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Twitter weiterempfehlen  19.04.2016

Rechtzeitige Zuordnung einer Fotovoltaikanlage ist Voraussetzung für Vorsteuerabzug

ESV-Redaktion Steuern
Angabe in Fragebogen zukünftig unternehmerisch tätig zu sein reicht nicht für Vorsteuerabzug (Foto: Marina Lohrbach/Fotolia.com)
Mit den Voraussetzungen der Zuordnungsentscheidung bei Leistungsbezug, sowohl für unternehmerische Zwecke als auch für nichtunternehmerische Zwecke, hat sich kürzlich das Finanzgericht Niedersachsen befasst.
Die Klägerin ist seit 2010 mit einem Friseurgeschäft unternehmerisch tätig. Seit Oktober 2012 betreibt sie zudem eine Fotovoltaikanlage und speist entgeltlich Strom in das örtliche Energienetz ein. Für die Anschaffung der Fotovoltaikanlage und den damit im Zusammenhang stehenden Montageleistungen wurden der Klägerin noch im Streitjahr Rechnungen mit gesondertem Steuerausweis erteilt. Einen hieraus möglichen Vorsteuerabzug machte sie in den Voranmeldungen für das Streitjahr nicht geltend. Vielmehr wurde dieser Vorsteuerabzug erstmals in der Jahressteuererklärung 2012 geltend gemacht, die beim Finanzamt am 10.9.2013 einging. In einem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung der Betätigung als Fotovoltaikbetreiber bestätigte die Klägerin gegenüber dem Finanzamt im Dezember des Streitjahres die Aufnahme dieser Tätigkeit. Das Finanzamt ließ den Abzug der im Zusammenhang mit der Anschaffung der Fotovoltaikanlage stehenden Vorsteuerbeträge nicht zu. Die Klägerin habe die Fotovoltaikanlage nicht rechtzeitig ihrem Unternehmen zugeordnet.

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Angabe im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, um zukünftig unternehmerisch tätig zu sein, ist keine Zuordnungsentscheidung

Das FG Niedersachsen folgte in seinem Urteil vom 11.02.2016 – 5 K 112/15 der Auffassung der Finanzverwaltung und lehnte den Abzug der mit der Anschaffung der Fotovoltaikanlage im Zusammenhang stehenden Vorsteuerbeträge ab.

Zur Begründung führte das Finanzgericht u.a. weiter aus:

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann der Unternehmer die gesetzlich geschuldete Steuer für Leistungen von einem anderen Unternehmer, die für sein Unternehmen ausgeführt worden sind, als Vorsteuerbeträge abziehen. Ist die bezogene Leistung sowohl für unternehmerische Zwecke als auch für nichtunternehmerische Zwecke vorgesehen, so bedarf es einer Entscheidung über die Zuordnung zum Unternehmen, um in diesem Umfang die Zuordnung den Vorsteuerabzug zu erlangen. Aus dem Grundsatz des Sofortabzugs der Vorsteuer folgt, dass die Zuordnungsentscheidung grundsätzlich bei Bezug der Leistung zu erfolgen hat. Die Zuordnung der bezogenen Leistung zum Unternehmen wird regelmäßig durch die Geltendmachung des Vorsteuerabzugs dokumentiert. Andere Beweisanzeichen für die Zuordnung sind hingegen möglich. Die Zuordnungsentscheidung muss aber spätestens und mit endgültiger Wirkung nach außen hin bis zu dem Zeitpunkt erfolgen, für den nach den gesetzlichen Vorschriften die Abgabe der Steuererklärung für das Jahr des Leistungsbezuges vorzunehmen ist (siehe BFH-Urteil vom 18.04.2012 - XI R 14/10).

Im Streitfall ist zunächst zu berücksichtigen, dass im Streitjahr sowohl Strom produziert wurde, den die Klägerin entgeltlich veräußerte, als auch Strom, den die Klägerin für ihr privates Wohnhaus verwendete. Damit steht fest, dass die Fotovoltaik-Anlage einer erstmaligen gemischten Verwendung zugeführt worden ist. Deshalb hätte die Klägerin eine Zuordnungsentscheidung, die ihr den gesamten und begehrten Vorsteuerabzug ermöglicht hätte, treffen müssen. Derartiges ist bis zum 31.5. des Folgejahres nicht geschehen. Zwar hat die Klägerin gegenüber dem Finanzamt hinreichend deutlich gemacht, dass sie mit der Veräußerung von Strom eine weitere unternehmerische Betätigung begonnen hatte. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, dass damit eine Zuordnungsentscheidung verbunden gewesen wäre. Die Klägerin hat auch nicht außerhalb der Abgabe der Steuererklärungen gegenüber dem Finanzamt eine Zuordnungsentscheidung bekundet. Erstmals mit der Jahressteuererklärung, die am 10.9.2013 beim Beklagten einging, ist eine Zuordnungsentscheidung nach außen hin dokumentiert. Dies war nicht zeitnah im Sinne der Rechtsprechung. Deshalb steht der Klägerin nach dem Umsatzsteuergesetz ein Vorsteuerabzug aus den Leistungen im Zusammenhang mit der Errichtung der Fotovoltaikanlage nicht zu. (ESV/fl)

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Literaturhinweis zum Thema
Herausgegeben vom Bundesministerium der Finanzen, gibt Ihnen die Amtliche Umsatzsteuer-Handausgabe 2015/2016 eine verlässliche Zusammenstellung der wichtigsten umsatzsteuerlichen Regelungen und Bestimmungen. So nützlich wie unverzichtbar für alle, die umsatzsteuerliche Anwendungsfragen in ihrer täglichen Rechts- und Beratungspraxis beantworten.

Programmbereich: Steuerrecht

 
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