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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Stefanie Hehn und Prof. Dr. Markus Hehn
Twitter weiterempfehlen  21.03.2019

Hehn: „Alternative Finanzierungsquellen werden noch häufig vernachlässigt“

ESV-Redaktion ConsultingBay
Prof. Dr. Stefanie Hehn, Prof. Dr. Markus Hehn: Schwerpunkt Unternehmensfinanzierung (Fotos: privat)
Aktuelle Herausforderungen der Finanzierung für Unternehmen in Zeiten der Niedrigzinsära, alternative Finanzierungsmöglichkeiten und der Wandel des Finanzsektors durch die Digitalisierung standen im Mittelpunkt des Interviews der ESV-Redaktion mit den Finanzwissenschaftlern Stefanie Hehn und Markus Hehn.
Das billige Geld sorgt dafür, dass sich die Finanzierungssituation von Unternehmen  unverändert auf einem Allzeithoch befindet. Alles gut – oder gibt es dennoch  Herausforderungen für die Unternehmensfinanzierung?

Stefanie Hehn: Die anhaltende Niedrigzinsphase, die inzwischen zu einer „Ära“ geworden ist, scheint auf absehbare Zeit kein Ende zu nehmen. Eher im Gegenteil. Es verdichten sich sogar die Anzeichen, dass sie noch länger aufrechterhalten wird, was zunächst vor allem die Sparer mit sehr niedrigen Zinsen und sogar negativen Realrenditen belastet.

Auf der anderen Seite der Finanzierung begünstigt dieses Niedrigzinsumfeld mit historisch niedrigen Finanzierungskosten die Kapitalbeschaffung aller Kapitalmarktakteure und somit vor allem die Unternehmen. Dies ist der erwünschte Effekt dieser geldpolitischen Maßnahme, die Konjunktur durch billiges Geld anzukurbeln und zu unterstützen. Insofern profitieren die Unternehmen von diesen Rahmenbedingungen bei der Fremdkapitalbeschaffung durch entsprechend niedrige Zinsbelastung unmittelbar, was ihnen einen weiteren Anreiz zur Erhöhung des Verschuldungsgrades gibt. Die Vorteilhaftigkeit einer hohen Verschuldungsquote kennen wir unter dem so genannten Leverage Effekt.

„Anreize für riskante Finanzierungen und Kapitalstrukturen”

Markus Hehn: Für die Praxis ist jedoch kritisch anzumerken, dass dies ceterus paribus Anreize für riskantere Finanzierungen und Kapitalstrukturen schafft, die, insbesondere bei abkühlender Konjunktur, die Insolvenzgefahr der Unternehmen erhöht. Zugleich bedeutete das, dass die Unternehmen bei der Suche nach attraktiven Investitionsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Und eine Finanzierung, selbst wenn die Finanzierungskonditionen noch so attraktiv sind, erfüllt keinen Selbstzweck, sondern ist nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn das Unternehmen über entsprechend attraktive Investitionsprojekte verfügt.

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Aufgrund der sehr hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte der Euro-Staaten wie auch zahlreicher Unternehmen würde ein deutlicher Zinsanstieg im Übrigen die Finanzierungskosten stark erhöhen mit der Folge, dass die Staaten weniger investieren könnten und Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten kämen, was die Rezessionsgefahr erheblich erhöhen würde. Dieses Kalkül hat die EZB bei ihren geldpolitischen Maßnahmen stets im Blick zu behalten.

Die Gefahr des billigen Geldes führt dazu, dass sich Unternehmen in die Abhängigkeit von Banken begeben. Welche Unternehmen müssen sich diesen Herausforderungen besonders stellen?

Stefanie Hehn: Im Prinzip sind die Rahmenbedingungen für die Unternehmen gleich. Allerdings sind insbesondere Unternehmen, die einen hohen Finanzierungsbedarf haben und denen auf der anderen Seite alternative Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten fehlen, besonders von der Zinsentwicklung abhängig. Die Gefahr des billigen Geldes führt leider auch häufig dazu, dass Unternehmen alternative Finanzierungsquellen vernachlässigen und sich somit in eine nicht wünschenswerte Abhängigkeit von den Banken begeben. Insofern ist es gerade im aktuellen Umfeld sinnvoll sich mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten beschäftigen. Insofern gibt es für alle Unternehmen aktuell große Herausforderungen im Bereich Finanzierung.

Prof. Dr. Stefanie Hehn ist Professorin für Corporate Finance und Kapitalmarkttheorie an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen am Rhein. Nach ihrem Studium in Trier promovierte sie zum Dr. rer. pol. in Volkswirtschaftslehre und Mathematik. Von 2005 bis 2018 arbeitete sie im Deutsche Bank Konzern und bekleidete dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland. Von 2003 bis 2018 unterrichtete sie als Lehrbeauftragte und Associate Professor an mehreren Hochschulen in Deutschland und Luxemburg.

