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Nachgefragt bei: Martin Schallbruch
Twitter weiterempfehlen  26.06.2018

Schallbruch: „Geschäftsmodelle werden durch digitale Transformation stark verändert”

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
Martin Schallbruch von der ESMT Berlin (Foto: ESMT Berlin)
Die Bedrohungen für Unternehmen durch Automatisierung und Digitalisierung sind die prägenden Themen im Interview der ESV-Redaktion mit Martin Schallbruch, Ministerialdirektor a.D. und stellvertretender Direktor des Digital Society Institute an der ESMT Berlin.
Herr Schallbruch, Automatisierung und Digitalisierung eröffnen Unternehmen ungekannte Möglichkeiten. Allgemein gefragt: Welchen Risiken sind Unternehmen in der digitalen Welt ausgesetzt?

Martin Schallbruch: Die meisten Unternehmen bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen dem Risiko verpasster Digitalisierung und dem Risiko einer mangelnden Beherrschung der Digitalisierung. Fast alle Geschäftsmodelle werden durch digitale Transformation stark verändert. Wer hier zu lange abwartet, riskiert Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Eine nicht ausreichend gesteuerte und mangelhaft abgesicherte Digitalisierung kann jedoch ebenso schwerwiegende Konsequenzen haben: zum Beispiel Ruf- oder Vermögensschäden durch die wachsende Zahl von Cyberangriffen.

Unternehmen riskieren den Diebstahl ihres geistigen Eigentums

Der Besitz von Daten ist so begehrt und wertvoll wie nie zuvor. Welchen Arten von Cybercrime bedrohen Unternehmen?   

Martin Schallbruch: Forschungs- und innovationsstarke Unternehmen riskieren vor allem den Diebstahl ihres geistigen Eigentums durch Wirtschaftsspionage. Die zunehmende Anzahl an „Leaks” in den letzten Jahren zeigt zudem, dass auch die Daten der Kunden eines Unternehmens von großem Interesse sein können, für Konkurrenten oder Erpresser. So sind zum Beispiel auch Anwaltskanzleien in diesen Fokus geraten. Wachsende Bedeutung haben auch Angriffe, die die Funktionsfähigkeit von Unternehmen beeinträchtigen, sei es durch Ransomware, also Verschlüsselung von Daten, oder durch Denial-of-Service-Attacken, also das Lahmlegen von Servern. Beides kann zur Erpressung genutzt werden.

Heutzutage wird alles immer „smarter”: Smart home, smart mobility, selbst der Fernseher ist „smart”. Wird dadurch die Sicherheitslage komplizierter?

Martin Schallbruch: Natürlich ist die Gewährleistung der IT-Sicherheit durch die größere Anzahl von vernetzten Geräten immer schwieriger geworden. Bei „smarten” Devices kommt hinzu, dass sie häufig eine eingebaute Sicherheit aufweisen, die weit hinter der Sicherheit von Computern zurückbleibt. Standardpasswörter, fehlende Update-Fähigkeit, Verzicht auf Firewalls und ähnliches sind typisch für vernetzte low-cost-Geräte – von der „smarten” Glühbirne bis zum Babyphone. Jedes dieser Geräte kann aber ebenso angegriffen und missbraucht werden wie vollwertige Computer, braucht also adäquate eingebaute Sicherheit.

Ist die Komplexität noch beherrschbar?

Martin Schallbruch: Mühsam. Es wird immer aufwändiger, die Sicherheit eines Systems zu prüfen und zu beurteilen. Nehmen Sie als Beispiel den vernetzten Haushalt: 20 Geräte hinter dem Router sind heute keine Seltenheit mehr, Smartphones, Heizkörperthermostatventile, Musikplayer, Fitnesstracker oder Kameras – alles das tummelt sich im Heimnetz. Ohne eine komplexe Analyse aller Geräte, Versionsstände, Software-Aktualisierungen etc. ist eine Sicherheitsaussage nicht möglich.

Mangelnde Qualität der Basis-Software


Welche Mängel sehen Sie bei der Qualität der Technologie ?

Martin Schallbruch: Mich besorgt die mangelnde Qualität der Basis-Software. Noch immer weisen neu entwickelte Programme ganz erhebliche Fehlerraten und Schwachstellen auf – ein Einfallstor für Hacker. Leider hat sich die Qualität von Hardware und Software und die Anzahl der Schwachstellen in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten kaum verbessert, nicht zuletzt wegen der hohen Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel: hoch zuverlässige Softwareentwicklung von Anfang an statt ständiger Updates von Systemen, die unreif auf den Markt gebracht wurden.

Liegen die Ursachen der Bedrohungen auch in mangelnden Fähigkeiten der Programmierer und ihren Qualifikationen?

Martin Schallbruch: Natürlich ist die Entwicklung besonders sicherer Software komplizierter und erfordert eine bessere Ausbildung und mehr Erfahrung. Allerdings sehe ich die Hauptursache nicht in der schlechten Ausbildung, sondern in dem Zeit- und Kostendruck bei der Softwareentwícklung. Um ständig neue Versionen auf den Markt bringen und die Konkurrenten überholen zu können, stehen die Programmierer unter hohem Druck. Das ist der Entwicklung sicherer Software nicht zuträglich.

Die Fortsetzung des Interviews finden Sie hier auf COMPLIANCEdigital.de

Nachhaltige Unternehmensführung in der Digitalisierung

Herausgegeben von: Prof. Dr. Stefan Vieweg, Prof. Dr. Matthias Müller-Wiegand, Prof. Dr. Harald Meisner

Digitalisierung bedeutet Disruption und zwingt die meisten Unternehmen heute zu einer tiefgreifenden Neuausrichtung. Dabei werden bestehende Geschäftsmodelle und Führungsansätze mit Blick auf ökologische, ökonomische und soziale Zielsetzungen beispiellos herausgefordert.

Wie sich digitale Transformation und nachhaltiges Organisationshandeln in Einklang bringen lassen, beschreibt dieser Band mit Fokus auf sehr konkrete unternehmerische Entscheidungen.

  • Grundfragen zur „Triple Bottom Line” – das klassische Modell der nachhaltigen Entwicklung unter den Bedingungen der Digitalisierung,
  • Kritische Erfolgsfaktoren – z.B. neue Fragen an unternehmerische Ethik, Werte und Führungskultur,
  • Praktische Implementierung, anhand vieler empirischer Untersuchungen wie dem Beispiel eines Dax-30 Konzerns.

Ein Impulsgeber für Praxis, Forschung und Studium, der zwei der derzeit wichtigsten unternehmerischen Perspektiven, Nachhaltigkeit und Digitalisierung, erstmals systematisch verknüpft.


(ESV/ps)

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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