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Nachgefragt bei: Dr. Clemens Engelhardt
Twitter weiterempfehlen  28.09.2015

„Mittelständische Unternehmen suchen selten das Rampenlicht”

ESV-Redaktion Recht
Berater mittelständischer Unternehmen: Dr. Clemens Engelhardt (Foto: privat)
Mittelständische Unternehmen gelten als besonders innovativ, zuweilen aber muss ihr rechtlicher Rahmen angepasst werden. Der Rechtsanwalt Dr. Clemens Engelhardt erläutert im Interview mit der ESV-Redaktion, warum der Begriff „mittelständischer Konzern” kein Widerspruch ist.

Während sich die Wirtschaftsberichterstattung zumeist auf die Dax-30-Konzerne konzentriert, bilden die „Hidden Champions” das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wen kann man Ihrer Ansicht als Hidden Champion bezeichnen – und in welchen Branchen trifft man sie am häufigsten an?


Clemens Engelhardt: Unternehmer, zumeist Familienunternehmer, bilden die Basis unserer Marktwirtschaft und sind deren Motor und tragende Stütze. Dies gilt nahezu für alle Branchen. Nehmen wir beispielsweise die Vielzahl an Zulieferern, die die großen Automobilkonzerne mit Teilen und Know-how beliefern und in ihrem Segment den Wettbewerb anführen.

Und wie viele dieser Hidden Champions sind – schon oder noch - mittelständisch geprägt?

Clemens Engelhardt: Bringt ein Unternehmer sein Wissen, Können und die Umsetzung am Markt zusammen und zeigt damit die unternehmerische Verantwortung und Schaffenskraft, geht daraus rasch ein mittelständisch geprägtes Unternehmen hervor. Größe spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Wesentlich scheint mir die Prägung durch die handelnden Personen – beispielsweise Gründer und Unternehmerfamilie.

Häufig wirken erfolgreiche Mittelständler abseits der Öffentlichkeit. Ist das ein Grund für den Erfolg dieser Unternehmen?

Clemens Engelhardt: Sprechen wir die „alten Tugenden“ an, kommen wir rasch zur Bescheidenheit. Mittelständisch geprägte Unternehmen suchen das Rampenlicht allenfalls da, wo es zum Unternehmen und zum Produkt passt. Hier steht das Unternehmen im Vordergrund und nicht die handelnden Personen.

Wie unterscheiden sich die Fragestellungen und Probleme der mittelständischen Unternehmen von denen der Dax-Unternehmen?

Clemens Engelhardt: Natürlich gibt es bestimmte Fragestellungen, die größenabhängig erst auf den Plan treten, z.B. Kapitalmarkt-Themen. Allerdings erfordert jede Unternehmung ein exaktes und punktgenaues Handeln. Dies erfordert auch das Treffen von Entscheidungen und hier sind nach unserer Beratungserfahrung Unternehmer im Mittelstand klar im Vorteil. Flache Hierarchien und entsprechende Flexibilität schaffen den nötigen Freiraum, um am Puls der Zeit zu agieren.

Handelt es sich nicht um einen Widerspruch in sich – die Begriffe Mittelstand und Konzern zu kombinieren?

Clemens Engelhardt: Landläufig ja; rechtlich, steuerlich und bilanziell jedoch nicht. Sobald eine Struktur komplexer wird und beispielsweise ein Unternehmen eine Tochtergesellschaft hat, liegt rechtlich bereits ein Konzern vor. Ein mittelständischer Konzern beschreibt also ein Unternehmen mit einer Komplexität ab einem rasch erreichten Niveau: z.B. Muttergesellschaft, Produktionstochtergesellschaft, Vertriebstochtergesellschaft und eine Logistik-Beteiligung mit einem Wettbewerber.

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Welche Bedeutung hat die Rechtsform für die erfolgreiche Entwicklung eines mittelständischen Konzerns? Worauf sollten künftige Hidden Champions also besonders achten?

Die Frage zu beantworten, hieße ein Buch darüber zu schreiben...

... das haben Sie deshalb ja auch gemacht.

Clemens Engelhardt: Genau. Aber kurz gesagt: Weder Recht noch Steuern oder Bilanzierung haben je über geschäftlichen Erfolg entschieden. Natürlich sollte jedes der vorgenannten Themen optimiert sein. Beispielsweise ist eine Aktiengesellschaft für ein Unternehmen mit nur einem Inhaber rechtlich zu komplex und daher nicht ratsam und umgekehrt kann ein Familienunternehmen in mehreren Generationen sogar Vorteile aus so genannten Familienstiftungen ziehen.

Wo werden hier – bei der Rechtsformwahl - üblicherweise die meisten Fehler begangen?

Clemens Engelhardt: Stillstand und mangelnde Anpassung ist immer ein Fehler. Wir haben heute die Möglichkeit, europäische Gesellschaften - die SE als europäische Aktiengesellschaft - zu nutzen, bestimmte Rechtsformen in Deutschland zu nutzen, die andere Länder nicht kennen, z.B. die GmbH & Co. KG, und vieles mehr. Es sollte also parallel zur Entwicklung des Unternehmens auch das Thema Gesellschaftsrecht und Rechtsformwahl mit im Auge behalten werden. Auch sollten steuerliche Aspekte mit in diese Überlegungen einfließen.

Sehen Sie M&A - Mergers & Acquisitions - als Chance oder eher als Risiko, wenn man als Mittelständler deutlich wachsen möchte?

Clemens Engelhardt: Wachstum hat etwas mit Marktposition zu tun. Einen Wettbewerber zu kaufen, ist eine chancenreiche Wachstumsoption. Hier kann ein Unternehmenskauf sicherlich helfen. Ist aber beim Kauf eines Unternehmens eine organisatorische Synergie bezweckt, so muss im Vorfeld genau überlegt werden, ob die beiden Unternehmen wirklich unter sämtlichen Umständen zusammen passen werden.

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Zur Person
Dr. Clemens Engelhardt (Jahrgang 1978) ist Rechtsanwalt in München. Er ist Inhaber der auf Gesellschaftsrecht und Unternehmenskäufe sowie die wirtschaftsrechtliche Beratung mittelständischer Unternehmen spezialisierten Kanzlei in München (www.legalcounsel.eu). Er studierte in München, Heidelberg und Frankfurt und promovierte dort im Aktienrecht. Engelhardt war zunächst für internationale Großkanzleien sowie für die Deutsche Bank in Frankfurt und London und die Deutsche Börse tätig. Vor der Gründung von seiner Kanzlei war er mehrere Jahre für das inländische Gesellschaftsrecht und die Unternehmenstransaktionen eines mittelständisch geprägten Familienunternehmens verantwortlich. Seine Kanzlei berät zumeist mittelständische Unternehmen und vermögende Privatpersonen.

Zusammen mit Dr. Andreas Wagenseil ist Engelhardt Herausgeber des im ESV erschienenen Werks Der mittelständische Konzern.

(ESV/map)

Programmbereich: Wirtschaftsrecht

 
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