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Nachgefragt bei: Jens Rosenbaum
Twitter weiterempfehlen  04.06.2019

Rosenbaum: „Wer beim Hotel-Bett unter seinen Möglichkeiten bleibt, verschenkt buchstäblich Geld”

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
Rosenbaum: „Hotel-Bett ist das elementare Basisangebot” (Foto: Marc Theis)
Das Hotel-Bett ist „das” elementare Basisangebot eines jeden Hotels. Zudem ist das Thema Schlafen, in Kombination mit Gesundheit, ein Mega-Trend. Die ESV-Redaktion sprach darüber mit dem diplomierten Schlafberater Jens Rosenbaum, Herausgeber und Autor des Buchs „Das Hotel-Bett”.
Weshalb sollte das Hotel-Bett mehr in den Fokus von Hoteliers rücken?

Jens Rosenbaum: Obwohl wichtigstes Produkt der Hotellerie - denn ohne Betten keine Gäste - wird das Hotel-Bett oft sehr vernachlässigt, und es werden die vorhandenen Potenziale nicht annähernd ausgeschöpft. Das ist nicht nur schade für die Gäste, sondern auch für die Hotellerie selbst, denn mit dem Hotel-Bett wird ja Wertschöpfung betrieben. Und wer da unter seinen Möglichkeiten bleibt, verschenkt buchstäblich Geld. Grund dafür ist meist fehlendes Wissen.

Was unterscheidet ein Hotel-Bett eigentlich von einem „normalen” Bett? 

Jens Rosenbaum: Das „Hotel-Bett” per Definition gibt es gar nicht. In der Praxis werden jedoch von den meisten Betrieben schlichte Box-Spring-Betten eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Federkernmatratze und einen mit Sprungfedern fest bestückten Bettkasten für die Unterfederung. Im Gegensatz dazu wird vom privaten Endverbraucher bei der Ausstattung des eigenen Schlafzimmers mehrheitlich eine Matratze aus Schaum in Kombination mit einem Bettgestell und einem eingelegten, flexiblen Lattenrost bevorzugt. Beide Bett-Systeme gibt es von teuer bis günstig und von gut bis schlecht.

Mehr in Schlaf und Bett investieren

Das Hotel-Bett „sollte” sich von einem normalen Bett zum einen darin unterscheiden, möglichst vielen Gästen und deren unterschiedlichen Schlafbedürfnissen gerecht und zum anderen, leicht sauber gehalten werden zu können. Wenn es einen weiteren Unterschied gibt, dann jenen, dass die privaten Verbraucher mehr und mehr dazu übergehen, in ihren Schlaf und somit in ihr Bett zu investieren. Bei vielen Hotels, so meine Erfahrung, geht die Entwicklung in die andere Richtung, da kann die Matratze oft nicht billig genug sein.

Was raten Sie Verbrauchern: Worauf ist beim Matratzenkauf zu achten und was sind die häufigsten Fehler dabei?

Jens Rosenbaum: Grundsätzlich sollte man sich nicht vom Preis leiten lassen – und auch nicht von Marken. Natürlich hat jeder sein Budget und man kann nur das Geld ausgeben, was er auch hat. Aber im Vordergrund sollten Ergonomie und Schlafkomfort stehen. Die korrekte Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse, ob Schwitzneigung oder Allergien, Schulterbreite und Lordosentiefe, Körpergröße und Gewicht usw. sind der Schlüssel zum Erfolg. Und da eine Matratze nicht in der Luft schwebt, kommt der Unterfederung eine nicht minder wichtige Bedeutung zu. Diese muss die anatomischen Anforderungen ebenso unterstützen, sonst nützt die beste Matratze nichts. Übrigens: Erst das richtige Kissen macht das Bett komplett. Alles zusammen ist recht komplex, weshalb man sich eingehend und nur von geschultem Fachpersonal beraten lassen sollte. Denn eine Fehlinvestition hätte über Jahre fatale Folgen für den Schlaf und somit die Gesundheit.

Zum Autor
Jens Rosenbaum hat Mathematik und Wirtschaftswissenschaften studiert, ist Diplom-Kaufmann sowie diplomierter Schlafberater der Akademie LDT Nagold. Er ist Herausgeber des Magazins „Schlafen Spezial“, beratend tätig für Handel und Industrie sowie Autor vieler Fachartikel. Der praktische Bezug zum Thema erfolgt über ein familieneigenes, 1876 gegründetes Bettenfachgeschäft in Lehrte bei Hannover. Dieses wurde 2013 und 2019 mit dem Titel „Bettenfachhändler des Jahres in Deutschland“ ausgezeichnet.


Im Gegensatz dazu: Worauf sollte insbesondere ein Hotel bei der Beschaffung von Matratzen achten?


Jens Rosenbaum: Jedes Hotel sollte mit Blick auf das Bett drei Aspekte im Auge behalten: Anatomie, Ökologie und Ökonomie.

