Kann man vorm Fernseher abschalten oder: Was wissen Beschäftigte über Stress und seine Folgen?
Um arbeitsbedingte psychische Belastungen zu reduzieren, fordert der Gesetzgeber inzwischen zwar von den Unternehmen, im Rahmen der verpflichtenden Gefährdungsbeurteilung auch psychische Belastungen zu ermitteln und diese zu vermindern (§ 5 Arbeitsschutzgesetz). In vielen Betrieben fehlt es jedoch an arbeitswissenschaftlich fundiertem Gestaltungswissen, um dies zu leisten. Gestaltungspotenziale bleiben hierdurch möglicherweise ungenutzt, obwohl sie zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitssituation beitragen könnten. Fraglich ist hierbei vor allem, inwiefern die für den Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständigen Akteure m Betrieb(wie Führungskräfte und Arbeitsschutzexperten) qualifiziert sind, um insbesondere die Ursachen von Stress und psychischer Erschöpfung in den Unternehmen zu erkennen und effizient zu vermindern. Dass hier auch im Bereich der Produktion bzw. der produktionsnahen Wissensarbeit ein Handlungsbedarf besteht, zeigen verschiedene aktuelle Studien.
Im Rahmen des BMBF-geförderten Vorhabens InGeMo* wurde im Bereich der Produktion und produktionsnaher Wissensarbeit untersucht, über welches arbeitswissenschaftliche Gestaltungswissen Führungskräfte, betriebliche Arbeitsschutzexperten und Mitarbeitende verfügen, um Stress in der Arbeit abzubauen.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Gestaltungswissen bei allen Akteursgruppen als ausbaufähig zu bewerten ist. Insbesondere Führungskräfte weisen tendenziell nur ein geringes Maß an Arbeitsgestaltungswissen auf. Jedoch zeigten die Analysen auch, dass Personen mit einem hoch ausgeprägten Gefahrenwissen schlechtere Gesundheitswerte aufweisen. Möglicherweise setzen sich Personen mit diagnostizierten stressassoziierten Erkrankungen eher mit den Ursachen und Folgen auseinander als gesunde Personen, und verfügen somit über ein besseres Gefahrenwissen.
Das Fazit der Forscherinnen:
Es reicht nicht aus, Beschäftigte auf die Gefahren von Stress aufmerksam zu machen und es bei einer Erhöhung der Selbstachtsamkeit zu belassen. Vielmehr bedarf es hier neuer Präventionskonzepte, die Beschäftigten wie auchäFührungskräften einerseits Wissen über eine gesundheitsgerechte Gestaltung ihrer Arbeit vermitteln und ihnen andererseits aber auch Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen, diese umzusetzen.Im Rahmen des Projektes werden gegenwärtig Workshopkonzepte erprobt, die diesen Prozess in Unternehmen fördern sollen.
Letztlich erfordern Präventionskonzepte zur Förderung der psycho-sozialen Gesundheit im Unternehmen nicht nur den Aufbau von Gestaltungswissen, sondern auch Gestaltungsoptionen.
*InGeMo = Das Verbundprojekt „Initiative betriebliche Gestaltungskompetenz stärken – ein neues Präventionsmodell für Unternehmen und Beschäftigte“ (InGeMo) wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen 02L14A020, Laufzeit von April 2016 bis April 2019.
Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Düsseldorf
Zum Report: HIER
Literatur zum Thema vom Erich Schmidt Verlag
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