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Compliance-Kommunikation hat noch Verbesserungspotenzial (Foto: ra2studio/Fotolia.com)
Studie

Defizite in der Compliance-Kommunikation

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern
25.04.2016
Den richtigen Compliance-Ton finden – ist Grundvoraussetzung für ein effektives Compliance-Programm, so eine aktuelle Studie der Hochschule Darmstadt.
Mit einer stärker professionalisierten Kommunikation können Compliance-Programme in Unternehmen und Organisationen deutlich an Effektivität gewinnen, so das zentrale Ergebnis einer aktuellen Expertenbefragung unter deutschen Kommunikationsmanagern. Es zeigt sich, dass die Reputationssicherung im Unternehmensalltag häufig noch wenig Berührungspunkte mit einer auf Integrität ausgerichteten Kultur aufweist.

Mangelhafter Reputationsschutz für Unternehmen

Die von Professor Dr. Lars Rademacher, Lehrgebiet Unternehmenskommunikation an der Hochschule Darmstadt, und der Unternehmensberatung Kamm und Kocks GmbH, München, gemeinsam durchgeführte Studie dokumentiert Schwachstellen
  • in der mangelnden Zusammenarbeit zwischen dem Compliance-Management und den unternehmensinternen Kommunikationsexperten,
  • bei der Ignoranz gegenüber dem Potenzial neuer, interaktiver Kommunikationsformate,
  • und bei einer wirksamen Unterstützung der mittleren Führungskräfteebene, die relevanten Botschaften zu vermitteln.
Die Studie zeigt, „dass Compliance-Management ohne eine Anbindung an eine werteorientierte Integritätskultur lediglich Informationsverpflichtung ohne nennenswerte Wirkung bleibt“, so Rademacher. „Unternehmen sind heute in der Verantwortung, sowohl intern als auch extern aktiv zu dokumentieren, dass sie die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens respektieren und Selbststeuerungsmechanismen besitzen, diese leistungsfähig in ihrer eigenen Kultur widerzuspiegeln.“

Verbesserung der Compliance-Kommunikation dringend erforderlich

Doch statt diesen notwendigen Kulturwandel im Rahmen einer langfristigen und strategischen Zusammenarbeit zwischen Kommunikations- und Compliance-Abteilungen umzusetzen, arbeiten nach Auskunft der befragten Kommunikationsmanager nur rund elf Prozent der Abteilungen langfristig und strategisch zusammen. Weitere Schlaglichter: Mehr als 90 Prozent der Befragten halten Compliance-Kommunikation für entscheidend bei der Minimierung der Reputationsrisiken. Doch dafür investieren 80 Prozent der Unternehmen weniger als 50.000 Euro, 60 Prozent sogar weniger als 10.000 Euro im Jahr.

Bei einer entsprechenden Gegensteuerung kann nach Überzeugung der Studienleiter Compliance-Management deutlich an Effektivität gewinnen und damit echten Reputationsschutz leisten, wenn organisational ein zielorientiertes Schnittstellen-Management zur Unternehmenskommunikation gewährleistet wäre und die erprobte Wirksamkeit neuer Kommunikationsformate und -inhalte genutzt würde.

Hierbei gehe es in der Praxis um bereichsübergreifende Zielbilder und eine effiziente Ressourcenallokation, um Wahrnehmungs-, Vermittlungs- und Aktivierungsziele wirksam realisieren zu können.

Hinweis: Die am 7. April 2016 veröffentlichten Studienergebnisse stehen als kostenloser Download unter http://www.kammundkocks.de/compliance-studie zur Verfügung. Das Thema Compliance-Kommunikation war auch ein Schwerpunkt auf der Fachtagung Compliance 2016 Anfang April in Berlin. Die wichtigsten Ergebnisse können Sie hier nachlesen.

Literaturhinweis

Zum Thema Compliance-Kommunikation erscheinen im kürze zwei Bände im Erich Schmidt Verlag: