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Ausstellungsstipps
Twitter weiterempfehlen  11.12.2019

100 Jahre Bauhaus

ESV-Redaktion Philologie/vh
Noch schnell im Jubiläumsjahr 2019 eine Bauhaus-Ausstellung besuchen! (Foto: privat)
1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus als Kunstschule. Es war damals etwas völlig Neues, eine Kombination von Kunst und Handwerk und ein Gegenentwurf zur Ästhetik des Historismus.
Der „Bauhaus-Stil“ wird modernen Strömungen wie dem Funktionalismus, der Klassischen Moderne, der Neuen Sachlichkeit oder dem Neuen Bauen zugeordnet und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit bei Freunden von klaren Linien.
Nicht jeder aber mag die aufgeräumte Ästhetik des Bauhaus-Stils, so lesen wir bei Roland Innerhofer in seinem Band „Architektur aus Sprache“:
„Prominent ist der Einspruch, den Bertolt Brecht 1927 in seiner Erzählung „Nordseekrabben oder Die moderne Bauhaus-Wohnung“ gegen das Stilregime des Bauhauses erhob. Der zu Geld gekommene AEG-Ingenieur Kampert zeigt seinen beiden Freunden aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, Müller und dem Ich-Erzähler, seine neue Wohnung. Die zur Schau gestellte Nüchternheit und Sachlichkeit, der abstrakte Funktionalismus der im Bauhausstil eingerichteten Wohnung missfällt Müller, er kann ‚diese vorsätzliche Harmonie und diese reformatorische Zweckmäßigkeit nicht mehr aushalten’.“
Und auch die Bewohner der Meisterhäuser in Dessau, allesamt „Meister“, also Lehrende am Bauhaus, hielten sich nicht immer an die Nüchternheit und Zweckmäßigkeit des Bauhauses. Bei der Farbgestaltung der Innenräume entwickelten Künstler wie Klee und Kandinsky eigene Ideen, die dem Direktor bisweilen missfielen. Dennoch war das Bauhaus wegweisend für Kunst, Design und Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts und hat unverkennbar seine Spuren hinterlassen.

Nachgefragt bei: Prof. Dr. Roland Innerhofer 19.11.2018
Innerhofer: „Die Architektur spielt in der Literatur eine fundamentale Rolle“
Die Jahrhundertwende und der 1. Weltkrieg erschütterten das 20. Jahrhundert maßgeblich, brachten aber ebenso das Neue Bauen und die Bauhaus-Bewegung hervor, in denen Architekten wie Bruno Taut auf die Bildfläche traten. Diese Zeit ist in Architektur oder Kunst in vielen verschiedenen Facetten festgehalten worden, aber auch in der deutschsprachigen Literatur, wie Prof. Dr. Roland Innerhofer im Interview mit der ESV-Redaktion erklärt. mehr …

Für die Liebhaber des von Walter Gropius begründeten Stils, oder für alle, die es werden möchten, ist eine Reise in die Zeit des Bauhauses empfehlenswert. Das ist gerade jetzt, da das Bauhaus Jubiläum feiert, besonders einfach. Neben zahlreichen kleineren Veranstaltungen, die man zentral auf der Seite www.bauhaus100.de abrufen kann, seien die folgenden drei „großen“ Ausstellungen allen ans Herz gelegt, die sich für Architektur, Design und die Geschichte des Bauhauses interessieren.

Tipp 1: Bauhaus zum Anfassen und Mitmachen gibt es noch bis zum 27.01.2020 in der Berlinischen Galerie zu sehen. Die Ausstellung „original bauhaus“ des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung zeigt berühmte, bekannte und vergessene Bauhaus-Originale und erzählt die Geschichte hinter den Objekten. Zu erfahren ist aber auch viel Praktisches, beispielsweise, welche Aufgaben die Bauhaus-Schüler in den Vorkursen bewältigen mussten. Man kann gleich vor Ort ausprobieren, ob man bestanden hätte: Man bekommt Lust, freihändig Linie und Kreis zu zeichnen, in Spiegelschrift zu schreiben und Papier zu falten.

