'';
leer  Ihr Warenkorb ist leer
Juris Allianz ESV Akademie ESV Campus ESV Open Der ESV auf Twitter
 
Fremdsprache Deutsch 58
Twitter weiterempfehlen  23.04.2018

Bildungssprache muss Schritt für Schritt gelernt werden

ESV-Redaktion Philologie
Die Lehrkraft muss Bildungssprache gezielt unterrichten (Foto: auremar/Fotolia.com)
Was ist der Unterschied zwischen Bildungssprache und Alltagssprache? Was sprechen wir täglich, was lernen wir in der Schule? Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus der neuen Ausgabe „Fremdsprache Deutsch“ zu Bildungssprache.
Mit diesem Heft zum Thema Bildungssprache schließen wir inhaltlich besonders stark an das Fremdsprache Deutsch Sonderheft 2016 (Deutsch für Lernende mit Migrationshintergrund) an, in dem es uns darum ging, rasch mögliche Unterrichtsideen und didaktisch-methodische Hinweise für den Unterricht mit Geflüchteten zu geben und bereits bestehende Beispiele guter Praxis vorzustellen.

Zwei Jahre später möchten wir erneut auf diesen Themenkomplex zurückkommen. Viel hat sich seitdem getan und darum möchten wir die Beiträge dieses Heftes nicht ausschließlich auf die unterrichtliche Arbeit mit Geflüchteten beziehen, sondern alle Lernenden des Deutschen als Zweitsprache (DaZ) in den Blick nehmen: Was heißt Bildungssprache im Vergleich oder im Kontrast mit anderen Sprachen wie Alltagssprache, Schulsprache oder Fachsprache, und was bedeutet sie für unseren Lehralltag?

Sandra Drumm und Ute Henning erklären im Sonderheft 2016 von Fremdsprache Deutsch in ihrem Beitrag, dass Lernende sich nicht nur alltagssprachliche Deutschkenntnisse aneignen, sondern Deutsch als die Sprache erwerben müssen, in der auch das gesamte (fachliche) schulische Lernen erfolgt, die also Bildungssprache ist (vgl. Fremdsprache Deutsch, Sonderheft 2016 „Deutschunterricht für Lernende mit Migrationshintergrund“ S. 5).

BICS und CALP

In diesem Heft werden diese Fachbegriffe rund um Bildungssprache verwendet, wie auch die Abkürzungen BICS & CALP. Diese Fachbegriffe verwirren zuweilen, weil sie eigentlich nicht passgenau Gleiches oder Gegensätzliches ausdrücken, sich inhaltlich zu überschneiden scheinen und eine saubere definitorische Abgrenzung nicht so recht gelingen will. Die Begründung dafür liegt darin, dass diese Begriffe – meist sind es Begriffspaare, die eine gewisse Gegensätzlichkeit bzw. Abgrenzung zueinander ausdrücken – in unterschiedlichen Kontexten von verschiedenen Leuten entwickelt wurden, oft auch hauptsächlich in diesen ursprünglichen Kontexten ganz passgenau verwendet werden können und aussagekräftig sind: Z. B. basic interpersonal communication skills (BICS), wie Jim Cummins schon in den 1970er Jahren die Fertigkeiten bezeichnete, die man braucht, um sich im alltäglichen Diskurs verständlich zu machen und einfache persönliche Kommunikation bestreiten zu können (vgl. Cummins 1991). Diese Fertigkeiten erreichen wir in einer neu gelernten Sprache relativ schnell.