Anatomie, Ökologie und Ökonomie

Bezüglich der Anatomie, also der Wahl von Format und Beschaffenheit der Matratze (und Unterfederung) kann es zunächst helfen, sich an seinen Gästen zu orientieren. Ein Blick in die Statistik gibt hinsichtlich Alter und Herkunft mitunter Aufschluss über die Struktur der Gäste hinsichtlich Körpergröße und -gewicht.

Gezielt für bestimmte Gästegruppen rüsten

Wer da Schwerpunkte erkennen kann, kann sich gezielt für diese Gäste rüsten. Grundsätzlich sollte die Matratze weder zu fest noch zu weich sein. Auf jeden Fall aber von guter Qualität, damit der gewünschte Härtegrad und der damit verbundene Liegekomfort auch lange erhalten bleibt. Mit einem Topper oder Unterbett sowie Veränderungen an der Unterfederung (gibt es auch motorisiert wie bei einem Autositz) könnten Betten im Bedarfsfall und im Handumdrehen weicher oder fester eingestellt werden, um den individuellen Bedürfnissen möglichst gerecht zu werden. Und bevor man neue Matratzen auf alte Unterfederungen legt, sollte man geprüft haben, ob diese vielleicht durchgelegen sind. Da die Menschen immer länger werden, sollte auch an Betten in Übergröße gedacht werden, mindestens also 210 cm.

Zertifizierte und recyclefähige Produkte

Hinsichtlich Ökologie halte ich es für wichtig, auf zertifizierte Produkte bzgl. Humanverträglichkeit zu achten (Öko-Tex und Allergie z.B.), wie auch auf Nachhaltigkeit, also die Recyclingfähigkeit von Produkten. Es macht einen Unterschied, ob man am Ende der Nutzungszeit Sondermüll produziert oder wertvolle Rohstoffe zurück in den Kreislauf kommen können. Und die Bedeutung dieses Aspektes wird nicht nur den Gästen immer wichtiger; es sollte in unserem eigenen Interesse sein, verantwortlich zu handeln.

Möglichkeiten der Pflege und Hygiene

Bei der Ökonomie sollten Qualität und die Möglichkeiten der Pflege stimmen, damit die Produkte lange genutzt werden können. Nur dann rechnen sie sich richtig. So ist auch auf die Hygiene zu achten, denn über die Jahre sind es viele Gäste, die ihre individuelle Visitenkarte im Bett hinterlassen. Da hilft auch ein Matratzenhygienebezug nur wenig. Mindestens der Matratzenbezug sollte waschbar sein und auch gewaschen werden, noch besser natürlich die ganze Matratze. So verlängert man deutlich die Nutzungszeit. Wer bei der Anschaffung alles richtig macht, wird für seine Investition über die Zeit belohnt werden.

Die Angst vor einer weichen Hotel-Matratze ist für viele Hotel-Gäste nach wie vor groß. Wie lässt sich diese Angst nehmen?

Jens Rosenbaum: Die Angst, die hier beschrieben wird, ist die vor einem Durchhängen der Lordose, also das Fehlen einer hinreichenden Stützung der Wirbelsäule oberhalb des Beckens. Denn kein Gast möchte wirklich hart liegen. Schulter und Becken sollen schon einsinken können und auch müssen, damit sich die Wirbelsäule – vor allem die Bandscheiben - im Liegen anatomisch korrekt entspannen kann. Aber der Rücken möchte eben Unterstützung haben, dort soll und muss es fester sein. Mit einer entsprechenden Zonierung der Matratze sowie der passenden Unterfederung lässt sich dieses Problem lösen.

Viele Menschen fürchten nicht nur die Hotel-Matratze. Auch der Schlaf im fremden Bett mag mitunter weniger erholsamer sein als zwischen den eigenen Laken. Was könnte sensiblen Hotel-Schläfern zu besserem Hotel-Schlaf verhelfen?

Jens Rosenbaum: In hohem Maße ist der Gast für seinen Schlaf selber verantwortlich. Im Hotel weichen viele Menschen jedoch von ihrer gewohnten Routine ab, gehen später in das Bett oder waren noch an der Bar, haben Alkohol getrunken oder schauen im Bett noch fern, haben viel bzw. anderes erlebt und sind in einer ungewohnten Umgebung. Für das Gewohnheitstier Mensch alles Faktoren, warum eine Nacht im Hotel nicht immer die beste ist. Der Hotelier hat es in seiner Verantwortung dem Gast sprichwörtlich die optimale Grundlage für den Schlaf, ein sauberes und gutes Bett, zur Verfügung zu stellen. Ruhiges Zimmer, gute Luft, Dunkelheit und, ganz wichtig, das Gefühl von Sicherheit. Wenn der Gast dann vernünftig genug ist, seinen Beitrag für eine gute Nacht zu leisten und die Bettausstattung seinen Bedürfnissen weitgehend entspricht, sollte es schon klappen. Wer aber als Gast mit der Einstellung kommt, im Hotel ohnehin nicht gut schlafen zu können, dem kann man auch nicht helfen.

