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Mediävistik näher bringen
Twitter weiterempfehlen  18.11.2019

Literatur des Mittelalters – immer noch relevant

ESV-Redation Philologie/Ln
Abbildung berühmter mittelalterlicher Dichter aus dem Codex Manesse (Universitätsbibliothek Heidelberg, Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), cpg 848, fol. 219v)
Das Mittelalter stellt für viele eine fremde, scheinbar weit entfernte Epoche dar – auch für einen Großteil der heutigen Germanistikstudierenden. Im schulischen Deutschunterricht hat die Literatur des Mittelalters in aller Regel keinen Platz, sodass viele Studierende mit einer für sie ganz neuen literarischen Kultur konfrontiert werden.
Mit seinem neuen Einführungswerk gelingt es Thomas Bein auf spannende Weise, das Interesse für diese „unbekannte“ Epoche zu wecken und systematisch in die damalige Kultur, Gesellschaft und Literatur einzuführen. Er zeigt, dass mittelalterliche Literatur immer noch aktuell und relevant ist. Lesen Sie im Folgenden einen Ausschnitt aus dem Buch:

Mit dem Studium der Germanistik (…) ist kein definiertes Berufsfeld verbunden. Die Absolventinnen und Absolventen sollten nach ihrem Abschluss über möglichst viele Kompetenzen im Bereich von Sprache und Textkultur verfügen. Jede Art von Kultur – und dazu zählt auch Sprachkultur – hat ihre Geschichte und ist ohne Kenntnis dieser Geschichte nicht adäquat zu verstehen, zu vermitteln und fortzuschreiben. Selbst wenn jemand in seinem Berufsleben niemals mehr etwas mit dem literarischen Artusritter Erec zu tun haben wird, so wird ihm doch die Kenntnis des gleichnamigen Romans hilfreich sein, wenn er/sie z. B. als Feuilleton-Journalist eine neue Mittelalter-Blockbuster-Verfilmung zu rezensieren hat oder über eine neue Mittelalter-Ausstellung berichten soll.

Historische Kontexte kennen

Deutlich brisanter ist z. B. Folgendes: Wenn man weiß, um welch einen Text es sich beim ‚Nibelungenlied‘ literaturhistorisch betrachtet handelt und wie dieser Text in der Nazi-Zeit innerhalb und außerhalb der Universitäten ideologisch aufs Schlimmste missbraucht wurde, ist man sensibilisiert dafür, welche Verantwortung man als Kulturhistoriker/in zu tragen hat. Und weiter: Die aktuellen weltweiten Terrorprobleme, denen zumeist fundamentalistische Religionsanschauungen zugrunde liegen und die zu gesellschaftlichen Ausgrenzungen und Anfeindungen führen, sind keineswegs erst Probleme des 21. Jahrhunderts. Das Ausrufen eines crusade (‚Kreuzzug‘) durch George W. Bush als Antwort auf die Anschläge vom 11. September 2001 stellt (unhistorische) Verbindungen zum Mittelalter her. Selbstverständlich hat es über viele Jahrhunderte religiös bedingte Kriege gegeben – aber auch kritische Reflexionen darüber, ob es gerechtfertigt ist, aufgrund unterschiedlicher Gottesvorstellungen blutige Gewalt auszuüben. Wer über die mittelalterlichen Kreuzzüge informiert ist, wer das Heldenepos ‚Willehalm‘ und wer den weltumspannenden Gralroman ‚Parzival‘ von Wolfram von Eschenbach (und seine Quellen) kennt, wird differenzierter über Religionskonflikte und ihre Geschichte sprechen können.
Und der Minnesang, die Liebeslyrik, bietet zahlreiche Ansätze, sich über Geschlechterrollen, gender-Probleme oder auch den Umgang mit Erotik und Sexualität im geschichtlichen Wandel zu verständigen.
Klassiker-Lektüren: Wolfram von Eschenbach 25.01.2018
Der höfische Roman in Frankreich und Deutschland
Was heißt eigentlich „höfischer Roman“ oder „höfische Epik“? Was macht einen Text aus dem 12. Jahrhundert zu einem Roman? Lassen sich Texte aus dieser Zeit mit unserem heutigen Gattungsverständnis kategorisieren? Und was genau meint „höfisch“? mehr …