Mit cognitive academic language proficiency (CALP) bezog er sich hingegen auf Kompetenzen, die man erst später institutionell erwirbt oder erlernt, um komplexere und anspruchsvollere Diskursformen zu benutzen oder Textsorten zu verfassen, die auch beruflich verwertbar sind. Dass BICS eher im Alltag benutzt werden, CALP jedoch in Schule, Ausbildung, Universität und Beruf notwendig sind, ist nachvollziehbar, so dass es kein Wunder ist, dass man diesen Begriffen oft Alltags- und Bildungssprache beigefügt findet. Ingrid Gogolin hat die Begriffe Alltagssprache und Bildungssprache in den  Bildungswissenschaften wieder ins Bewusstsein gebracht, als sie den monolingualen – deutschsprachigen – Habitus deutscher Schulen kritisierte, bei dem als Ziel die deutsche Bildungssprache allein im Zentrum stehe. Dass es andere Sprachen im Schulalltag gebe (weil Schülerinnen und Schüler eben oft mit mehr als der Sprache Deutsch oder gar auch ohne Deutsch agieren), dass dort aber nur die traditionellen Fremdsprachen und allenfalls noch die klassischen Sprachen zu Wort kämen, werde als Problem, aber auch Potenzial vielfach vernachlässigt.

DFU

Das Kürzel DFU steht für den deutschsprachigen Fachunterricht, wie er in den deutschen Auslandsschulen umgesetzt wird; in anderen Zusammenhängen wie innerhalb Deutschlands würde man diesen Unterricht, z. B. Geschichte auf Englisch, bilingualen Sachfachunterricht nennen. Dieser Unterricht in einem Nichtsprachenfach auf Deutsch wird in der Literatur zuweilen mit dem Akronym CLILiG (Content and Language Integrated Learning in German) bezeichnet.

Aufbau des Heftes

Nach drei einführenden Beiträgen zur Thematik Bildungssprache in ihren Kontexten Zweitsprache (Föhr), Fachsprache (Leisen) und Integration von Geflüchteten (Fasse) bearbeiten wir das Thema schulstufenspezifisch von der Primarstufe (von Rosenzweig) über die Sekundarstufe I (Ittner für die Auslandsschulen und Fredriksson für ein Beispiel aus Schweden) bis hin zu beruflichen Schulen und dem Thema Prüfen (Keil). Es folgen wie immer die Sprachecke, das Fachlexikon und die Hinweise zur möglichen weiteren Lektüre.

Fremdsprache Deutsch Heft 58 (2018): Bildungssprache

Herausgegeben von: Goethe-Institut, Prof. Dr. Christian Fandrych, Dr. Imke-Carolin Mohr, Prof. Dr. Ingo Thonhauser, Prof. Dr. Britta Hufeisen, Dr. Rainer E. Wicke, Ulrich Dronske

Die umfassende Sprachhandlungskompetenz der Bildungssprache ist für den Erfolg von Schülerinnen und Schülern einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg beim Lernen und letztendlich auch entscheidend für den späteren Erfolg im Beruf. Bildungssprache muss aber Schritt für Schritt erlernt und eingeübt werden: Oft mit Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern oder aus einem anderen Schul- und Bildungssystem, wenn deren Herkunfts- und Familiensprache(n) nicht Deutsch ist oder sind.

Das erfordert von den Lehrkräften besondere Aufmerksamkeit und zielgerichtetes unterrichtliches Handeln. Sie müssen wissen, was Bildungssprache genau ist und wie man sie in allen Unterrichtsfächern fächerübergreifend vermitteln kann. Für dieses Heft wurden Praktikerinnen und Praktiker mit langjähriger Berufserfahrung aus verschieden Schultypen und unterschiedlichen Ländern gebeten, von ihren Erfahrungen zu berichten und diese didaktisch-methodisch aufzubereiten.

(ESV/lp)

Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache

 
Zurück
 
Als Nettopreise angegebene Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer. Alle Nettopreise, also auch die Monatspreise, wurden aus den Bruttopreisen errechnet. Daher kann es wegen Rundungsungenauigkeiten bei einer Rückrechnung zu Abweichungen um wenige Cent kommen.




© 2019 Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Genthiner Straße 30 G, 10785 Berlin
Telefon (030) 25 00 85-0 | Telefax (030) 25 00 85-305 | E-Mail: ESV@ESVmedien.de