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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Enno Weiß
Twitter weiterempfehlen  11.08.2015

„Wir müssen uns Sysiphos als glücklichen Lean Manager vorstellen“

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
„Sysiphos“ ist die ideale Leitfigur des Lean Managements (Foto: adrian_ilie825/Fotolia.com)
Lean Management ist vielen ein Begriff, weit verbreitet – und dennoch kein alter Hut. Warum das so ist, erläutert Prof. Dr. Dr. habil. Enno Weiß im Interview mit der ESV-Redaktion.
Warum ist „Lean Management“ auch 2015 noch ein Thema für Unternehmen? 

Enno Weiß: Wir sehen Lean-Management – kurz gesagt – als ein permanentes Verbesserungsbestreben, um die allfälligen Verschwendungspotenziale in einem Unternehmen oder einer Organisation zu beseitigen. Das ist angesichts permanenter Veränderungen ein andauerndes und anstrengendes Unterfangen. „Sysiphos“ ist  wohl auch die ideale Leitfigur des Lean Managements.

In unserer Interpretation ist „lean“ und „lernen“ eng miteinander verknüpft: Wir ändern einen Buchstaben und aus einem Adjektiv „lean“ wird eine Aufforderung „lern!“.

In welchen Fällen ist man mit der Umsetzung von Lean Management auf dem falschen Weg?

Enno Weiß: Man ist dann auf dem falschen Weg, wenn man meint, Lean Management ist eine Methode, die - einmal angewendet - sogleich das gewünschte Ergebnis bringt. Wir sehen darin nicht nur einen Lernprozess für Mitarbeiter, die gewissermaßen neues Wissen verinnerlichen müssen. Vielmehr müssen auch seitherig funktionierende organisationsstrukturelle und -kulturelle sowie Führungs-Voraussetzungen verändert werden. Das macht das Unterfangen zu einer echten Herausforderung. Wir denken, mit dem Begriff Transformation ist dies gut ausgedrückt. Wir haben das Thema Transformation daher ausführlich in Kapitel 5 des Buches die theoretischen Themen behandelt und in Kapitel 6 Fallbeispiele zur Veranschaulichung vorgestellt.

Ist aus Ihrer Sicht der wissenschaftliche Nachwuchs auf die neuen Lean-Herausforderungen der Zukunft gut vorbereitet?

Enno Weiß: Wie in anderen Fächern auch, wünscht sich die Praxis nach Möglichkeit berufsfertige Absolventen. In diesem Sinne kann der Nachwuchs auf die Lean-Herausforderungen der Zukunft nicht immer so gut wie erwünscht vorbereitet sein. Das gilt vermutlich grundsätzlich für jede Fachdisziplin.

Wir machen aber die Erfahrung, dass diejenigen, die Lean-Wissen mitbringen nicht selten mit dem Lean-Virus infiziert sind, so dass man sie in der Praxis sehr schnell und höchst professionell auf die Lean-Herausforderung vorbereiten kann.

Im Vorwort zu Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Nachfrage nach neuen Erkenntnissen in Sachen „Lean“ weiter hoch ist ­– trotz der mittlerweile reichlich vorhandenen Literatur. Warum ist das so?

Enno Weiß: Die Nachfrage ist deshalb nach wie vor ansteigend, weil die meisten Unternehmen noch weit weg von einem hohen Lean-Reifegrad sind. In der Regel fehlt es jedoch nicht an der Erkenntnis, sondern an der konsequenten Umsetzung. Die Industrie hat inzwischen das Know-how im Umgang mit Lean-Techniken, stellt aber nicht selten fest, dass die Wirkungen nicht im gewünschten Maße eintreten. Das liegt u. E. daran, dass den Themen Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung zu wenig Beachtung bei der Einführung von Lean Management geschenkt wird. Nicht von ungefähr sprechen wir – wie bereits erwähnt -  von einer langwierigen „Lean Transformation“, bei der es vor allem um die Schaffung des richtigen Voraussetzungszusammenhangs geht. also Personal, Organisation, Kultur. Diese bemisst sich eher in Jahren als in Monaten.

Und noch ein Aspekt: Lean war anfänglich auf den Produktionsbereich begrenzt. Inzwischen rücken aber auch die indirekten, vor- und nachgelagerten Prozesse in den Fokus, also Entwicklung, Service, Vertrieb, Logistik. Diese Bereiche verursachen immer höhere Kostenanteile und beeinflussen den Unternehmenserfolg genauso wie die Produktion. Somit wird der Wunsch induziert, Verschwendungspotenziale aufzudecken und zu vermeiden.

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Warum findet ein Theoretiker – also ein Wissenschaftler oder Student – genauso viele Informationen wie ein Praktiker in dem Buch?

Enno Weiß: Zunächst: Unser Buch ist lesbar für alle am Lean-Thema Interessierte, auch wenn wir Unternehmer und Führungskräfte schwerpunktmäßig im Fokus haben, denen wir das Lesen auch längerer theoretischer Passagen durchaus zutrauen dürfen.

Gemäß unserer Erkenntnis-Philosophie - theoriegeleitet und zugleich praxisorientiert - haben wir versucht, den schwierigen Spagat zwischen Theorie- und Praxisorientierung zu finden.

Wir maßen uns nicht an zu glauben, dass einfache, verallgemeinernden  „how-to-do“-Empfehlungen für eine sich stärker regional, disziplinär und arbeitsteilig ausdifferenzierende Praxis fruchtbar sind. Uns geht es nicht allein ums Kopieren, sondern ums Kapieren. 

Und um eine wechselseitige Befruchtung von Theorie und Praxis. Die Praxis braucht Impulse zu neuen Möglichkeiten der Gestaltung von Wertschöpfungsketten und –netzwerken. Umgekehrt benötigt die Wissenschaft natürlich auch die Praxiserfahrungen als empirische Bestätigung und als Lieferant weiterer noch nicht gelöster Probleme.

Daher haben wir an vielen Stellen Praxisbeispiele eingearbeitet und mit einigen Fallstudien auch den Lean-Transformationsprozess dargestellt. Die Summe der Praxisbeispiele zeigt u.E. die generelle Anwendbarkeit unseres Lean Management Verständnisses.

Man kann es auch anders fassen mit dem Management-Prinzip  „Good thinking, good doing“. Die ersten vier Kapitel unseres Buches beschäftigen sich mehr mit dem „good thinking”, das 5. und 6. Kapitel mehr mit dem „good doing“. Deshalb ist es einerseits für diejenigen gut, die Lean umsetzen wollen, aber auch für jene, die nur verstehen wollen, was hinter der „Lean-Denke“ steckt. Und beide Fraktionen finden sich bei Vertretern der Praxis wie auch der Wissenschaft. (ESV/map, ms)

Zur PersonProf. Dr. Dr. habil. Enno Weiß bekleidete verschiedene Führungspositionen und ist heute neben seiner apl. Professur als geschäftsführender Gesellschafter eines auf Restrukturierungs- und Strategieberatung spezialisierten Beratungsunternehmens tätig. Er fungiert darüber hinaus als Mitglied in Aufsichtsgremien von verschiedenen Unternehmen und ist (Ko-)Autor einer Vielzahl von Veröffentlichungen zum Innovations-, Lean- und Strategischen Management.

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Die dritte, völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage des Bandes „Lean Management: Grundlagen der Führung und Organisation lernender Unternehmen“ von Prof. Dr. Enno Weiß, Dr. Christoph Strubl und Wilhelm Goschy ist soeben im Erich Schmidt Verlag erschienen. Das Standardwerk zum Thema Lean Management können Sie hier bestellen.

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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