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Nachgefragt bei: Claude Bessone und Thomas Klinkert
Twitter weiterempfehlen  28.01.2016

„Ein beeindruckendes Zeitzeugnis”

ESV-Redaktion Philologie
Camp de Damigny: Der Dichter Leo Schmidl (1939) (Illustration: Bil Spira/ESV)
Bil Spiras Zeichnungen zeigen einerseits die bedrückenden Umstände des Lagerlebens, andererseits die große Würde der Gefangenen. Die Autorin Claude Bessone und der Übersetzer Thomas Klinkert geben Auskunft über ihre Motive, sich mit dem Werk Bil Spiras zu befassen.
Frau Bessone, wie entstand die Idee, ein Buch über Bil Spira zu verfassen?

Claude Bessone: Ich habe Bil Spira in den Neunzigerjahren in Paris persönlich kennengelernt. Er lebte dort seit seiner Rückkehr aus der Deportation. In der Vorkriegszeit wirkte er im ‚Roten Wien‘ als Zeitungskarikaturist und Illustrator von Beiträgen des politisch engagierten Autors Jura Soyfer, außerdem als Bühnenbildner. Nach dem ‚Anschluss‘ Österreichs an Hitlerdeutschland ging er ins Exil nach Frankreich, wo er nach Kriegsbeginn in Lagern interniert und von dort schließlich 1942 nach Deutschland deportiert wurde. Die in den Lagern von ihm angefertigten Zeichnungen sind glücklicherweise zum Teil erhalten geblieben und wurden von mir auf Anregung Bil Spiras zum Gegenstand eines Buches gemacht. Leider war es dem 1999 verstorbenen Zeichner, der sich noch selbst an der grafischen Gestaltung des Bandes mit beteiligt hatte, nicht mehr vergönnt, das fertige Buch in Händen zu halten. 

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Herr Klinkert, wie wurden Sie auf das Buch aufmerksam und was hat Sie dazu bewogen, es zu übersetzen?

Thomas Klinkert: In meiner Zeit als Vorsitzender des Frankreich-Zentrums der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg lernte ich Claude Bessone im Rahmen eines von der Universität Freiburg und der Université Paris-Est Créteil gemeinsam getragenen deutsch-französischen Masterstudienganges persönlich kennen. Sie schenkte mir ihr Buch über Bil Spira, der mir bis dahin unbekannt gewesen war. Da ich mich bereits wissenschaftlich mit der literarischen Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Lagern, etwa bei Jorge Semprún und Primo Levi, beschäftigt hatte und die Zeichnungen von Bil Spira mich sehr beeindruckten, beschloss ich, das Buch zu übersetzen, um es einem deutschsprachigen Publikum im Rahmen der vom Frankreich-Zentrum herausgegebenen Schriftenreihe bekannt zu machen. Besonders beeindruckend sind für mich die Zeichnungen, die Bil Spira von Mitgefangenen, etwa den Journalisten Haynal, Pfemfert und Dankwart oder dem Dichter Leo Schmidl, angefertigt hat, aus denen einerseits die bedrückenden Umstände des Lagerlebens, andererseits die große Würde der Gefangenen erkennbar werden.

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(ESV/vh)

Zu den Personen
Die Autorin Claude Bessone, ‘Maître de conférences’ mit Habilitation in ‘Civilisation germanique’, ist Spezialistin für visuelle Repräsentationen der deutschen Geschichte und für die Ikonographie der Konzentrationslager. Sie unterrichtet an der Université Paris Est-Créteil Val de Marne und hat u.a. Untersuchungen über das deutsche Kino, die Zeichnungen des Exils und der Internierung und die Denkmäler der Deportation veröffentlicht.

Der Übersetzer Thomas Klinkert ist ordentlicher Professor für Französische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a.: Literatur und Wissen, Literaturtheorie, Tod und Gedächtnis in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Er hat Studien zu Marcel Proust, Samuel Beckett, Claude Simon, Jorge Semprún, Primo Levi, Paul Celan u.a. verfasst.

Zum Band
Neben Auszügen aus den Lebenserinnerungen von Bil Spira können Sie in „Bil Spira. Vom Roten Wien zu den französischen Internierungslagern“ zahlreiche Zeichnungen des Künstlers entdecken, die zwischen 1939 und 1942 in französischen Internierungslagern entstanden. Claude Bessone stellt die Bilder in den geschichtlichen Zusammenhang und hat so ein außergewöhnliches Zeitzeugnis geschaffen. Der Band ist am 28. Januar 2016 im Erich Schmidt Verlag erschienen. Sie können ihn bequem hier bestellen.


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