bei diesen Modellen absolut wegweisend – das abzuwürgen wäre ein besonderer Fehler”.

Vor allem bei Verteilernetzen wären Speicher zur Stabilisierung des Netzes und zur Aufnahme von Überkapazitäten besonders sinnvoll: „Allein in Schleswig-Holstein wurde im letzten Jahr etwa 1 TWh Windstrom weggeworfen. Das kann doch so nicht weitergehen”, fährt er fort. Allerdings gebe es im Gesetzgebungsverfahren zum EEG 2017 nun eine Diskussion über das „Thema zuschaltbare Lasten”. Dies wertet Windelen als positives Signal.  

Abschließend meint er, dass an Speichertechnologien kein Weg vorbei führe. Er plädiert für intelligente und höchsteffiziente Systeme, wie sie gerade in Deutschland entstehen. Dabei hofft er, dass die deutsche Speicherindustrie wegen zögerlicher und ängstlicher Rahmenbedingungen nicht ausgebremst wird.

Das Interview mit Urban Windelen führte Prof. Dr. Tilman Cosack.

Sie lesen das vollständige Interview in der Fachzeitschrift EnergieRecht ER Ausgabe 5/2016

Zur Person
Urban Windelen ist Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher e. V. (EVES)

Weiterführende Literatur
Im Berliner Kommentar EEG, herausgegeben von Frenz/Müggenborg/Cosack/Ekardt, erläutern Ihnen versierte Experten anschaulich und praxistauglich die weitverzweigten Regeln. Gleiches gilt für das Buch EEG II Anlagen und Verordnungen, herausgegeben von Prof. Dr. Walter Frenz. Im Kommentarpaket empfehlen sich beide Werke als verlässliche Begleiter durch das Regelungsregime des EEG und führen Sie sachkundig durch die komplexe Materie der zahlreichen Anlagen und Verordnungen.

Programmbereich: Energierecht

 
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