Sonnenbrillen: Was die Augen zuverlässig schützt
„Viele Verbraucher achten beim Kauf zuerst auf das Design oder die Tönung der Gläser. Für den Schutz der Augen sind allerdings andere Eigenschaften entscheidend“, sagt André Siegl, Experte für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim TÜV-Verband. „Eine gute Sonnenbrille muss schädliche UV-Strahlung zuverlässig filtern, eine zum Verwendungsbereich passende Tönung mit der richtigen Filterkategorie haben und optisch einwandfreie Gläser besitzen, die zu den individuellen Seheigenschaften der Trägerin oder des Trägers passen. Erst dann sorgt sie für einen wirksamen Schutz.“
UV-Schutz ist wichtiger als dunkle Gläser
Ein weit verbreiteter Irrtum: Je dunkler die Gläser, desto besser der Schutz. Tatsächlich sagt die Tönung einer Sonnenbrille aber nichts über ihren UV-Schutz aus. Sie bestimmt nur, wie stark das sichtbare Licht gedämpft wird, und schützt damit vor Blendung. Ob die Augen vor schädlicher ultravioletter Strahlung geschützt sind, hängt dagegen vom UV-Filter der Gläser ab. UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar und kann Bindehaut und Augenlinse schädigen. Langfristig steigt unter anderem das Risiko für Augenerkrankungen wie Netzhautschäden, Entzündungen oder Linsentrübungen wie den Grauen Star. Besonders hoch ist diese Belastung am Wasser, im Gebirge oder auf schneebedeckten Flächen, da die UV-Strahlung dort zusätzlich reflektiert wird. Polarisierende Sonnenbrillen mit sogenannten Polfiltern reduzieren störende Lichtreflexionen, etwa auf nassen Fahrbahnen oder Wasseroberflächen. Sie eignen sich deshalb besonders für den Straßenverkehr.
Fehlt ein wirksamer UV-Filter, können stark getönte Sonnenbrillen sogar problematisch sein. Durch die dunklen Gläser erweitern sich die Pupillen, sodass mehr schädliche UV-Strahlung ins Auge gelangen kann. Käufer sollten deshalb auf die Kennzeichnung „UV400“ oder „100 Prozent UV-Schutz“ achten. Sie weist darauf hin, dass die Gläser UV-Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern filtern. „Die CE-Kennzeichnung bestätigt zudem, dass die Sonnenbrille die geltenden europäischen Anforderungen für den allgemeinen Gebrauch als persönliche Schutzausrüstung (PSA) nach EU-Verordnung 2016/425 der Kategorie I und idealerweise durch den Zusatz ISO 12311 und ISO 12312-1 erfüllt“, sagt Siegl.
Blendschutz und Filterkategorien richtig wählen
Doch selbst eine Sonnenbrille mit gutem UV-Schutz ist nicht automatisch für jede Situation geeignet. Je nach Sonneneinstrahlung kommt es auch auf den richtigen Blendschutz an. Er beschreibt, wie stark die Gläser sichtbares Licht filtern, und wird nach ISO 12312-1 in fünf Filterkategorien von 0 bis 4 eingeteilt, wobei Kategorie 0 nur als modisches Accessoire verwendet werden sollte. Die jeweilige Kategorie ist in der Regel auf der Innenseite des Brillenbügels oder in der Produktinformation als „Cat. 0“ bis „Cat. 4“ angegeben. Für sonnige Tage in Mitteleuropa genügt in der Regel eine Sonnenbrille der Filterkategorie 2. Wer sich am Meer, auf dem Wasser oder in südlichen Urlaubsregionen aufhält, ist meistens mit Kategorie 3 gut beraten. Im Hochgebirge oder auf Gletschern schützen stark getönte Gläser der Kategorie 4 vor intensiver Sonneneinstrahlung und den starken Reflexionen von Schnee und Eis.
Im Straßenverkehr gelten besondere Anforderungen. Sonnenbrillen der Filterkategorie 4 sind zum Auto- oder Radfahren ungeeignet, da sie zu wenig Licht durchlassen. Für eine gute Sicht empfehlen sich in der Regel Modelle der Kategorien 2 oder 3. Siegl: „Gerade bei tief stehender Sonne kann eine geeignete Sonnenbrille die Blendung deutlich reduzieren und für eine bessere Sicht sorgen. Autofahrer sollten ihre Geschwindigkeit trotzdem den Sichtverhältnissen anpassen und auf eine saubere Windschutzscheibe achten. Verschmutzungen oder Schlieren streuen das Licht zusätzlich und verstärken den Blendeffekt.“ Auch die Glasfarbe ist für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr entscheidend. Graue und braune Gläser geben Farben weitgehend naturgetreu wieder und eignen sich deshalb besonders gut. Farbige Gläser bieten zwar ebenfalls einen zuverlässigen UV-Schutz, können aber die Farbwahrnehmung und den Kontrast verändern. Dadurch lassen sich Ampelsignale oder andere Warnhinweise unter Umständen schlechter erkennen.
Checkliste Sicherheit beim Sonnenbrillen-Kauf:
- Auf zuverlässigen UV-Schutz achten: Bevorzugen Sie Sonnenbrillen mit der Kennzeichnung „UV400“ oder „100 Prozent UV-Schutz“.
- Die passende Filterkategorie wählen: Kategorie 2 eignet sich für den Alltag, Kategorie 3 für Strand und Wasser. Kategorie 4 ist im Straßenverkehr ungeeignet.
- Gläser und Passform prüfen: Die Gläser sollten frei von Verzerrungen, Blasen oder Schlieren sein. Die Sonnenbrille sollte die Augen möglichst vollständig abdecken und eng am Gesicht anliegen.
- Auf die Verarbeitung achten: Fassung und Scharniere sollten stabil und möglichst wertig verarbeitet, Herstellerangaben vollständig vorhanden und Kennzeichnung an der Brille vorhanden sein.
- Preis und Markenname sind kein Qualitätsmerkmal: Auch günstigere Sonnenbrillen können zuverlässig schützen. Im Zweifel den UV-Schutz prüfen lassen.
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