Prof. Dr. Markus Hehn ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule Mainz, zuvor war er Professor für Finanzmanagement an der Europäischen Fachhochschule in Brühl (EUFH). Nach seinem Studium war er zunächst bei der DZ BANK AG tätig, zuletzt als Director M&A. Parallel promovierte er an der Hochschule St. Gallen (HSG) zum Dr. oec. Anschließend wechselte er zu Deloitte Tax & Consulting S.A. nach Luxemburg, wo er den Bereich Green Tech und German M&A verantwortete. Neben seiner Professur ist er geschäftsführender Gesellschafter der MA-Solutions GmbH.
 

Die Unternehmen selbst benennen in einer Bitkom-Studie mit 72 Prozent die Digitalisierung also größte Herausforderung, gefolgt vom Fachkräftemangel. Welche Konsequenzen hat die Digitalisierung als solche für die Finanzierungssituation eines Unternehmens?

Markus Hehn: Die Digitalisierung ist sicherlich eine sehr große Herausforderung für nahezu alle Unternehmen aller Branchen. Betrachtet man die Finanzindustrie, so steht dem Bankensektor durch die Digitalisierung ein enormer Wandel bevor. Dieser Wandel wird die gesamte Branche grundlegend verändern, Geschäftsmodelle werden ihre Berechtigung verlieren, alternative Geschäftsmodelle werden entstehen.

„Durch Digitalisierung wird Mittelbau der Banken schrumpfen”

Neue Marktteilnehmer, auch solche, die bislang eher in anderen Branchen angesiedelt waren, werden hinzukommen und andere bisher etablierte Anbieter werden verschwinden.  Kurzum die gesamte Finanzindustrie befindet sich in einem Wandel, den es bislang so noch nicht gab. So kann man sagen, dass der Mittelbau der Banken, in dem die meisten Unternehmen – vor allem im Mittelstand – finanziert waren, schrumpft.

Stefanie Hehn: Sicherlich hat dieser Wandel für die Kunden nicht nur positive Implikationen, birgt aber auch ein großes Chancenpotenzial. Die Digitalisierung schafft eine Vergleichbarkeit und Transparenz, die für die Kapitalsuchenden überaus positiv ist und somit auch zu besseren Konditionen führen sollte. Außerdem ermöglicht sie zudem das Entstehen komplett neuer Finanzierungsformen.

„Vergleichbarkeit, Transparenz und Zeitersparnis bei Finanzierungsprozessen”

An der Stelle sei z.B. Crowdfunding genannt, das es in dieser Form ohne die Digitalisierung nicht geben würde. Das kapitalsuchende Unternehmen wird gleichzeitig zum Anbieter bilanzieller Assets. Verstärkt werden Finanzierungsmittel neuerdings im Ausschreibungsverfahren nachgefragt – Cloud-Dienste und intelligente, eingebettete Systeme beschleunigen Rückkopplung und Entscheidungsfindung bei der Finanzierung. Plattformen ermöglichen, dass der Kreditnehmer selbst bestimmen kann, welche Sicherheiten bzw. Assets er dem Finanzierungsmarkt zur Verfügung stellt. Er wählt zwischen den Finanzierungsanbietern innerhalb der Assetklassen nach angebotenem Auszahlungsvolumen, Preis und Handling aus. So können Investitionen wie auch Finanzierungsprozesse beispielsweise mit höherer Transparenz und Zeitersparnissen abgestimmt werden.

Zusammengefasst stehen insbesondere die Banken vor sehr großen Herausforderungen durch die Digitalisierung. Die Kunden können von der Entwicklung eher profitieren durch die vielfältigen neuen Möglichkeiten.

Und wie werden wichtige Digitalisierungsvorhaben in der Regel finanziert?

Markus Hehn: Dies kann man nicht pauschal beantworten. Der Verwendungszweck hängt nicht maßgeblich mit der Finanzierungsform zusammen. Vielmehr sind die Höhe des Kapitalbedarfs, die vorhandenen Sicherheiten, die Kapitalstruktur, die Risikoneigung und die Finanzierungsopportunitäten entscheidend für die Wahl der Finanzierung.

Lesen Sie die Fortsetzung des Interviews hier auf ConsultingBay.

Unternehmensfinanzierung

Prof. Dr. Stefanie Hehn, Prof. Dr. Markus Hehn

Die Planung und Steuerung der Unternehmensfinanzierung zählt zu den betriebswirtschaftlichen Schlüsselfunktionen. Im globalen Wettbewerb und mit neuen Technologien sind dabei auch innovative Finanzierungsformen wie Crowdfunding zunehmend gefragt.

Was erfolgreiche Finanzierungsentscheidungen ausmacht, zeigen Ihnen Stefanie Hehn und Markus Hehn auf Basis aktueller Marktdaten.

  • Grundlagen der Unternehmensfinanzierung: Systematisierung der Finanzierung und finanzwirtschaftliche Ziele (Rentabilität, Liquidität, Sicherheit, Unabhängigkeit)
  • Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus: Start-ups, Wachstumsunternehmen, etablierte Unternehmen, Krisenunternehmen
  • Eigenfinanzierung: durch Einlage der Gründungsgesellschafter, durch Crowdfunding, M&A oder Going Public
  • Fremdfinanzierung: Kreditfinanzierung, Mezzanine-Finanzierung

Eine leicht verständliche Einführung, die mit hohem Maß an Visualisierung, vielen Beispielen und großem Übungsteil überzeugt.


 
(ESV/uw)

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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