Governance in der vernetzten Wirtschaft
Einleitend wird die klassische, managementorientierte Perspektive beleuchtet und versucht, die Frage zu beantworten, welches Governance-Verständnis ein Unternehmen in einer komplexen Umwelt braucht. Als kritischer Erfolgsfaktor wird die Unternehmenskultur herausgearbeitet, die sowohl auf die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle auf der strategischen Ebene als auch in der glaubhaften Diskussion mit Stakeholdern prägend wirkt.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der ökonomischen Perspektive der Governance. Es werden verhaltensökonomische Aspekte untersucht sowie das Verhältnis von Unternehmen und Markt analysiert. Um sich als Organisation zu positionieren und einen angemessenen Steuerungs- und Kontrollmix zu finden, ist es nach Schwarz wesentlich, den Kontext zu verstehen, Kooperationschancen zu erkennen, eine Feedbackkultur zu fördern und den Dialog zu suchen.
Im nachfolgenden Kapitel zur gesellschaftlichen Perspektive werden insbesondere die Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit und deren Einfluss auf die gesellschaftliche Veränderung ins Verhältnis zur Governance gesetzt. Schwarz kommt hier zu der Einschätzung, dass eine gestaltende Governance als Ansatzpunkte systemisches Wissen über den Zustand der Erde und eine unvoreingenommene Technikfolgenabschätzung benötigt.
Das Zusammenführen von Management-, Ökonomie- und Gesellschaftsperspektive führt im vierten Kapitel zu multiperspektivischen Governance-Ansatzpunkten. Kultur prägt die Governance. Dieses gilt sowohl für die Unternehmens- als auch die Wettbewerbskultur. Dabei kommt Schwarz zu dem Schluss, dass eine Kultur der Nachhaltigkeit eine systemkonforme Antwort auf die Beschleunigungsprozesse der vernetzten Wirtschaft darstellen könnte. „Ein angemessenes Governance-Verständnis bewegt sich innerhalb der Trias Kultur-Kontext-System und begreift Governance selbst als Lernprozess.“
Abschließend erfolgt anstelle eines Fazits ein Check der Governance-Risiken. Die drei Ansatzpunkte Kultur, Kontext und System werden in diesem qualitativen Risikocheck als mögliche Risiken für eine effektive Governance gesehen. Hinzu kommen mögliche Wahrnehmungsverzerrungen. Im Rahmen einer ganzheitlichen Einschätzung des Governance-Risikoportfolios wird eine Matrix mit diesen Risiken und dem zeitlichen Bezug aufgespannt, deren Felder weniger standardisierte Antworten als vielmehr Anregungen durch Selbstreflexion aufzeigen sollen.
Die hier vorliegende, kurze Rezension kann dem Werk „Governance in der vernetzten Wirtschaft“ nur schwer gerecht werden, da es eine Fülle von interessanten Denkanstößen – sowohl für die Lehre als auch für die Praxis – liefert. Immer wieder werden von Schwarz Praxistransferbeispiele in das Buch eingebaut, die den Leser den einfachen Transfer der abgeleiteten Erkenntnisse in die aktuelle (Unternehmens-)Praxis erlauben.
Schwarz verfolgt mit dem Buch den im Vorwort formulierten Zweck: „Sollte es den Fragehorizont des Lesers erweitern, weitere Denkanstöße auslösen und deutlich machen, dass einfache Antworten in einer vernetzten Wirtschaft schwierig sind, hätte es seinen Zweck erfüllt.“ – Mission accomplished.
Nicolo Prien, Bereichsleiter Internal Audit & ICS bei der Uniper SE, Düsseldorf.
Quelle: ZIR Zeitschrift Interne Revision Heft 6/2019
Programmbereich: Management und Wirtschaft