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Lesung „Storm-Fontane-Briefwechsel“ in Heiligenstadt
Twitter weiterempfehlen  20.11.2018

Fontane: „Als hätten wir was aneinander versäumt“

ESV-Redaktion Philologie
Heiligenstadt: Literaturmuseum Theodor Storm (Foto: © Stormmuseum)
Das Fontane-Jahr 2019 rückt immer näher und bietet den Anlass, sich wieder vermehrt mit den Werken des deutschsprachigen Realismus und Theodor Fontanes Schreiben auseinanderzusetzen. Nicht nur Zeitgenosse, sondern auch Leser und Kritiker der eigenen Werke war für ihn sein Namensvetter Theodor Storm.
Kritik und Bewunderung gingen bei ihnen Hand in Hand – der preußische Großstädter Fontane und der aus der Husumer Provinz stammende Storm prägten die Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts und sind auch heutzutage immer noch präsent. Für Fontane war Storm eine wichtige Bezugsperson, mit der er vor allem in einem regen Briefaustausch stand. Der „Dichter der Mark“ und der Autor des „Schimmelreiters“ sind in literarischer Kollegialität miteinander verbunden gewesen. Ohne einander konnten sie jedenfalls nicht.
Die Leiterin der Göttinger Theodor Fontane-Arbeitsstelle Dr. Gabriele Radecke, die den Briefwechsel der beiden Theodors herausgegeben hat, stellt den Band am 13. Dezember im Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Heiligenstadt vor. Für alle, die nicht dabei sein können und trotzdem einen Eindruck von dieser Brieffreundschaft haben möchten, haben wir einen Brief aus dem wohl prominentesten Briefwechsel des Realismus herausgesucht.


Die Storm-Fontane-Expertin Dr. Gabriele Radecke spricht in Heiligenstadt
Haben wir Sie neugierig gemacht auf mehr? Am Donnerstag, den 13. Dezember 2018 stellt die Storm-Fontane-Expertin Dr. Gabriele Radecke diesen prominenten Briefwechsel und die Rezeption der Werke beider Autoren im
Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Heiligenstadt vor. Dort hat Theodor Storm von 1856 bis 1864 als Kreisrichter gearbeitet.

Dr. Gabriele Radeckes Vortrag trägt den Titel „Als hätten wir was aneinander versäumt“

Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie auf den Seiten des Literaturmuseum „Theodor Storm“.

13. Dezember 2018, 19.30 Uhr
Am Berge
37308 Heilbad Heiligenstadt


Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 13. und Sonntag, 14. August 1853.

Sehr geehrter Herr.

Noch ganz unter dem Eindruck Ihres schönen Gedichts setz ich mich nieder um Ihnen zu schreiben und – zu danken. Ich las es mit meinem Jungen auf dem Schoß, während so schöne frische Luft durch’s Fenster wehte (ich wohne zum Glück 3 Treppen hoch) wie sie Berlin nur irgend aufzubringen weiß. Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie wohl mir in dieser Zeit der fabricierten Poesie Ihre wirkliche, herzgeborne und gebotne thut. Um sofort aus Ihnen zu citieren: Ihre Lieder sind ‚Pulsschläge Ihres Lebens‘ woran man – ohne ein besondrer Doktor zu sein – sofort herausfühlen kann, daß das Blut voll und gesund, ich möchte sagen deutsch, durch Herz und Adern geht, während die Lieder unsrer Dutzendlyriker nur die Pendelschläge zweier Beine sind, wofür unsre liebe Sprache den Ausdruck hat: einen Esel zu Grabe läuten. Wer dabei der Esel ist, die Lyriker selbst, oder das Lied das sie eben zusammenbimmeln oder das Publikum das ihnen andächtig – als wären es Kirchenglocken – zuhört, laß ich ununtersucht.

– Doch nun wieder zu Ihrem Gedicht. Ich bin doch für die dritte Strophe und werde sie nur fortlassen, wenn Sie drauf bestehn. Die Deutlichkeit des Gedichts gewinnt dadurch außerordentlich. Wenn man nicht weiß, daß Theodor Storm in Husum lebt und auf dem Punkte steht Schleswig zu verlassen, wenn man ferner nicht weiß daß das Meer in der Nähe braust, daß der Dichter eine liebenswürdige Frau hat die Constanze heißt und vor 4 Wochen seinen Jüngsten hat taufen lassen, so ist es nicht ganz leicht sich sofort in einem derartig reichbelebten Gemälde zurecht zu finden und man darf Dinge nicht streichen, die für den Eingeweihten zwar fehlen dürfen, für das Verständniß des Draußenstehenden aber von Wichtigkeit sind. Sie antworten mir vielleicht: man schreibt eben für einen Kreis Ausgewählter und nicht für die Schafherde (die ihrem Leithammel folgt) welche sich ‚großes Publikum‘ nennt; […] Um noch einmal auf diese 3. Strophe zurückzukommen: sie hat etwas vom Leitartikel-Charakter und kann deshalb manchen wie Phrase berühren. Aber alles was Phrase geworden ist, war anfänglich (in den meisten Fällen) eine Wahrheit, ein beherzigenswerter Grundsatz und Scherenberg sagte mir einmal überaus fein: Dichter sein heißt das Triviale wieder in seine ursprüngliche Schönheit einsetzen. Ich halte viel von dieser Definition und dem nicht neuen Gedanken. Nennt nur das Leben eures Volkes Lüge und die Begeisterung die euch einst beseelt haben Sie wieder zu seinem Rechte verholfen, ihm die poetische Weihe gegeben. […]

Ihrer für den Druck der Gedichte so nötigen Antwort, seh ich umgehend entgegen. Die zugesagten Aushängebogen Ihrer Novelle erhalten Sie wie sich von selbst versteht. – Kugler und Eggers grüßen herzlich Sie unddie Ihrigen. So thu ich.

Ihr Th. Fontane.


Theodor Storm – Theodor Fontane Der Briefwechsel

Herausgegeben von: Dr. Gabriele Radecke

Der Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Theodor Storm ist wohl der prominenteste Briefwechsel des deutschen Realismus. Er ist eine wichtige Quelle für die Beschäftigung mit den beiden Autoren und wird hier in einer textkritischen, nach neuen editorischen Standards erarbeiteten und umfangreich kommentierten Edition erstmals als Sonderausgabe im Taschenbuch vorgelegt.
Die Briefe werden ergänzt durch Rezensionen und Essays von Storm und Fontane, wie etwa Fontanes „Erinnerungen an Theodor Storm“. Neben der Forschungsliteratur sind auch unveröffentlichte Archivalien aus Storms und Fontanes Nachlass genutzt worden, die die subjektiven Aussagen der Briefe relativieren und kontextualisieren.

Dr. Gabriele Radecke
, geb. 1967. Literatur- und Editionswissenschaftlerin. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Göttingen und Leiterin der dortigen Theodor Fontane-Arbeitsstelle. Herausgeberin der Großen Brandenburger Ausgabe zu den Werken und Briefen Theodor Fontanes und der digitalen Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern. 2017 wurde sie mit dem Preis des Stiftungsrats der Universität Göttingen in der Kategorie „Wissenschaft und Öffentlichkeit“ ausgezeichnet.

 

 


(ESV/sp)

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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