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Nachgefragt bei: Dr. Rainer E. Wicke
Twitter weiterempfehlen  26.05.2016

„Die Präsenz ausländischer Mitbürger birgt interessante Möglichkeiten“

ESV-Redaktion Philologie
Kennt sich aus mit DaF: Rainer E. Wicke (Foto: Privat)
Die Disziplin „Deutsch als Fremdsprache“ ist zurzeit in aller Munde. Wie hat sich dieser Bereich entwickelt, und was verbirgt sich hinter CLIL? Der Fortbilder und Autor Dr. Rainer E. Wicke im Interview mit der ESV-Redaktion.

Sie verfügen über langjährige Erfahrung im Bereich Deutsch als Fremdsprache, kurz: DaF. Wie hat sich die Disziplin in Theorie und Praxis während dieser Zeit verändert und wie beurteilen Sie diese Veränderung?


Rainer E. Wicke: Wenn man die Entwicklung in dem relativ jungen Fach Deutsch als Fremdsprache genauer betrachtet, so wird schnell deutlich, wie rasant die Entwicklung vorangeschritten ist. Das aufgabenorientierte Lernen, das in den siebziger, achtziger Jahren zaghaft begann, hat sich immer weiter entwickelt. Auch das projektorientierte Lernen hat heute einen wichtigen Stellenwert. In der Vergangenheit war die Praxis in DaF der Theorie weit voraus und trug somit zur Theoriebildung sogar bei.

In den letzten fünf bis sechs Jahren wurde mit CLIL, also Content and Language Integrated Learning, im fremdsprachigen Deutschunterricht erneut Neuland betreten, indem z. B. der fächerübergreifende DaF-Unterricht stärker betont wurde und Aspekte des Sachfachunterrichts integriert wurden. Immer häufiger ist z. B. vom Erwerb einer fachbasierten Diskursfähigkeit die Rede, dem sich auch der DaF-Unterricht stellen muss. Diese Veränderung ist zu begrüßen, da sich der fremdsprachige Deutschunterricht noch weniger auf die reine Sprachbeherrschung konzentriert, sondern der Versuch unternommen wird, auch Sachfachinhalte zu berücksichtigen, die für das Leben in unserer modernen Welt von Bedeutung sind.

In Hinblick auf die aktuelle Situation in Deutschland: Worauf sollte in der Fortbildung von DaF-Lehrkräften besonderes Gewicht gelegt werden und warum?

Rainer E. Wicke: Die Ankunft zahlreicher Lernenden mit Migrationshintergrund wird häufig, z. B. in der Presse und im Fernsehen, eher als Bedrohung, denn als Chance gesehen. Das ist schade, denn die Präsenz ausländischer Mitbürger birgt interessante Möglichkeiten z. B. im Hinblick auf den Mehrsprachigkeitsansatz. Den ungehobenen Schatz der vielen Sprachen, die in Deutschland präsent sind, muss der DaF-/ DAZ-Unterricht bergen, indem über Möglichkeiten der Berücksichtigung diskutiert wird.

In der Fortbildung gilt es vor Allem, die DaZ-Lehrkräfte zur lernerseitigen Planung anzuleiten. Gerade der Unterricht für diese Neubürger muss darauf ausgerichtet sein, die Lebenswelt der Lernenden zu berücksichtigen und sie somit so schnell wie möglich zur Teilhabe an der deutschen Gesellschaft zu befähigen. Dazu gehört neben der Vermittlung der deutschen Sprache eben auch interkulturelles und vor allen Dingen auch fachliches Wissen. Und die Materialentwicklung spielt eine wichtige Rolle, denn nicht jedes Lehrbuch eignet sich für den Unterricht mit dieser Klientel – also müssen die Lehrkräfte befähigt werden, eigene Materialien zu entwerfen.

Im DaF-Kontext ist das Thema CLIL zurzeit in aller Munde. Was genau versteckt sich hinter dieser Abkürzung?

Rainer E. Wicke: Dieses englische Akronym ist der Europäischen Kommission geschuldet, da neue didaktische Entwicklungen wie CLIL, also Content and Language Integrated Learning, europaweit einheitlich bezeichnet werden sollen. Dahinter verbirgt sich das fach- und sprachintegrierte Lernen, welches man mit Blick auf die Zielsprache Deutsch auch als CLILiG, also Content and Language Integrated Learning in German, bezeichnet.

