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Vision Blockchain
Twitter weiterempfehlen  20.05.2016

Distributed Ledgers in der Praxis

ESV-Redaktion Recht
Blockchains im scheinbaren Wirrwarr von Bits und Bytes (Foto: profit_image/Fotolia.com)
Startet bald ein Auto nicht mehr, wenn eine Rate ausbleibt? Möglich wäre dies durch Blockchain. Doch wie weit ist diese Technologie wirklich? Hiermit hat sich das SWIFT-Institute in einer Studie beschäftigt.

Autoren dieser Studie sind Alistair Milne, School of Business and Economics der Loughborough University und Michael Mainelli von der Z/Yen Group. Die Studie basiert auf Interviews und Gruppendiskussionen mit Fachleuten aus 75 Organisationen, die den Bereichen Post-Trade-Abwicklung angehören oder auf sonstige Weise mit der Blockchain-Technologie befasst sind.

Das Blockchain-Prinzip

Bisher sind die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien nur im Vertrag definiert. Nach der Grundidee von Blockchain führt ein digitalisierter Vertrag selber einzelne Aktionen aus, die dort geregelt sind. Das gilt  z.B. für die Abbuchung von einzelnen Raten bis hin zur digitalen Sperrung eines Autos. Diese Vision wird auch als „Smart Contracts” bezeichnet.

Übertragen lässt sich dieses Prinzip auch auf auf virtuelle Währungen oder Transaktionen in den Wertpapiermärkten. Die SWIFT-Studie hat sich insoweit mit der wechselseitigen Distributed Ledger-Technologie befasst.

Werden die Erwartungen an Blockchain erfüllt?

Zwar sind unter Finanzdienstleistern und in den Medien derzeit hohe Erwartungshaltungen hinsichtlich der Potenziale von Distributed Ledgers zu beobachten. Allerdings hinkt die Technologie der Studie zufolge den teilweise hohen Erwartungen hinter. Danach hat Blockchain zwar das Potenzial für eine grundlegende Erneuerung der Branche. Um jedoch alle Vorteile von Blockchain nutzen zu können, müssen solche Modelle von der höchsten Führungsebene unterstützt werden.

Zudem ist eine regulatorische Unterstützung zur Neugestaltung der Geschäftsabwicklung notwendig. Kurzfristige Erfolge sind daher nicht zu erwarten. 

Welche Möglichkeiten bietet Blockchain grundsätzlich?
  • Wechselseitige Distributed Ledgers machen grundsätzlich den Austausch von vereinbarten und validierten Daten möglich. Dies geschieht mit einer kryptographischen Kontrolle von Zugriffs- und Änderungsrechten. 
  • Senkung der globalen Post-Trade-Kosten bei der Abwicklung des Wertpapierhandels in Höhe von bis zu 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr. 
  • Wesentliche Kosten- und Risikominderungen auch bei anderen Finanzdienstleistungs-Aktivitäten.  

Unrealistische Erwartungen

Dennoch sieht die Studie die Gefahr, dass unrealistische Erwartungen über das Ausmaß des Änderungspotenzials sehr verbreitet sind. Für eine umfassende Anwendung dieser Technologie ist in vielen Unternehmen am Wertpapiermarkt eine tiefgreifende Neuorganisation der Geschäftsabläufe erforderlich. Zwar birgt diese für die Branche ein großes Potenzial. Allerdings wären konkrete Aussagen kaum möglich.

Zum Teil liegt dies daran, dass in weiten Teilen noch ein umfassendes Verständnis für die Technologie fehlt, so die Autoren der Studie.

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Einfachere Ansätze in der Praxis?

Um den Settlement-Ablauf auf annähernd Echtzeit zu verkürzen, ist die  Distributed Ledger-Technologie gar nicht erforderlich, fahren die Autoren fort. Gleiches gilt für den Einsatz sogenannter „Smart Contracts”.

Zudem könnten in der Praxis  einige der Vorteile von wechselseitigen Distributed Ledgers auch einfacher erreicht werden. So wäre z.B. eine Senkung der hohen Kontenabstimmungs-Kosten auf beiden Seiten einer Transaktion auch durch das Erfassen der Daten zum Zeitpunkt der Handelsabwicklung in einem gemeinsamen bilateralen Register (Ledger) möglich.

Alistair Milne sieht es so: „Entscheidend für den Einsatz von wechselseitigen Distributed Ledgers in den Wertpapiermärkten ist nicht der Nachweis der technologischen Machbarkeit. Viel wichtiger ist eine branchenweite Koordination bei der Neukonzeption der Geschäftsabwicklung über alle Wertpapierfirmen”.  

In diesem Fall würde der Übergang zu einem Blockchain-Modell der Branche die Chance zur Harmonisierung ihrer Geschäftsabläufe bieten. Zudem könnten solche Modelle dazu beitragen, die Ineffizienzen in der Post-Trade-Abwicklung zu beseitigen.

Allerdings ist für die Realisierung aller Vorteile der Blockchain das volle Engagement der Käuferseite, der Verkäuferseite und der Regulatoren notwendig.

Zur SWIFT-Studie

Weiterführende Literatur
Der Kommentar von Reischauer/Kleinhans zum Kreditwesengesetz (KWG) ist ein seit vielen Jahren hochangesehenes und bewährtes Standardwerk. Das Loseblattwerk kommentiert neben den KWG-Normen u.a. die LiqV oder die AnzV und erläutert den MaRisk-Regelungstext. Sukzessive behandelt das Werk zudem die wesentlichen Vorschriften der neuen EU-Verordnung CRR (Capital Requirements Regulation). Dabei berücksichtigt es auch die technischen Standards der europäischen Aufsichtsbehörde EBA und weitere relevante Bestimmungen, wie z.B. die EBA-Guidelines. 

(ESV/bp)

Programmbereich: Wirtschaftsrecht

 
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