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FinTechs
Twitter weiterempfehlen  19.01.2018

Dennis Kunschke: „Die meisten klassischen Finanzmarktakteure haben die Chancen der Digitalisierung klar erkannt“

ESV-Redaktion Recht
Kunschke: Fintechs heißt Strukturwandel - weg von zentralisierten und hin zu dezentralisierten Systemen (Foto: Privat)
FinTechs - nutzerfreundlich und schnell. Unter dieser Devise bieten vor allem Start-Ups seit 2008 digitale Finanzdienstleistungen an. Doch wie hat  die Branche reagiert? Welche rechtlichen Entwicklungen hat dieser Bereich genommen? Dies erläutert Rechtsanwalt Dennis Kunschke gegenüber der ESV-Redaktion.
Herr Kunschke, in welchen Erscheinungsformen und Anwendungsfeldern kommen FinTechs im Markt vor?

Dennis Kunschke: Das ist ein ziemlich heterogenes Feld. In vielen Fällen geht es ja darum, im Sinne eines „Unbundlings“ tradierte Geschäftsfelder der Finanzwirtschaft aufzubrechen und spezifische Leistungsbestandteile in die digitale Zukunft zu überführen. So ist z.B. Robo-Advice, d.h. die automatisierte Anlageberatung, im Kern nicht neu. Die Anlageberatung soll nur kundenfreundlicher und effizienter werden.

In diesem Sinne sind auch die neuen Erscheinungsformen der Kreditintermediation durch z.B. P2P-Kreditplattformen, innovative Zahlungsverkehrslösungen und der Bereich InsurTech zu sehen.

Zur Person
Rechtsanwalt Dennis Kunschke, Counsel bei Allen & Overy in Frankfurt, ist auf das Finanzaufsichtsrecht spezialisiert. Vor seiner Tätigkeit bei Allen & Overy war er u.a. Referent bei der Finanzaufsicht BaFin.“

FinTechs basieren auf neuen IT-Technologien, wie Blockchain oder distributed legders. Eine der bekanntesten Blockchain-Anwendungen ist die virtuelle Währung Bitcoin. Was ist denn das Neue an diesen Technologien und wo liegen deren Vorteile?

Dennis Kunschke: Der Bereich Distributed Ledger Technology (DLT), also die Blockchain-Technologie auf der auch die bekannten Bitcoins laufen, ist anders zu beurteilen, d.h. es handelt sich nicht allein um die Überführung bekannter Geschäftsfelder in die digitale Zukunft. 

Hier handelt es sich um einen fundamentalen Strukturwandel weg von zentralisierten, hin zu dezentralisierten Systemen. Ein gängiges Beispiel ist die dezentrale Wertpapierverwahrung und Abwicklung, die heute aufgrund rechtlicher Hindernisse nur sehr eingeschränkt möglich ist. Hierzu sind auch neue Erscheinungen wie Smart Contracts zu zählen, sprich die automatisierte Durchführung rechtlicher Vereinbarungen – nicht zu verwechseln mit der automatisierten Erstellung von Vertragsdokumenten, was eine Erscheinungsform von LegalTech bzw. RegTech darstellt.

Wenn dies richtig, d.h. sicher umgesetzt wird, kann DLT gerade diejenigen Risiken beseitigen, die daraus resultieren, dass bei zentralisierten Systemen immer eine Person in der Mitte steht. Diese kann nämlich im schlimmsten Fall ausfallen.

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Sehen Sie bei den Kryptowährungen bereits Überhitzungseffekte und würden Sie Verbrauchern angesichts der Niedrigzinsphase raten, in Ripple, Ether, Litecoin oder Bitcoin zu investieren, der Spin nach oben scheint unbegrenzt, auch wenn der Litecoin Gründer Lee kürzlich ob der Kursentwicklung Alarm schlug? 

Dennis Kunschke: Ich bin kein „Börsenguru“, sondern einfacher Jurist. Das muss jeder selbst mit sich ausmachen.

Wichtig ist, dass man sich zunächst umfassend über die Risiken informiert.
Um klassische Anlageprodukte handelt es sich jedoch derzeit auf keinen Fall. Ich denke, der derzeit enorme Anstieg von ICOs, also der

Neuemission von Kryptowährungen, wird sehr schnell zu einer Standardisierung führen. Darauf werden auch die Aufsichtsbehörden ein Auge haben. In einigen Jahren könnte es sich also um ein etabliertes Anlageprodukt handeln.