CLILiG kann man unterschiedlich gestalten, einmal sprachfokussiert, im Sinne des fächerübergreifenden DaF-Unterrichts FüDaF, oder aber sachfachfokussiert und damit in der Variante des bilingualen Sachfachunterrichts, der (partiellen) Sprachimmersion und des sprachsensiblen Deutschen Fachunterrichts DFU, wie er vorwiegend an den Deutschen Auslandsschulen und einigen weiteren von der BRD geförderten Schulen praktiziert wird.

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In welchen Ländern ist CLIL bereits erfolgreich eingeführt, und was können andere davon für ihre Praxis lernen?

Rainer E. Wicke: An nahezu allen Standorten der Deutschen Schulen im Ausland wird DFU unterrichtet. Aber von einer weltweiten Einführung des CLILiG sind wir noch weit entfernt. Zwar existieren besonders im englischsprachigen Raum und in Frankreich Immersionsprogramme, aber diese Variante ist noch sehr spärlich vertreten. Bilingualer Unterricht wird in einigen Ländern – z. B. in den Niederlanden, in Polen und in Italien – erteilt, hier und in weiteren Regionen hat das Goethe-Institut Initiativen gefördert, aber es handelt sich in der Regel immer noch um einzelne Maßnahmen.

Es kann durchaus von existierenden Modellen gesprochen werden, die in einigen Ländern als Vorlage für die Etablierung eines ähnlichen Unterrichts an der jeweiligen Schule genutzt werden können. Viele Absolventen ausländischer Schulen bemühen sich um ein Studium in der BRD oder einem anderen deutschsprachigen Land. Daher sind die Schulen im Ausland gut beraten, ihren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, auch Sachfachunterricht in deutscher Sprache zu erhalten, um später leichter ein Studium an einer deutschen Universität aufnehmen zu können.

Gerade ist ein Themenheft der Zeitschrift „Fremdsprache Deutsch“ zum Thema CLILiG erschienen. Wen wollen Sie damit ansprechen?

Rainer E. Wicke: Natürlich die Lehrkräfte, die mit den Anforderungen eines Sachfachunterrichts in deutscher Sprache konfrontiert werden, denn diese sind ständig auf neue Materialien und Ideen angewiesen. Dazu gehören aber nicht nur die Kolleginnen und Kollegen, die Sachfächer in deutscher Sprache unterrichten, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer, die Aspekte des Sachfachlernens in ihren Sprachunterricht integrieren wollen.

Für mich ist es offensichtlich, dass allen Schülerinnen und Schülern, die Deutsch lernen – auch wenn sie keinen Sachfachunterricht in deutscher Sprache erhalten – die Gelegenheit geboten wird, sich entsprechende Kenntnisse anzueignen. Dies wird auch das Thema einer internationalen Fachtagung sein, die Kim Haataja – mein Mitherausgeber des erwähnten Heftes – und ich gemeinsam im Internationalen Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg unter dem Titel „CLILiG GLOBAL“ durchführen. In der Zeit vom 04. bis 06. Juli dieses Jahres werden dort ca. 60 eingeladene Expertinnen und Experten zu diesem Thema arbeiten und sich darüber abstimmen, wie man gezielt für die Bedürfnisse des CLILiG Lehr-, Lern- und Diagnosematerialien erstellen, aber auch Lehrerbildungsmaßnahmen und Formen der Begleitforschung etablieren kann.

(ESV/lp)

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Zum Heft
Im Ende April erscheinenden Heft der Zeitschrift Fremdsprache Deutsch zum Thema „Fach- und sprachintegriertes Lernen (CLILiG)“, herausgegeben vom Vorstand des Goethe-Instituts und Christian Fandrych, Britta Hufeisen, Imke Mohr, Ingo Thonhauser, Rainer E. Wicke und Ulrich Dronske als korrespondierendem Mitglied der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, finden Sie viele Artikel zum aktuellen Thema. Sie können das Heft bequem hier bestellen. Zwei Beiträge des Heftes können Sie gratis hier herunterladen.

Tagung
Am 5. und 6. Juli findet in Heidelberg eine internationale Tagung zum Thema „CLILiG GLOBAL – Fach und sprachintegriertes Lernen in der Zielsprache Deutsch – Herausforderungen und Perspektiven für globale Zusammenarbeit in Forschung und Praxis“ statt, organisiert von Kim Haataja und Rainer E. Wicke.


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