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Durch die digitale Entwicklung können Lieferketten transparenter werden (Foto: j-mel/Fotolia.com)
Chancen- und Risikomanagement

Von der Lieferkette zu Digital- und Cyberrisiken

Jan Offerhaus, Mitglied des Vorstands der Risk Management Association e. V. (RMA)
11.07.2018
Die Zeiten sind volatil: Damit steigt das Risiko für Unternehmen, die von Zulieferern abhängig sind. Dies verlangt vom Topmanagement Antworten. Und nicht nur darauf, wie die Digital- und Cyberrisiken zeigen.
Grundlegend sind in diesen volatilen Zeiten flexible Lösungen gefragt. Mit Blick auf die Zulieferer eines Unternehmens könnte das unter anderem heißen:
  • Ist der Produktionsstandort geopolitisch und wirtschaftlich noch tragbar?
  • Verschlechtern sich die politischen Verhältnisse im betreffenden Land?
  • Droht durch neue Handelshemmnisse, Krieg, Terror sowie Naturkatastrophen ein Ausfall des Zulieferers?
Unternehmen müssen zu diesen Kernfragen verstärkt Antworten finden, um die eigene Produktion zu sichern und zukunftsweisend aufzustellen.

Handlungsräume in volatilen Zeiten

In diesem Kontext arbeitet beispielsweise BMW an einem neuen Konzept für die Produktionslogistik. Hierzu wird unter dem Namen „Flex Hub” eine komplette Halle entwickelt, die weltweit an jedem Standort des Autobauers flexibel und schnell einsetzbar sein soll. Um die Risiken von Lieferketten abzuschätzen, können darüber hinaus Big-Data-Analysen wertvolle Informationen liefern. Dies bestätigt Alexander Schmidl, Senior Underwriter bei Munich Re, in einem Interview zur Digitalisierung: „Unser Testszenario will die Lieferketten von Hightech-Elektronikindustrierisiken, z.B. bei Smartphone-Herstellern, transparenter machen. Hier bestehen häufig extreme Abhängigkeiten: Oft stellt nur ein Unternehmen ein spezielles Bauteil her, dass es an mehrere Original Equipment Manufacturer (OEMs) liefert.” Grundsätzlich braucht es in diesen volatilen Zeiten Handlungsräume für Topentscheider, um das eigene Unternehmen schnell in eine neue Richtung bewegen zu können – vorausschauend und chancenwahrend. Hierbei können digitale Lösungen und Big-Data-Ansätze helfen.

Digital- und Cyberrisiken

Mit Blick auf die digitale Entwicklung und Transformation sehen viele Experten, dass deutsche Unternehmen das Zukunftsthema teils verschlafen. Dies bestätigt unter anderem der Digitalverband Bitkom in einer Befragung vom letzten Jahr. Zu den Ergebnissen heißt es: „So gibt nur etwas mehr als jedes dritte Unternehmen an, die Digitalisierung habe mittleres oder großes Potenzial, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln (38 Prozent) oder die Entwicklung neuer Produkte und Dienste voranzubringen (37 Prozent).”

Im Umkehrschluss bedeutet das: Unternehmen verkennen die Chancen der Digitalisierung, gerade vor dem Hintergrund einer umfassenden Veränderung der Geschäfts- und Privatwelt. Der Rückversicherer Munich Re schreibt hierzu: „Die Digitalisierung ist im Begriff, sämtliche Bereiche von der Wirtschaft bis ins Private zu erschließen. Computerisierung und Vernetzung schreiten in Produktion, Transportwesen, Wissenschaft, Verwaltung und Zuhause zügig voran. Dies eröffnet weitreichende Chancen: Prozesse werden beliebig reproduzierbar, exakter, sicherer und insgesamt günstiger.” Dies vor Augen, besteht für Unternehmen ohne digitalen Zukunftsplan das Risiko, den Anschluss an das digitale Zeitalter zu verpassen. Umso wichtiger ist es, einen individuellen Digitalisierungsplan für die Gesamtorganisation zu entwickeln – angepasst an die individuellen Produktions- und Dienstleistungsbedürfnisse. Und hierbei kommt dem Topmanagement eine entscheidende Rolle zu, das diesen Prozess initiieren, begleiten und überwachen muss.