Mittelalterliche Literatur in der Schule

Auch als Deutschlehrer/in an einer weiterführenden Schule sollte man über germanistisch-mediävistische Kenntnisse verfügen, selbst wenn mittelalterliche Literatur im Unterricht inzwischen leider eine marginale Rolle spielt. Immerhin bieten die Curricula aber Spielraum, mittelalterliche Texte einzubringen. Die Fachgermanistik ist an verschiedenen Standorten bemüht, die Relevanz mittelalterlicher Textkultur für den Deutschunterricht aufzuzeigen. Denn die Beschäftigung mit der mittelalterlichen Sprache, mit den Stoffen und Motiven kann höchst aufschlussreich sein – nicht nur im engeren Sinne literaturgeschichtlich, sondern in vielen Fällen bieten sich mittelalterliche Texte an, über Kulturtraditionen ins Gespräch zu kommen, die unser gegenwärtiges Leben mit geprägt haben und teilweise noch immer prägen. Viele Kompetenzen, die ein moderner Deutschunterricht vermitteln soll (vor allem Medialität von Texten, Reflexion über Sprache), lassen sich zum Teil sogar besser mit alten Texten erarbeiten als mit modernen. „Im ‚Zurück zum Mittelalter‘ liegt bildungspolitisches Zukunftspotenzial.“ Und selbst dann, wenn eine Lehrkraft keine Möglichkeit sehen sollte, Texte des Mittelalters im Unterricht zu thematisieren, wird sie aufgrund ihrer mediävistischen Kenntnisse zweifellos eine deutlich bessere Lehrkraft sein als jemand, für den die deutsche Sprach- und Literaturgeschichte erst im 17. Jahrhundert beginnt. Kulturepochen und -systeme sind hoch komplex. Sie dürfen und können nicht isoliert betrachtet und rezipiert werden. Je mehr man vom ‚System Kultur‘ weiß, umso angemessener wird man jedes noch so kleine Detail würdigen und verorten können und umso besser wird man unsere Kenntnisse darüber weiterzugeben wissen.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind und mehr über mittelalterliche Literatur und Kultur lesen möchten, empfehlen wir Ihnen die Lektüre des neuen Buches von Thomas Bein – fragen Sie ihren Buchhändler oder bestellen Sie bequem direkt beim Erich Schmidt Verlag!

Zum Autor
Nach seiner Promotion zu „Frauenlobs Minneleich“ habilitierte Professor Thomas Bein über „Authentizitätsprobleme in mittelhochdeutscher Lyrik“ in Bonn. Seit 1999 ist er ordentlicher Universitätsprofessor an der RWTH Aachen University, war außerdem langjähriger Vorsitzender der Mittelaltersektion der Arbeitsgemeinschaft für Germanistische Edition und ist Herausgeber der 15. Auflage der Lachmannschen Walther von der Vogelweide-Edition. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur Lyrik des Mittelalters, zu Walther von der Vogelweide, zur Editionswissenschaft, Fachliteratur und Propädeutik. Für die Reihe „Grundlagen der Germanistik“ verfasste er außerdem einen Band zur „Deutschsprachigen Lyrik des Mittelalters“.

Deutsche Literatur des MittelaltersEine Einführung in die Germanistische Mediävistik
Von Thomas Bein

Diese völlig neu konzipierte Einführung in die Germanistische Mediävistik richtet sich vornehmlich an Studienanfängerinnen und -anfänger. Im schulischen Deutschunterricht hat die Literatur des Mittelalters in aller Regel keinen Platz, so dass viele Studierende mit einer für sie ganz neuen literarischen Kultur konfrontiert werden. Das vorliegende Buch möchte helfen, die ersten größeren Hürden zu nehmen, die die Erschließung einer solchen fremden Textkultur besonders in den ersten Semestern erschweren.
Der Autor setzt nur wenig voraus, erklärt Fachbegriffe und verknüpft theoretische Ausführungen mit konkreten Beispielen. Über aussagekräftige Bilder oder kuriose Kleintexte werden die Leserinnen und Leser in die größeren Kapitel behutsam eingeführt. Diese ‚Annäherungen‘ sollen verwundern, Interesse wecken, hier und da gar zu spontanem Lachen verführen und schließlich den Kopf frei machen für die folgenden systematischen und historischen Informationen.
Die Einführung gliedert sich in zwei große Bereiche: Im ‚Systematischen Teil‘ werden epochale und kulturelle Voraussetzungen skizziert, mediengeschichtliche Besonderheiten herausgestellt und Formprinzipien der mittelalterlichen Literatur erläutert. Im ‚Historischen Teil‘ geht es um die deutschsprachige Textkultur selbst. Bedeutende Perioden werden vom späten 8. Jahrhundert bis in das spätere 14. Jahrhundert anhand vieler Autoren und Beispieltexte in ihrer Charakteristik vorgestellt. Alle alt- und mittelhochdeutschen Zitate werden von einer neuhochdeutschen Übersetzung begleitet, zahlreiche Abbildungen dienen der Veranschaulichung. Erläuterungen von fachspezifischen Onlineangeboten, ein umfangreiches, alphabetisch und systematisch gegliedertes Literaturverzeichnis sowie ein Sachregister erleichtern weiterführende Recherchen.

 

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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