Gesund und erfolgreich führen
Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz und Unternehmenserfolg schließen sich nicht aus – im Gegenteil! Führungskräfte sind die Schlüsselpersonen, wenn es um die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen geht. Verschiedene Ansatzpunkte werden im Folgenden vorgestellt.
Gesund Führen – der Stellenwert nimmt zu
Aktuelle Forschungsbefunde belegen, dass das Führungsverhalten einen zentralen Einflussfaktor für die Mitarbeitergesundheit darstellt . Eine Mitarbeiterbefragung der Bertelsmann AG zeigte z.B., dass ein Führungsstil, der als gesundheitsförderlich empfunden wird, sich positiv auf die Leistung der Beschäftigten und die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens auswirkt. Gesunde Führung führt also zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Wie kann ein Unternehmen diesen wünschenswerten Zustand erreichen?Ausgangspunkt ist die Gesundheit der Führungskraft
Es ist wichtig zu verstehen, dass sich Führungskräfte in einem Spannungsfeld befinden.
Auf der einen Seite tragen sie die Verantwortung dafür, dass Aufgaben erfüllt, Deadlines eingehalten und Ziele erreicht werden. Führungskräfte üben Tätigkeiten aus, die mit hohen Anforderungen verbunden sind. Neueste Studienergebnisse belegen dies eindrücklich. Führungskräfte verfügen zwar über viele Ressourcen in ihren Tätigkeiten, erleben aber auf der anderen Seite starken Zeitdruck und häufige Arbeitsunterbrechungen.
Auf der anderen Seite haben Führungskräfte auch eine (Mit-) Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um unvereinbare Gegensätze, sondern vielmehr um zwei Seiten einer Medaille, die für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg unverzichtbar sind.
Ein erster wichtiger Ansatzpunkt, um gesunde Führung in einem Unternehmen zu etablieren, sind immer die Führungskräfte selbst und ihre eigene Gesundheit. Führungskräfte wirken als Multiplikatoren. Sie können gesundheitsförderliche Unternehmenswerte leben und verstärken sowie Maßnahmen zur Gesundheitsförderung aktiv unterstützen. Das eigene Gesundheitsverhalten der Führungskräfte spielt eine wichtige Rolle, denn sie sind Vorbild für ihre Mitarbeiter:
- Ist der Chef ständig gestresst und gereizt, oder können die Mitarbeiter ihn jederzeit ansprechen, ohne Angst haben zu müssen?
- Achtet der Abteilungsleiter bei seinen Mitarbeitern darauf, ob sie lange Überstunden machen, oder sitzt er selbst bis spät in der Nacht im Büro?
- Ernährt sich der Manager nur von Fast-Food und hält Sport für eine Zeitverschwendung?
Gestaltung der Arbeitsbedingungen ist zentral für gesunde Führung
Wenn Führungskräfte hören, dass sie sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern und „gesundheitsförderlich“ führen sollen, wird dies sehr oft mit großem Mehraufwand und zusätzlichen Aufgaben und Belastungen verbunden. Dieser Befürchtung stehen zwei Tatsachen entgegen:
- Gesunde Mitarbeiter sind in der Regel leistungsfähiger und motivierter. Eine Führungskraft, die gesund führt, wird also davon profitieren können. Sie wird ihre Aufgaben besser und ihre Ziele leichter und mit weniger Aufwand erreichen können.
- Führung bedeutet im Wesentlichen Einflussnahme auf die Bedingungen von Arbeit, auf die Unternehmenskultur und auf die arbeitenden Personen mit dem Ziel der bestmöglichen Erfüllung gemeinsamer Aufgaben. Wird dies von der Führungskraft geleistet, hat sie bereits einen großen Teil von gesunder Führungsarbeit umgesetzt.
Gesundheitsgerechtes Führen bedeutet nicht, dass man als Führungskraft permanent die Vitalwerte seiner Mitarbeiter im Blick haben oder deren private Probleme lösen soll. Es beginnt viel einfacher. Die Gestaltung der Arbeitsbedingungen hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Führungskräfte können die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen. Das betrifft folgende Bereiche:
| Die Arbeitsaufgabe – z.B. Über- oder Unterforderung vermeiden, Handlungs- und Entscheidungsspielräume gewähren, Aufgabenvielfalt und -wechsel ermöglichen, Rückmeldung zur Tätigkeitsausführung und den Arbeitsergebnissen geben, Leistungs- und Zeitvorgaben realistisch gestalten |
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Die Arbeitsorganisation – z.B. transparente Projektorganisation und Verantwortungsstruktur, klare Kompetenzverteilungen, störungs- und behinderungsfreie Arbeitsprozesse, gutes Informationsmanagement, soziale und finanzielle Gratifikation, Entwicklungs- und Lernchancen bei der Arbeit, Einhaltung von Pausenregelungen |
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Die Arbeitsumgebung– z.B. Optimierung von Faktoren wie Lärm, Klima, Beleuchtung |
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Die Arbeitsmittel z.B. die Auswahl von gesundheits- und leistungsförderlichen Hilfsmitteln (Hebe- und Tragehilfen, Headsets, Software etc.) sowie Mobiliar |
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Die sozialen Faktoren – z.B. Verbesserung der Kommunikation und des Abteilungs- und Betriebsklimas, Förderung von sozialer Unterstützung, guter Umgang mit Konflikten |
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Umsetzung des betrieblichen Arbeitsschutzes |
Welches Führungsverhalten ist gesundheitsförderlich?
