HHL-Studie: CSR versus Finanzberichterstattung - mehr Schein als Sein?
Den Zusammenhang zwischen CSR und der Qualität der Finanzberichterstattung analysieren Marcus Salewski und Prof. Dr. Henning Zülch vom Lehrstuhl für Accounting and Auditing der HHL Leipzig Graduate School of Management erstmals für eine größere europäische Datenbasis - in ihrer Studie mit dem Titel "The Impact of Corporate Social Responsibility (CSR) on Financial Reporting Quality - Evidence from European Blue Chips".
Insbesondere ist der Hypothese nachgegangen worden, dass der Zusammenhang zwischen der unternehmerischen Sozialverantwortung und der Qualität der Finanzberichterstattung sogar als negativ anzusehen sein könnte. So könnten Unternehmen in CSR investieren, um sich eine Art "reputation insurance" zu kaufen. Ein Verdacht, den die Studie nun bestätige: Gerade Unternehmen, die als führend im Bereich CSR wahrgenommen würden, verfügten tendenziell über eine geringere Qualität der Finanzberichterstattung und betrieben tendenziell mehr Bilanzpolitik.
Der Analyse, so die Pressemeldung der HHL, liegt das sogenannte "Good Company Ranking" der Kirchhoff Consult AG zugrunde - ein regelmäßiges Ranking der 90 größten europäischen Unternehmen zu Nachhaltigkeit ihrer Unternehmensführung. Kriterien seien dabei die Bereiche Gesellschaft, Mitarbeiter, Umwelt und Performance. Diese Daten wurden von den HHL-Wissenschaftlern mit grundlegenden Accounting-Informationen aus Thomson Reuters Datastream zusammengefügt, die dazu dienen, Maßzahlen für die Qualität der Finanzberichterstattung zu ermitteln.
Vor allem für Standardsetzer und Aufsichtsbehörden sind die Ergebnisse relevant: Diese sollten sich bewusst sein, dass ein Anstieg von CSR-Aktivitäten nicht zwangsläufig zu transparenteren und hochwertigeren Finanzberichten führt. Einige Unternehmen investierten vermutlich lediglich aus opportunistischen Gründen in CSR.
Weitere Informationen:
HHL Leipzig Graduate School of Management
Social Science Research Network