Korruption als internationales Phänomen
„Korruption als internationales Phänomen – Ursachen, Auswirkungen und Bekämpfung eines weltweiten Problems“ klingt interessant dachte ich mir und das war es auch.
Bei diesem Buch handelt es sich, basierend auf einer Vortragsreihe an der Universität Erlangen-Nürnberg, um eine Ansammlung wissenschaftlicher Beiträge von meist habilitierten Experten unterschiedlichster Fachrichtungen und Disziplinen zu wichtigen Aspekten der Korruption. Das Innencover und die Inhaltsangabe lassen allerdings Angaben der teilweise sehr unterschiedlichen Fachrichtungen (Auslandswissenschaften, Social Entrepreneurship, Internationale Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit, Geschichte Lateinamerikas, Internationales Management, Politikwissenschaft, Wirtschaftsethik, Personalwesen und Führungslehre) vermissen, die erst im Autorenverzeichnis am Ende des Buches explizit angegeben werden.
Dieser Sammelband kann insbesondere Wissenschaftlern empfohlen werden, die Interesse an einer fächerübergreifenden Betrachtung des Themengebiets Korruption haben. Es bildet durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Belege eine fundierte Diskussionsbasis und kann als Quelle für weiterführende Literatur zu spezifischen Fragestellungen verwendet werden.
Nun hat es natürlich, wie Prof. Fifka in seiner Einleitung erläutert, auch unbestreitbare Vorteile, einem so vielschichtigen, internationalen und in vielerlei Ausprägungen auftretenden Problem wie dem der Korruption wissenschaftlich möglichst breit aufgestellt zu begegnen. Dabei werden allerdings Definition und Messmethoden von vielen der Beitragenden häufig neu, aber in ähnlicher Weise und somit für den Praktiker redundant dargestellt. Dies zeigt den Stand der Forschung und den Raum für Verbesserungen. Auch für die Lektüre empfiehlt sich die Orientierung an der wissenschaftlichen Ausrichtung des Werkes.
Die beiden Herausgeber Matthias S. Fifka und Andreas Falke haben den Sammelband in zwei Teile untergliedert. Der erste Teil des Sammelbands widmet sich einigen theoretischen Aspekten.
- Die Herausforderungen der Definition von Korruption und der Schwierigkeit der Korruptionsmessung.
- Der Versuch, die Ursachen von korruptem Handeln mit Hilfe von personenbezogenen, organisationalen und umweltbezogenen Faktoren zu identifizieren, kommt „nur“ – allerdings gut belegt – zu dem Ergebnis, dass viele verschiedene Faktoren und Wechselwirkungen an der Entstehung von Korruption beteiligt sind und weitere empirische Forschung notwendig ist.
- Die korruptionsfördernde Wirkung institutioneller Rahmenbedingungen am Beispiel des Klimaschutzes stellt die Notwendigkeit von ausreichenden Governance-Strukturen dar.
- Aus ordonomischer Perspektive („Ordonomik durch funktionale Bindungen im Metaspiel“) wird zum Thema „Whistle-Blowing“ dargestellt, dass Korruption nur dann wirkungsvoll eingedämmt werden kann, wenn Lösungen auf mehreren Ebenen ansetzen. Ziel müsse sein, dass korruptes Verhalten für jeden Beteiligten seinen individuellen Anreiz verlöre. Wie dies gelingen kann, wird leider nicht dargestellt.
Der zweite Teil stellt anhand länderspezifischer Analysen Korruption und ihre Auswirkungen vor. Es folgen Beiträge zum Schmuggel im Mexiko des 19. Jahrhunderts, zur Korruption in Kolumbien, den USA, China, Indien, Russland und Frankreich.
Die zahlreichen Originalzitate in Englisch und Spanisch können, je nach Sprachkenntnissen des jeweiligen Lesers, ggf. zum besseren Verständnis beitragen. Vermeidbar wäre allerdings die Einführung zahlreicher Abkürzungen gewesen, die später nicht wieder aufgegriffen werden. Beitragsübergreifend hätten ein Abkürzungsverzeichnis, ein Stichwortverzeichnis und ein Glossar zur Erklärung der Fachbegriffe den Sammelband bereichert.
Das Werk lässt einen dritten Teil vermissen, der die Erkenntnisse der verschiedenen Inputs zu einem runden Ganzen zusammenführt. Zum Beispiel in einer fächerübergreifenden Diskussion zu konkreten Maßnahmen der Bekämpfung, welche mit einem Fazit abschließt.
Der Praktiker, der nach Ansätzen sucht, um Korruption in seiner Organisation wirksam eindämmen oder unterbinden zu können, sollte von diesem Buch keine konkrete Hilfestellung erwarten. Es enthält für diese Zielgruppe zu viel Redundanz bei Definitionen und Messmethodik. Die Ursachenanalyse ist für die praktische Anwendung nicht weitgehend bzw. konkret genug. Die Darstellungen von Wirkungszusammenhängen, die Ableitung von konkreten Lösungsansätzen zur Eindämmung oder Bekämpfung der Korruption sind kaum ausgeprägt. Vor allem die Darstellung, welche Ansätze in der Vergangenheit korruptes Verhalten nachweislich nicht eindämmen konnten, dürfte für die praktisch orientierten Leser interessant sein.
Das Werk ist vor allem für Wissenschaftler mit Interesse am Thema Korruption zu empfehlen.
Silvia Puhani, CIA, Wirtschaftsmediation Puhani
Quelle: ZIR Zeitschrift Interne Revision Heft 2/2013