Über die Gestaltung der Arbeitsbedingungen hinaus zeigt sich, dass insbesondere die Wertschätzung von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern und die Anerkennung von Leistungen einen großen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten haben. Mitarbeiter, die sich von ihren Führungskräften akzeptiert, fair behandelt und wertgeschätzt fühlen, haben weniger körperliche Beschwerden, weniger depressive Verstimmungen und einbesseres Wohlbefinden als Beschäftigte, die sich nur wenig akzeptiert und wertgeschätzt fühlen. Anerkennung und Wertschätzung für erbrachte Leistung und Engagement zu erfahren ist deshalb so wichtig, weil sie ein menschliches Grundbedürfnis befriedigt. Dabei ist Wertschätzung weit mehr als das klassische Lob. Echte Wertschätzung erfordert ein Interesse an der Person. Auch Kritik kann Ausdruck von Wertschätzung sein, sofern sie fair und konstruktiv geäußert wird. Denn sie beinhaltet: Die Führungskraft hat sich Zeit genommen und genau hingeschaut; das ermöglicht ihr, eine fundierte Rückmeldung zur Leistung des Beschäftigten zu geben. Führung hat generell einen prägenden Einfluss auf das soziale Miteinander, das am Arbeitsplatz gelebt wird, was wiederum entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat. Je nach dem, wie die Führungskraft Einfluss nimmt, kann sie z.B. soziale Unterstützung im Team einfordern und fördern und konstruktive Konfliktlösungen vorantreiben und somit positiven Einfluss auf das Arbeitsklima nehmen. In einem solchen Fall kann Führung für Mitarbeiter eine große Ressource sein. Auf der anderen Seite wird Führung zur Belastung, wenn durch entsprechende Vorgaben oder Nichthandeln der Führungskraft ein soziales Klima der Konkurrenz, der Missgunst, des Mistrauens oder gar der verdeckten Aggression entsteht.
Organsiationale Rahmenbedingungen
Führungskräfte agieren nicht in einem luftleeren Raum, sondern befinden sich in einem komplexen System. Die organisationalen Rahmenbedingungen haben einen entscheidenden Einfluss darauf, ob gesunde Führung gelebt werden kann oder nicht. Die Unternehmenskultur bestimmt das Sollen, Wollen und Können innerhalb einer Organisation und legt zum Beispiel fest, inwieweit Führungskräften Zeit gewährt wird, sich mit den Bedürfnissen ihrer Beschäftigten auseinanderzusetzen. Wenn ein Unternehmen die Potenziale gesunder Führung erkennt, anerkennt und unterstützt, wirkt sich dies positiv auf die Unternehmenskultur aus und gesundheitsförderliches Führungsverhalten kann in der Führungspraxis wirkungsvoll umgesetzt und gelebt werden.
Zum Abschluss deshalb einige Tipps für ein gesundes Unternehmen:
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Die Gesundheit der Beschäftigten sollte einen hohen Stellenwert im Unternehmen haben und beispielsweise in den Unternehmenswerten oder im Unternehmensleitbild verankert werden. |
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Gesundheit sollte ein Bestandteil der Führungsleitlinien sein. |
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Gesundheit sollte zu einem eigenständiges Zielkriterium betrieblichen Handelns und zum Bestandteil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses werden. |
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Die Gesundheit der Beschäftigten sollte Bestandteil von Zielvereinbarungen sein. |
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Führungskräfte sollten dafür belohnt werden, wenn sie die Gesundheit ihrer Beschäftigten fördern. |
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Das Thema gesunde Führung sollte im besten Fall in ein systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement integriert werden. |
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Das Unternehmen sollte Unterstützungsangebote (z.B. Qualifizierung) für seine Führungskräfte anbieten. |
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Das Unternehmen sollte gut über bestehende Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung informieren. |
Die Autorin
Dr. Susanne Roscher ist Leiterin des Referats Arbeitspsychologie in der Prävention der VBG. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Referats liegt in der Aufbereitung arbeitspsychologischer Expertisen für die betriebliche Praxis und in der Beratung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Literaturempfehlungen zum Thema Führung beim ESV
Acht Disziplinen ganzheitlicher Führung
Menschen, Ideen, Projekte und Prozesse bewegen
Norbert J. Heigl
Wer in Führung geht, wird zum Gejagten – was im Sport zählt, gilt immer öfter auch im Management: So finden sich die meisten Führungskräfte mittlerweile in nahezu athletischen Mehrkämpfen wieder, längst wird nicht mehr nur "entschieden und delegiert". Die Kommunikation soll laufen, Prozesse müssen gesteuert, Projekte umgesetzt, permanent soll Verbesserungspotential aufgespürt werden. Und unter steigendem Zeit-, Veränderungs- und Erfolgsdruck muss man sich am Ende auch selbst noch managen.
Dieses anschauliche Buch wirft einen ganzheitlichen Blick auf die vielseitigen Facetten und Aufgabenbereiche moderner Führung. Für die acht wesentlichen "Disziplinen" bietet Ihnen Norbert J. Heigl eine so fachkundige wie anregende Lektüre.
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Programmbereich: Arbeitsschutz