Späte Zahlungen verschärfen den Liquiditätsdruck
Die Liquiditätslage deutscher Unternehmen verschärft sich. Kunden beglichen ihre Rechnungen 2025 im Schnitt nach 55 Tagen – 2,8 Tage später als im Vorjahr. Lieferanten erhielten ihr Geld dagegen bereits nach durchschnittlich 35 Tagen. Das zeigt die jährliche Erhebung des Kreditversicherers Allianz Trade.
Damit klafft eine wachsende Lücke zwischen Mittelzuflüssen und Mittelabflüssen. Deutsche Firmen zahlen ihre Lieferanten 14 Tage früher als Unternehmen im westeuropäischen Durchschnitt. Der Spielraum, verspätete Kundenzahlungen durch längere Zahlungsziele auf der Einkaufsseite auszugleichen, bleibt daher gering.
Der Cash Collection Cycle stieg in Deutschland 2025 um 1,8 Tage auf 79 Tage. Die Kennzahl beschreibt, wie lange Kapital im operativen Geschäft gebunden bleibt, bevor es wieder als Zahlungsmittel verfügbar ist. Im westeuropäischen Durchschnitt liegt dieser Zeitraum bei 63 Tagen.
Zusätzlichen Druck erzeugen höhere Lagerbestände. Waren verblieben im Schnitt 58 Tage im Lager, 0,9 Tage länger als im Vorjahr. Viele Unternehmen erhöhen ihre Vorräte, um sich gegen Lieferengpässe, geopolitische Spannungen und Handelskonflikte abzusichern.
Die höhere Widerstandsfähigkeit der Lieferketten belastet jedoch den Cashflow. Kapital, das in Waren gebunden ist, fehlt für Investitionen, Schuldendienst und laufende Ausgaben. Besonders lange Rückflusszeiten verzeichnete Allianz Trade in der Computer- und Telekommunikationsbranche, der Elektronikindustrie, der Papierwirtschaft und der Pharmabranche.
Für 2026 erwartet der Kreditversicherer eine weitere Verschärfung. Der Cash Collection Cycle dürfte in Deutschland um vier Tage auf 83 Tage steigen. Damit nimmt der Finanzierungsbedarf zu, während die Möglichkeiten zur Entlastung auf der Lieferantenseite begrenzt bleiben.
Auch weltweit verharrt die Kapitalbindung auf hohem Niveau. Der globale Cash Collection Cycle stieg 2025 leicht auf 67 Tage und lag damit rund drei Tage über seinem Zehnjahresdurchschnitt. Haupttreiber sind größere Vorräte. Unternehmen gewichten Versorgungssicherheit zunehmend höher als niedrige Lagerbestände.
Weitere Informationen zum Thema hat Allianz Trade hier veröffentlicht.
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