Dax-Aufsichtsratsvergütung 2018: Gestiegen, trotz rückläufiger Gewinne
Keine Augenhöhe mit dem Vorstand
Den immensen Unterschied in der Vergütungshöhe von Aufsichtsratsvorsitzenden und Vorstandsvorsitzenden kritisieren die Studienautoren: „Ein Aufsichtsratsvorsitz ist heute mehr denn je auch mit Strategiebegleitung und intensivem Sparring für den Vorstand verbunden. Keine nennenswerte Investition oder sonstige Entscheidung von größerem Ausmaß kann heute ohne Einbindung des Aufsichtsratsvorsitzenden getätigt werden. Die Vergütung für das Amt sollte daher so ausgelegt sein, um sich auf Augenhöhe begegnen zu können. Davon sind wir aber weit entfernt”, bilanziert Nina Grochowitzki von der Unternehmensberatung hkp, die die Untersuchung vorgelegt hat.Entkopplung der Vergütung
Angesichts der von den Unternehmen fortgesetzten Umstellung der Aufsichtsratsvergütung auf reine Fixbezüge haben sich die Vergütungen von der Geschäftsentwicklung entkoppelt. So werde der aktuelle Vergütungsanstieg durch sinkende Unternehmensgewinne kontrastiert, beschreiben die Autoren: Der durchschnittliche Konzernjahresüberschuss der Dax-Unternehmen ist 2018 um drei Prozent gesunken. Mit BMW, Continental, Deutsche Bank, Fresenius und Fresenius Medical Care setzen laut Studie nur noch fünf Unternehmen auf eine Kombination von fixer und langfristig variabler Vergütung für ihre Aufsichtsräte. Eine kurzfristig variable Vergütung auf Basis des Geschäftsergebnisses eines Jahres findet sich in keinem Dax-Unternehmen mehr. Vorschriften zum Erwerb und langfristigen Halten eines signifikanten Anteils an Aktien des eigenen Unternehmens finden sich nur bei BASF, Bayer, Daimler und RWE.Regine Siepmann, Partnerin bei hkp, betrachtet den manifestierten Trend zur ausschließlichen Fixvergütung kritisch: „Wenn schon eine reine Fixvergütung gezahlt wird, dann sollte diese zwingend durch eine Aktienkaufverpflichtung ergänzt werden. Der Aufsichtsrat als Vertreter der Aktionäre braucht mehr „Skin in the Game”, fordert die Corporate Governance-Expertin.
Die Deutsche Bank ist Spitzenreiter
Mit rund 858.000 Euro belegt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank wie in den Geschäftsjahren zuvor die Spitze der Vergütungsrangliste der ganzjährig im Amt tätigen Dax-Kontrolleure. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Chefaufseher von BMW und Fresenius mit jeweils 640.000 Euro Vergütung. Die geringsten Vergütungen erhalten die Aufsichtsratsvorsitzenden von Merck (237.000 Euro), HeidelbergCement (232.000 Euro) und Beiersdorf (228.000 Euro).Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.
| Governance in der vernetzten Wirtschaft Gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Umbrüche stellen das klassische Governance-Verständnis heute auf den Prüfstand. Sowohl organisationsintern als auch in den Beziehungen zu den Stakeholdern und der Umwelt zeigt sich immer mehr, dass Unternehmenssteuerung nur noch begrenzt möglich ist.
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(ESV/ps)
Programmbereich: Management und Wirtschaft