Mehr Geld aus dem Ausland, weniger neue Investitionsprojekte
Der Bestand deutscher Direktinvestitionen im Ausland hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt und erreichte 2024 knapp 1,69 Billionen Euro. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Wichtigstes einzelnes Zielland sind die USA mit einem Anteil von 27,3 Prozent. China kommt auf 6,5 Prozent, die EU insgesamt auf 38 Prozent.
Das IW sieht darin auch Risiken für den Standort Deutschland. Denn Unternehmen investieren zunehmend wegen niedrigerer Produktionskosten im Ausland. Nach einer DIHK-Umfrage nennen 41 Prozent der auslandsinvestierenden Industrieunternehmen Kostenersparnisse als Hauptmotiv. Diese Unternehmen planen oft, Investitionen und Beschäftigung in Deutschland abzubauen.
Außerdem meldet das IW eine kräftige Erholung der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. Sie stiegen 2025 um 50 Prozent auf rund 86 Milliarden Euro. Dabei löste Großbritannien mit 26 Milliarden Euro die USA als wichtigsten einzelnen Kapitalgeber bei den jährlichen Zuflüssen ab. US-Investitionen brachen um knapp 44 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro ein. Insgesamt kamen mehr als 80 Prozent der Zuflüsse aus Europa.
Weniger Projekte trotz mehr Kapital
Doch die Milliardenbeträge erzählen nur einen Teil der Geschichte. Direktinvestitionen umfassen auch Unternehmensübernahmen, reinvestierte Gewinne und konzerninterne Kredite. Sie schaffen nicht zwangsläufig neue Produktionskapazitäten.
Ein aufschlussreicher Kontrast ergibt sich aus Zahlen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI): Die Zahl erfasster ausländischer Investitionsprojekte sank 2025 um 9,3 Prozent auf 1.564. Das dafür gemeldete geplante Investitionsvolumen halbierte sich nahezu auf 11,8 Milliarden Euro.
Ein Widerspruch ist das nicht: IW und GTAI messen unterschiedliche Dinge. Die GTAI-Zahlen erfassen zudem Vorhaben und nicht durchweg bereits umgesetzte Investitionen.
Die entscheidende Frage bleibt deshalb offen: Stärken die internationalen Kapitalströme den Standort Deutschland – oder verändern sie vor allem Eigentums- und Finanzierungsverhältnisse? Ob tatsächlich neue Anlagen und Arbeitsplätze entstehen oder bestehende Produktion ins Ausland wandert, lässt sich an den Milliardensummen allein nicht erkennen.
Fazit: Die Zahlen offenbaren damit ein Standortproblem, das die steigenden Kapitalzuflüsse verdecken können: Deutschland zieht wieder mehr internationales Kapital an, doch die Zahl neuer Investitionsvorhaben und ihr geplantes Volumen gehen zurück. Gleichzeitig sind ausgerechnet bei jenen deutschen Unternehmen, die wegen niedrigerer Kosten im Ausland investieren, die heimischen Investitions- und Beschäftigungspläne besonders schwach. Das beweist noch keine Verlagerung von Arbeitsplätzen. Es zeigt aber, dass die Erholung der Finanzströme keineswegs eine Entwarnung für den Produktionsstandort Deutschland bedeutet.
Wohnungsbau – Energiewende – TransformationsmanagementHerausgegeben von Prof. Dr. Ulf LassenDie Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft umfasst vielfältige wirtschaftliche, regulatorische, technologische und gesellschaftliche Perspektiven. Dabei stehen drei untrennbar miteinander verbundene Anwendungs- und Forschungsbereiche im Fokus.
Dieser Band bietet einen Querschnitt durch die Kernkompetenzen und Arbeitsgebiete einer zukunftsorientierten Bau-, Immobilien- und Energiewirtschaft. Aufgezeigt werden fachliche Impulse, Synergien und Praxiseinblicke. |
Programmbereich: Management und Wirtschaft