Tipp 2: Im Herbst 2019 eröffnete das neue Bauhaus Museum Dessau mit einer Ausstellung, die das Bauhaus als „Versuchsstätte“ für eine moderne „Kultur des praktischen Lebens“ in den Blick nimmt. Die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau umfasst rund 49.000 katalogisierte Exponate und ist die zweitgrößte Sammlung zum Thema Bauhaus weltweit. Hiervon sind zur Zeit über 1.000 Exponate zu sehen. Im Vordergrund stehen die Schule und ihre Studierenden: der Alltag des Lernens und der Lehre zwischen freiem Entwurf und industriellem Prototyp, künstlerischem Experiment und wirtschaftlichem Druck. Und wenn man schon mal in Dessau ist, sollte man auf keinen Fall die Meisterhäuser und das Bauhausgebäude von 1925 verpassen.

Tipp 3: Last but not least: die Ausstellung: „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ im neuen bauhaus museum weimar, das im April 2019 eröffnete. Sie zeigt dort umfänglich die Schätze aus der Zeit des frühen Bauhauses. Die von Walter Gropius bereits 1925 angelegte Sammlung von 168 Werkstattarbeiten ist mittlerweile auf 13.000 Objekte angewachsen. Besuchern bietet die Ausstellung viele sinnliche Erlebnisse – etwa im Bühnenraum, der von den multimedialen Experimenten László Moholy-Nagys inspiriert ist – ebenso wie praktische Werkstatterfahrungen von der Buchbinderei wie zu Zeiten des Bauhauses bis hin zum 3D-Druck.

Falls Sie keinen Ausflug nach Berlin, Dessau oder Weimar schaffen, aber Zeit zum Schmökern haben, dann empfehlen wir Ihnen das Buch „Architektur aus Sprache“ von Roland Innerhofer. Hier werden die Wechselwirkungen von Literatur und Architektur (und damit auch des Bauhauses) zwischen 1890 und 1930 umfassend dargestellt. Der Autor veranschaulicht, wie in der modernen Literatur die etablierte Architektursymbolik destabilisiert und somit brüchig wird.

Der Autor
Roland Innerhofer, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien, beschäftigt sich mit Literatur des 19.–21. Jahrhunderts, Phantastik und Utopie sowie Korrespondenzen zwischen Literatur – Technik – Architektur – Film. Publikation zum Thema: Bauformen der Imagination. Ausschnitte einer Kulturgeschichte der architektonischen Phantasie (hg. mit Karin Harrasser), Wien 2006.
Architektur aus Sprache
Von Roland Innerhofer

Was die Architekturtheorie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte – die Bedeutung von Raumwahrnehmung und Raumgefühl –, spielte für die literarische Architekturdarstellung immer schon eine zentrale Rolle. Ausgehend von dieser Annäherung der beiden Künste verknüpft dieses Buch erstmals die Geschichte der modernen Architekturtheorie mit der Architekturthematik in ausgewählten literarischen Werken des frühen 20. Jahrhunderts.
Die gegenseitige Erhellung und Irritation von Sprach- und Baukunst rückt kanonische Werke der Klassischen Moderne, von Paul Scheerbart, Hans Henny Jahnn, Alfred Kubin, Franz Kafka, Alfred Döblin, Thea von Harbou bis zu Robert Musil, in ein neues Licht. So stabilisieren architektonische Strukturen nicht mehr Identitäten und Bedeutungen und vermitteln keinen äußeren oder inneren Halt, sondern erscheinen als unzugänglich, rätselhaft und bedrohlich. Durch ihre Andersartigkeit regt die Architektur die Literatur dazu an, Möglichkeitsräume zu imaginieren: Spielräume des Unvorhergesehenen und Unvorhersehbaren.

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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