Unternehmenskultur und der vorausschauende Blick

Apropos Überwachen: Wo es Chancen gibt, sind die Risiken nicht weit. Im Falle der Digitalisierung heißt das für Unternehmen eine zunehmende Anfälligkeit gegenüber Hackerangriffen. Regelmäßig werden neue Fälle von digitalen Beutezügen öffentlich. Es ist eine Binsenweisheit, dass es keine Chancen für das eigene Geschäft gibt, ohne ein Risiko einzugehen. Diese Risiken können dennoch minimiert werden. Neben den technischen Voraussetzungen mit Firewalls, Berechtigungen, Updates & Co. müssen alle Mitarbeiter in den Risikomanagementprozess einbezogen werden. Das Ziel mit Blick auf die Soft Skills muss lauten: Den Aufbau einer Unternehmenskultur im Sinne aller und zugeschnitten auf die jeweilige Organisationsform – vom Topmanagement bis zum Mitarbeiter in der jeweiligen Abteilung. Gelingt dies, gelingt gleichfalls ein vorausschauender Blick in diesen unruhigen Zeiten. Diesen vorausschauenden Blick auf ein zukunftsweisendes Chancen- und Risikomanagement zeigt der kommende Risk Management Congress, am 15. und 16. Oktober 2018, in Köln.

13. Risk Management Congress

Die Risk Management Association e. V. (RMA), die unabhängige Interessenvertretung für das Thema Risikomanagement im deutschsprachigen Raum, veranstaltet am 15. und 16. Oktober 2018 ihren kommenden Risk Management Congress in Köln. Die 13. Auflage der Jahreskonferenz zu den Themen Risikomanagement, Compliance und Governance steht ganz im Zeichen der umfassenden Wissensvermittlung von Experten für Experten und Entscheider – in Theorie und Praxis. Themen der Digitalisierung, Normen, Standards sowie Methoden zum Risikomanagement stehen im Mittelpunkt.
 
Weitere Informationen zur Veranstaltung und Anmeldungen unter: https://rma-ev.org/veranstaltungen/rma-konferenzen/rmc2018
 
Vernetzung von Risikomanagement und Controlling

Herausgegeben von: Risk Management Association e. V

Risikomanagement und Controlling verbinden viele Gemeinsamkeiten: Auf Grundlage einer gleichen Datenbasis entwickeln beide Abteilungen entscheidungsrelevante Reports, Planungen und Kalkulationen. Und im Spannungsfeld von Chancen und Risiken sehen sie sich gleichen Berichtsempfängern, Fachabteilungen oder der Geschäftsführung als Managementberater gegenüber.

Wie sich konkrete Synergien beider Abteilungen erkennen und ausschöpfen lassen, beschreiben die Experten der Risk Management Association (RMA) und des Internationalen Controller Vereins (ICV) in ihrem gemeinsamen Praxisbuch:

  • Status quo, Ziele und Rahmenbedingungen des Zusammenwirkens von Risikomanagement und Controlling
  • Praktische Umsetzungslösungen und ihre Grenzen – u.a. am detaillierten Beispiel der Risikotragfähigkeitsermittlung
  • Organisatorische, personelle und IT-Aspekte der Vernetzung von Risikomanagement und Controlling

Ein praxisnaher Impulsgeber, der aus unterschiedlichen betrieblichen Perspektiven neue Wege zum besseren Zusammenwirken zweier elementarer Unternehmensbereiche aufzeigt.


(ESV/ps)

Programmbereich: Management und Wirtschaft