Welche weiteren neuen Geschäftsfelder sind daraus entstanden? Und welche Geschäftsfelder können daraus noch entstehen?


Dennis Kunschke: Es werden zum einen immer feinere Unterscheidungen im Bereich FinTech getroffen. So ist bereits IslamTech bzw. GulfTech ein etablierter Begriff für den Bereich der schariakonformen Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen.

Unter SupTech – Supervisory Technology – fassen wir die Digitalisierung und Automatisierung von Compliance-, Risikomanagement- und Meldewesensystemen an die Aufsichtsbehörden zusammen, gegebenenfalls hin zu einem Risikoreporting in Echtzeit.
Zum anderen darf man aber nicht vergessen, dass es sich bei der beschleunigten Technologisierung um ein sektorübergreifendes Phänomen handelt.

Stellen wir uns vor, dass komplette industrielle Produktionsprozesse unter Einbeziehung aller Zulieferer und Drittdienstleister automatisiert über ein DLT-System laufen. Da ist der Weg nicht mehr weit, dass dieses System auch automatisiert den Finanzierungsbedarf des produzierenden Unternehmens ermittelt und bei den Banken automatisiert unter verfügbaren Working Capital Kreditlinienziehungen vornimmt.

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Bei neuen Technologien stellt sich stets die Frage nach der Sicherheit. Sehen Sie hier besondere Risiken im Bereich Datenschutz und Datensicherheit? Und fördern die neuen Technologien nicht gar die organisierte Kriminalität, wie zum Beispiel Geldwäsche?

Dennis Kunschke: Die Datenschutzexperten diskutieren derzeit in der Tat intensiv, wer insbesondere bei DLT-Anwendungen die datenverarbeitende Stelle ist. Hier ist sicherlich auch zwischen open architecture und geschlossenen, kontrollierteren Systemen zu unterscheiden.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass einer der Vorteile von DLT ja gerade die Unveränderbarkeit der einzelnen Datenbestände (Blocks) ist. Demgegenüber liegt das Datenrisiko in zentralisierten Systemen bei einer Person. DLT bringt in diesem Bereich also grundsätzliche Vorteile mit sich, das muss nur juristisch korrekt abgebildet werden.

Wenn wir uns in Sachen Geldwäsche einmal die Kryptowährungen als Beispiel nehmen, so sind dies nach deutschem Verständnis sogenannte Rechnungseinheiten und damit Finanzinstrumente. Zumindest derzeit wird regelmäßig die Notwendigkeit bestehen, die Kryptowährungen wieder in Fiatgeld, sprich „echtes“ Geld, zu tauschen. Genau an dieser Stelle greifen derzeit die geldwäscherechtlichen Pflichten. Ob das global so gelebt wird, ist eine andere Frage.

Zudem steigt in der Tat das Risiko, je mehr Akzeptanzstellen es für die Kryptowährungen gibt, weil so ein in sich geschlossenes System ohne Verpflichtete im Sinne des Geldwäscherechts entsteht.

Anbieter von FinTechs treten oft als sogenannte Startups auf. Welche Vorteile haben Startups da und wo liegen deren Nachteile?

Dennis Kunschke: Startups können unkonventionell und flexibel reagieren. Sie unterliegen keinen oftmals behördenartigen Strukturen wie die „Dinosaurier“. Wir sehen jedoch zunehmend eine Flexibilisierung auch bei den klassischen Marktteilnehmern. Oftmals stellt die Finanzierung die Startups vor enorme Probleme. Da wird die Spreu schnell vom Weizen getrennt.

Vielfach wird behauptet, dass die Startups mit ihren disruptiven Innovationen die klassischen Finanzunternehmen verdrängen werden. Diese hätten bereits jetzt den Anschluss verpasst. Was können konventionelle Finanzunternehmen tun, um dies zu verhindern?

Dennis Kunschke: Das nehmen wir anders wahr. Die überwiegende Zahl der klassischen Finanzmarktakteure hat die Chancen der Digitalisierung längst klar erkannt. Dies manifestiert sich in internen „Labor-Einheiten“ und der Kooperation mit kleineren FinTechs.

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Auch die BaFin hat sich in letzter Zeit verstärkt dem Bereich FinTechs gewidmet. Damit gewinnen die Themen Aufsicht und Regulierung an Bedeutung. Sehen sie schon Regulierungsbedarf, vor allem im Bereich der ICOs?

