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Gibt Denkanstöße auch in Krisenzeiten: Prof. Dr. Thomas Deelmann. (Foto: privat und Coloures-Pic/stock.adobe.com)
Kolumne 4.2020

Deelmanns Denkanstoß: Corona und die Digitalisierung von Beratung

ESV-Redaktion/ConsultingBay
21.04.2020
Professor Thomas Deelmann berichtet in seiner Kolumne regelmäßig aus und über die Welt der Berater.
Im letzten Denkanstoß habe ich über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Beratungsmarkt geschrieben. Ausgedrückt haben sich die Überlegungen in Marktzahlen beziehungsweise der Marktentwicklung. Vor einem Monat war die Datenlage noch sehr grob – mittlerweile gibt es ein paar Nachbesserungen, die ich zunächst gerne nachtragen möchte, bevor es dann zu einem anderen Gedankengang für diesen Denkanstoß geht.

Update Marktentwicklung

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. ist VOR der Krise noch von einem Marktwachstum von 5,8 Prozent ausgegangen. Seine erste Einschätzung zur Corona-Auswirkung basierend auf einer Blitzumfrage aus dem März habe ich in der Zwischenzeit quantifiziert und bin bei einem Plus von 1,7 Prozent gelandet. Anfang April dann hat BDU-Präsident Ralf Strehlau in einem Interview erwartet, dass der Markt im einstelligen Prozentbereich schrumpft, dass das Wachstum also bei -1 bis -9 Prozent liegt. Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk hat zwischenzeitlich ebenfalls einen Ausblick gegeben. Auch diesen habe ich umgerechnet: Hier komme ich auf einen erwarteten Rückgang des Marktvolumens von 3,5 Prozent. Die aus London stammenden Marktforscher von Source Global Research waren so freundlich, mir ihre Aussage, dass der Beratungsmarkt in Deutschland um mehr als 28 Prozent zurückgehen wird, in einer persönlichen Nachricht vom 9. April auf -29 Prozent zu konkretisieren. Die Basis für all diese Prognosen sind Umfragen.

Selbst habe ich im letzten Denkanstoß auf einen Marktrückgang von 3,7 Prozent für 2020 getippt. Dabei wähle ich aber ein anderes Vorgehen, indem ich auf langfristige Beobachtungen des Beratungsmarktes, des BIP und ihres Verhältnisses zueinander zurückgreife. Meine Überlegungen nochmal hier. Die Abschätzung bleibt zunächst unverändert.

Alle mir bekannten Prognosen zur Entwicklung des deutschen Beratungsmarktes habe ich auf Twitter in einer Grafik zusammengefasst.

Arbeiten „vor Ort“?

Nach diesem Update möchte ich noch ein paar Gedanken zur Digitalisierung der Beratungsbranche und ihrer Automatisierung sowie den Einfluss der Corona-Krise hierauf ausführen.

Verschiedentlich ist ja zu lesen, dass „nach Corona“ das Arbeiten nicht mehr so sein wird, wie es vorher war. Für die Unternehmensberatung kann sich dies in Form von remote, digitalisierter oder gar automatisierter Arbeit niederschlagen.

Die wohl naheliegende Veränderung durch ein örtliche verteiltes Arbeiten dürfen vermutlich derzeit viele Arbeitnehmer erleben. Das Home-Office wird zur „regulären Arbeitsstätte“. Für Beratungsdienstleistungen könnte diese Distanzierung durch die Möglichkeiten der Digitalisierung ein erster Schritt weg vom mantraartig propagierten „People-Business“ sein.

Zwei Unternehmen könnten mit ihrem Geschäftsmodell beziehungsweise mit ihren Aktivitäten diese Entwicklung forcieren. Da sind zum einen R&G Global Consultants, die in der Corona-Zeit von Vor-Ort-Beratung auf kostenfreie Video-Beratung umschwenken. Vielleicht nur ein kleines Marketing-Gimmick, aber doch ein Fingerzeig. Und da ist das TransparencyLab, das komplette Beratungsprozesse automatisiert.

Beide Geschäftsmodelle für sich revolutionieren den Beratungsmarkt nicht. Aber sie können dazu beitragen, dass auch die Dienstleistung Beratung einen weiteren Schritt in Richtung Automatisierung und Digitalisierung geht. Bisher sind die Branchenvertreter noch eher zurückhaltend, was die Einschätzung zur Veränderung angeht. Kunden und Marktbeobachter sind allerdings aufgeschlossener. Ergebnisse aus einer Delphi-Studie habe ich hier notiert.

Wir dürfen gespannt sein, ob aus dem People-Business ein People-free-Business wird!

Bitte mitdenken!

Bitte denken Sie mit: Wie verändert sich der Markt? Wie stark wird der Einschnitt? Was sind die treibenden Faktoren? Und bekommen Digitalisierung und Automatisierung von Beratungsleistungen Rückenwind?

Fragen, Anmerkungen und Anregungen sind gerne gesehen! Bitte schreiben Sie an Redaktion.Consultingbay@esvmedien.de oder auf Twitter: @Ueber_Beratung


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Programmbereich: Management und Wirtschaft