Was sind für Hotel-Unternehmen bei der Beschaffung von Hotelbetten die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Stellschrauben?

Jens Rosenbaum: Der Kauf von Hotel-Betten sollte als Investition und vor dem Hintergrund einer Vollkostenrechnung betrachtet werden. Wer bei allen Komponenten eines Bettes auf Qualität setzt und es zudem korrekt und regelmäßig pflegt, wird über die Nutzungszeit eines solches Bettes damit belohnt, dass er es länger nutzen kann und seltener bis nie Probleme damit hat. Die wichtigste Stellschraube ist die richtige, weil überlegte Investition.

Sie haben Mathematik studiert und sind von Haus aus Kaufmann. Was fasziniert Sie am Thema Betten und Schlafen?

Jens Rosenbaum: Letztlich läuft es auf eine Formel hinaus, die mich fasziniert. Grob vereinfacht ist das Leben (in seinem Ursprung) auf die Fortpflanzung und Arterhaltung ausgerichtet. Damit wir das können, müssen wir uns bewegen (damit wir an Nahrung kommen), ernähren (um den Körper zu versorgen) und schlafen (damit wir verarbeiten können, was wir aufgenommen haben).

Angemessen bewegen, ernähren und schlafen= Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Fortpflanzung

Wenn Sie so wollen, eine Art mathematische Gleichung. Je fitter unser Körper ist, indem wir uns angemessen bewegen, ernähren und schlafen, desto leistungsfähiger und gesünder sind wir und desto größer unsere Chance auf Fortpflanzung.

Die Menschheit hat sich von ihrer Ursprünglichkeit aber mittlerweile sehr weit entfernt. Weder bewegen wir uns richtig, noch essen wir vernünftig und auch den Schlaf vernachlässigen wir. Während es zuhauf Fitnessstudios gibt und nicht minder wenige Ernährungsratgeber, Diätstrategien und Nahrungsergänzungsmittel, mangelt es am Thema Bett und Schlafen. Hier braucht es noch Aufklärung. Denn der Schlaf ist in dieser Gleichung jene Variable, die nicht nur zwingend ist  – auf Bewegung und Nahrung können wir locker mehrere Tage verzichten, ohne Schlaf halten wir kaum 48 Stunden durch – , es ist auch jene mit dem größten Hebel. Das übersehen die meisten Menschen, mit der Konsequenz einer geringeren Leistungsfähigkeit und einem ungesünderen und oft kürzerem Leben. Und jetzt kommen wir zum Hotel: Ein Ort, wo alles unter einem Dach geboten wird. Was für ein Potenzial! Und da gibt es heute auch schon Fitness- und Wellnessangebote bis zum Abwinken und ausgefeilte wie kreative Speisekarten. Nur eben beim Bett, da sehe ich noch großen Nachholbedarf.

Und wo haben Sie eigentlich Ihre schlechteste Nacht verbracht?

Jens Rosenbaum: Mal abgesehen von der Zeit bei der Bundeswehr war das in Japan, wo ich wunderbar authentisch, aber leider völlig unbequem klassisch auf einem Futon geschlafen habe. Wer das nicht gewohnt und zudem von anderer Körperstatur und -gewicht ist, wie sonst in Japan üblich, braucht schon ordentlich Sake, damit die Zeit bis zum Morgen überbrückt werden kann.

Das Hotel-Bett

Herausgegeben von: Jens Rosenbaum, Hans R. Amrein

Ohne Betten keine Gäste: Das Hotel-Bett ist das Basisangebot schlechthin in jedem Hotel und ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor. Um von der Beschaffung bis zur Unterhaltung effizient zu kalkulieren, müssen auch gesundheitliche und kulturelle Kriterien einbezogen werden.

Welche Potenziale im Hotel-Bett schlummern und wie Sie diese zielgerichtet wecken, erfahren Sie von Jens Rosenbaum und Hans R. Amrein in ihrem innovativen Praxisbuch.

  • Schlaf als Geschäftsgrundlage: Anforderungen und Strategien, die sich aus gutem Schlaf als Grundbedürfnis und Gesundheitstrend ableiten lassen
  • Hotel-Betten als kritischer „Produktionsfaktor“: Worauf ist bei Investition und Einsatz zu achten? Welche Risiken bestehen, z.B. bei Hygiene und Haltbarkeit?
  • Finanzierungsformen und Dienstleistungen rund um das Bett, inklusive Musterkalkulation
  • Individuelle Statusbestimmung: Mit dem Hotel-Betten-Check prüfen Sie Ihr Leistungsangebot kritisch und fachgerecht

Ein prägnanter Impulsgeber zur oft vernachlässigten Frage, worauf es beim Hotel-Bett wirklich ankommt.


(ESV/uw)

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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