Dennis Kunschke: Wir beraten derzeit intensiv zu ICOs. Sicherlich gibt es dort auch einige Player, die dies ohne rechtliche Beratung durchziehen wollen. Das ist dann aus der regulatorischen Sicht aufgrund der Komplexität der Regulierung oft zum Scheitern verurteilt. Wenn man eine ICO jedoch von vorn herein durch Finanzaufsichtsrechtler begleiten lässt, kann man dies innerhalb der bestehenden Regulierung compliant und effizient abbilden.

Die Finanzaufseher vertreten die Auffassung, es komme für eine Bankerlaubnis für FinTechs auf den Einzelfall an. Wann sind FinTechs „erlaubnisfähig“?

Dennis Kunschke: Dies muss man in der Tat anhand des Einzelfalls prüfen. Die Erlaubnispflicht besteht, wenn einer der Erlaubnistatbestände des Kreditwesengesetzes oder auch des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes erfüllt wird. In unserer täglichen Praxis optimieren wir Geschäftsmodelle jedoch regelmäßig so, dass sie erlaubnisfrei werden. Dazu muss man oftmals nicht viel ändern, aber eben die richtigen Komponenten des Geschäftsmodells.  

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Ein Wort zu Ihrem Werk: Welche Ziele verfolgen Sie damit? Sie sprechen von einer Plattform-Publikation. Was meinen Sie damit?

Dennis Kunschke: Ich hatte das Gefühl, dass es derzeit am Markt noch keine ansatzweise umfassende Darstellung des Phänomens FinTech gibt. Auch wenn die Beiträge einen unterschiedlichen Detailgrad aufweisen, sind in dem Werk alle wesentlichen „Spielarten“ erfasst.

Das Buch verfolgt keinen streng akademischen Ansatz. Den Bearbeitern wurde ein maximaler Freiraum bei der Beitragsgestaltung gegeben, d.h. Themen nur grob und ohne weitere Präzisierungen vorgegeben. So soll ein unverstellter Blick auf das Thema FinTech durch die jeweiligen Bearbeiter erreicht werden. Das Buch ist dadurch jedoch nicht komplett frei von Redundanzen und ein Stück weit „inhomogen“. Das ist jedoch gewollt und das soll das Schlagwort Plattform-Publikation veranschaulichen.

Ihr Ausblick: Wie sieht die Banken- und Finanzwelt im Jahr 2050 aus? Wird es dann überhaupt noch Bargeld geben?

Dennis Kunschke: Ich denke physische Elemente wie z.B. Kreditkarten wird es dann längst nicht mehr geben. Zahlungen erfolgen automatisch durch die Identifizierung einer Person anhand Gesichtserkennung oder ähnlichem. Damit verliert das Bargeld aus der rein technischen Perspektive auch seine Daseinsberechtigung – wie heutzutage schon fast.

Für viele Menschen hat die Möglichkeit, anonym bezahlen zu können, etwas mit persönlicher Freiheit zu tun. Es wird also bestimmt immer kleinere Ersatzwährungen geben, die im nicht-digitalen Raum existieren. Dies könnten kleine Goldchips oder ähnliches sein. Sollte der Staat den privaten Besitz von Gold verbieten, so wird es auch hier eine Ausweichbewegung geben. Das liegt einfach in der Natur des Menschen.

Starting up in FinTech

FinTechHerausgegeben von: Dennis Kunschke, Kai Schaffelhuber

Eines der ersten Werke im deutschen Markt, das Regulierung, Finanzierung und rechtliche Ausgestaltung von FinTechs systematisch und praktikabel in den Blick nimmt. 

FinTechs im Praxis-Check

  • Aktueller Status-quo: Welche praktischen Anwendungsfelder gibt es? Wie verändert FinTech den traditionellen Bankensektor?
  • Regulatorische Aspekte: Bankaufsichtsrechtliche Anforderungen, Kreditplattformen, Crowdfunding, Zahlungsverkehr, Robo-Advice
  • Investition in FinTech: Finanzierungsformen, MPL-Verbriefungs-Modell
  • Steuerrechtliche Aspekte des FinTech-Sektors
  • Case-Studies und aktuelle Trends

(ESV/bp)

Programmbereich: Bank- und Kapitalmarktrecht

 
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