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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Peter Bräutigam
Twitter weiterempfehlen  18.03.2019

Bräutigam: „Cloud-Computing ist die Demokratisierung der Digitalisierung“

ESV-Redaktion Recht
Bräutigam: „Je kleiner das Unternehmen, desto größere Defizite bei der Datensicherheit” (Foto: privat)
Welche Gefahren birgt das Cloud-Computing? Wird dieser Markt weiter wachsen? Welchen Stellenwert geben Unternehmen dem Thema Datensicherheit und Risiko-Management? Um diese Fragen dreht sich Teil 2 des Interviews der ESV-Redaktion mit Prof. Dr. Peter Bräutigam.
Herr Dr. Bräutigam, schafft das Cloud-Computing wegen der niedrigen Kosten und des Umstandes, dass kaum noch Individualisierung stattfindet – verbunden mit dem Trend zur Standardisierung – nicht die Gefahr einer Monopolisierung?

Dr. Peter Bräutigam: Zunächst ist das Gegenteil festzustellen: Cloud-Computing ist die Demokratisierung der Digitalisierung. Jeder kann sich diese hochentwickelten Software- Anwendungen trotz der damit verbundenen Aufwände leisten. Der Kunde kann also seine Kosten senken und erhält dennoch einen skalierbaren Speicherplatz.

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass die Branche von wenigen großen Playern beherrscht wird. Bestimmte Softwareapplikationen braucht nahezu jedes Unternehmen. Das kann dann auch zu Abhängigkeiten führen.

Warum wird der Markt für Cloud-Computing weiter wachsen?

Dr. Peter Bräutigam: Zurzeit sehen wir einen Run auf die Standards. Das hat mehrere Gründe: wie bereits erwähnt, können die Kunden durch die Standardisierung beim Cloud-Computing erhebliche Kosten einsparen. Doch auch die laufende Fortentwicklung der Hard- und Software durch die Anbieter macht diese Lösungen für die Unternehmen attraktiv. Haben sie beim Anbieter ein entsprechendes Paket gebucht, bleiben sie automatisch immer auf dem neuesten Stand. Das ist der entscheidende Unterschied zu den maßgeschneiderten Produkten. Hier sind mit der Zeit immer wieder individuelle und damit teure Aktualisierungen erforderlich.

IT-Outsourcing und Cloud-Computing

Beim Anblick einer Wolke fühlen wir eher mit denen, die mit dem Wetter weitaus weniger Probleme haben als mit den Unwägbarkeiten, die Cloud-Computing und IT-Outsourcing mit sich bringen. Mit dem Standardwerk sind Sie auf alle Eventualitäten bestens vorbereitet.

Dieses Buch, herausgegeben von Dr. Peter Bräutigam, ist ist nach wie vor die einzige umfassende Darstellung der juristischen Zusammenhänge in den Bereichen IT-Outsourcing und Cloud-Computing. Neben technischen und wirtschaftlichen Aspekten werden alle rechtlichen Problemfelder praxisnah und präzise behandelt: im Arbeits-, Urheber, Steuer-, Straf-, Bank- und Datenschutzrecht. 

Die meisten Autoren sind versierte Praktiker. Daher wissen sie, welche Arbeitshilfen notwendig sind, um Ihnen die Umsetzung in der Praxis zu erleichtern, etwa:
  • zahlreiche Grafiken und Checklisten
  • viele Tipps zur Verhandlung und Vertragsgestaltung
Zur Person
Prof. Dr. Peter Bräutigam ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Informationstechnologierecht. Als  Partner der Kanzlei Noerr LLP berät er in allen Fragen des IT-Rechts und der Digitalisierung/Industrie 4.0. Zudem ist er Honorarprofessor für Medien- und Internetrecht an der Universität Passau sowie Dozent für IT-Recht.

„Hochsicherheitstrakt-Rechenzentren beim Cloud-Computing“

Ein großes Thema ist die Datensicherheit. Welche Risiken sehen Sie hier?

Dr. Peter Bräutigam:
Erst einmal sehe ich Cloud-Computing als Verbesserung. Der Kunde hat es mit hochprofessionellen Partnern zu tun, die Hochsicherheitstrakt-Rechenzentren betreiben. Der Kunde kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, zugleich steigen die Abwehrchancen gegen Hacker- oder Cyber-Crime-Attacken durch die hohe Spezialisierung der Anbieter.

Dennoch ist IT-Sicherheit das große Compliance-Thema neben der klassischen Compliance. Data-Compliance oder Data-Security sind hier die Stichworte. Die Risiken wachsen. Denn für Angreifer ist nun viel leichter erkennbar, welche Ziele den Aufwand eines Angriffs lohnen. Bei einem erfolgreichen Hack sind nicht die Daten eines Unternehmens, sondern gleich mehrerer Unternehmen betroffen. Das macht die Cloud-Anbieter als Ziel sehr attraktiv. Die Folgeschäden sind wesentlich größer als wenn nur einzelne Unternehmen angegriffen werden.

Halten Sie das derzeit zu beobachtende Risikomanagement der Unternehmen für ausreichend?
 
Dr. Peter Bräutigam: Das hohe Risiko, das durch Mängel in der IT-Sicherheit hervorgerufen wird, ist in Deutschland erkannt worden, auch vom Gesetzgeber. Die Cloud-Anbieter sind in einigen Bereichen den kritischen Infrastrukturen (KRITIS) gleichgestellt worden. Unter kritischen Infrastrukturen versteht man technische Systeme und Einrichtungen, bei denen der Gesetzgeber davon ausgeht, dass deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen verursachen würde. Die Betreiber solcher kritischen Infrastrukturen haben gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Doch gleichzeitig steigen durch die Spezialisierung der Anbieter und die logische und physische Sicherung der Daten in vielfacher Weise, etwa durch gespiegelte Rechenzentren auch die Abwehrchancen gegen Cyberangriffe.

Bei den Unternehmen hat das Thema IT-Sicherheit jedenfalls ganz hohe Priorität.

Je kleiner das Unternehmen ist, desto größere Defizite

Gibt es auch Bereiche, in denen das Thema noch nicht präsent genug ist?

Dr. Peter Bräutigam:
Bei großen Unternehmen erfährt dieses Thema ausreichend Beachtung. Doch es gibt auch Unternehmen, gerade aus dem mittelständischen Bereich, die sich noch nicht ausreichend um die Sicherheit ihrer Daten kümmern. Erfahrungsgemäß kann man sagen: Je kleiner das Unternehmen ist, desto größere Defizite gibt es. Und beim Verbraucher sehe ich noch sehr großen Nachholbedarf.


 
Die Interview-Reihe im Überblick:
Teil 1: „Die Lösung kommt quasi aus der Steckdose“
Teil 3: „Die Stärke der KI ist der Mustervergleich“

(ESV/bp)

Programmbereich: Wirtschaftsrecht

 
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