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Was haben Formel 1 und Arbeitssicherheit gemeinsam? (Foto: José Pablo Domínguez/Unsplash)
Betriebliche Organisation

Was man aus der Formel 1 über Arbeitssicherheit im Betrieb lernen kann

Timo Zimmermann
14.10.2022
Mit über 1.000 PS in unter 5 Sekunden von 0 auf 200 km/h und mit über 300 km/h durch die Kurve. Das hat nicht viel mit einem Gabelstapler, Bagger oder Kran zu tun und dennoch kann man aus der Formel 1 viel über die Arbeitssicherheit in einem Betrieb lernen.
Denn obwohl ein Formel-1-Rennen zunächst äußerst gefährlich ist und es in der Geschichte des Sports leider auch schon Todesfälle gab, gibt es in der modernen Formel 1 fast keine Verletzungen mehr. Und all das nur, weil sich die Maßnahmen zu Gunsten der Sicherheit erhöht haben. Auch wenn der Terminus in der Formel 1 vielleicht etwas unüblich ist, handelt es sich bei diesen Maßnahmen dennoch um Arbeitssicherheit.

In diesem Artikel geht es demnach um die technischen, organisatorischen und persönlichen (TOP-Prinzip) Maßnahmen, die zu einer höheren Arbeitssicherheit in der Formel 1 geführt haben. Diese betreffen das Formel-1-Auto als Arbeitsmittel, die Rennstrecke als Arbeitsstätte und verschiedene Vorgänge wie den Boxenstopp oder die Bergung eines verunfallten Fahrzeugs. Viele der dort angewandten Maßnahmen können auch auf einen konventionelleren Betrieb übertragen werden.

Die etwas andere persönliche Schutzausrüstung

Alle Fahrer sowie weitere gefährdete Personen (z. B. die Boxencrew) müssen ganz bestimmte von der FIA (Fédération Internationale de l'Automobile) vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen.

Am präsentesten ist dabei der Rennhelm, in dem mittlerweile sogar eine kleine Kamera sitzt, um die Geschehnisse aus der Sicht des Fahrers miterleben zu können. Auch bezüglich der Arbeitssicherheit ist es interessant, einen Unfallhergang direkt aus der Sicht der Beteiligten sehen zu können. So können im Nachhinein die Unfallursachen einfacher geklärt werden. Der Kopf der Fahrer ist aufgrund der Bauart des Formel-1-Wagens exponiert, weshalb der Helm große Kräfte, z. B. von einschlagenden Kleinteilen, aushalten muss. Bei Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h wirken auch kleinste Carbonsplitter wie Projektile.

Unter dem Helm sitzt eine Sturmhaube, die wie alle anderen Kleidungsstücke – sogar bis hin zu den Socken – aus speziellen feuerfesten Nomex-Textilfasern besteht. Denn ein Formel-1-Wagen ist ein Arbeitsplatz mit erhöhter Brandgefahr, insbesondere im Falle eines Motorschadens oder Unfalls. Dies zeigte sich erst 2020 wieder in einem schlimmen Feuerunfall von Romain Grosjean in Bahrain, den er glücklicherweise und nicht zuletzt wegen seiner PSA bis auf wenige Verbrennungen unbeschadet überstanden hat.

Ein ebenfalls feuer- und zudem reißfester Rennanzug bietet nicht nur Platz für die Sponsoren, ebenso wie die Handschuhe, sondern enthält auch optische Puls- und Blutsauerstoffsensoren, um die Gesundheit der Fahrer zu beobachten.

Bei der PSA verbinden sich also technische (Entwicklung und Technik der PSA), organisatorische (Auswahl und Anordnung bestimmter PSA) und persönliche (Tragen der PSA) Maßnahmen. Das Tragen der PSA wird zudem kontrolliert und bei Bedarf verschärft, denn das ist die Pflicht eines Unternehmers und somit auch der Formel 1 bzw. der FIA (BetrSichV § 3).

Solch eine High-Tech-Ausrüstung ist natürlich enorm kostspielig und deshalb für ein normales Unternehmen nicht tragbar und zum Glück auch nicht nötig. Dennoch unterstreicht es die wichtige Rolle von PSA bei der Minderung von Unfallfolgen.

In einem Betrieb, in dem mit mobilen Arbeitsmitteln wie z. B. Flurförderzeugen gearbeitet wird, sollten beispielsweise immer Sicherheitsschuhe getragen werden. Diese können die Formel-1-Fahrer nicht tragen, da sie sonst die feinfühligen Pedale nicht ausreichend genau bedienen können. Die Pedale eines Gabelstaplers sind mit Sicherheitsschuhen jedoch einwandfrei zu bedienen. Deshalb gibt es keinen guten Grund, Sicherheitsschuhe nicht anzuordnen oder nicht zu tragen. Das macht auch deshalb Sinn, da der Flurförderzeugführer das Fahrzeug verlässt und die Füße dann Gefahren ausgesetzt sind – z. B. beim Hantieren an Lasten oder Heben von Gegenständen.

Auch ein Helm und Schutzhandschuhe sind an vielen Stellen eines Betriebs sinnvoll und notwendig. Nicht zuletzt ist auch feuerfeste PSA relevant für bestimmte Betriebe wie z. B. Gießereien.

Ausbildung eines Rennfahrers

Man könnte meinen, dass jede Person, die genug Talent hat, auch in der Formel 1 fahren darf. Dem ist jedoch nicht so. Da es sich bei einem Formel-1-Wagen um ein sehr kompliziertes und gefährliches Fahrzeug handelt, müssen die Fahrer bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um die sogenannte Superlizenz zu erhalten (geregelt in Anhang L des internationalen Sportcodex der FIA):
  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Besitz eines gültigen Führerscheins
  • Bestimmte Anzahl an Rennen bzw. gute Platzierungen in anderen Rennserien (Formel 2, DTM usw.)
  • Ausreichende Eignung
Diese Regeln wurden über die Zeit immer mehr verschärft. Dadurch stellt die Formel 1 sicher, dass nur ausreichend qualifizierte Fahrer einen Grand Prix bestreiten.

Auch ein Unternehmer darf in seinem Betrieb nur qualifiziertes Personal einsetzen (u. a. BetrSichV, ArbSchG § 7, DGUV Vorschrift 52 und 68), weshalb auch Staplerfahrer, Kranführer oder Bediener anderer mobiler Arbeitsmittel eine Ausbildung durchlaufen und Prüfungen ablegen müssen. Die Voraussetzungen von Fahr- und Steuerpersonal sind dabei teilweise sogar identisch mit denen eines Formel-1-Fahrers.

Für das selbstständige Steuern von mobilen Arbeitsmitteln gilt ebenfalls ein Mindestalter von 18 Jahren. Und auch der Besitz eines gültigen Führerscheins ist für viele mobile Arbeitsmittel nötig, wenn Sie im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sind.

Die Superlizenz ist der Befähigungsnachweis der Formel-1-Fahrer und letztendlich vergleichbar mit einem Fahrausweis, den jeder Unternehmer seinem Fahr- und Steuerpersonal nach erfolgreicher Ausbildung ausstellen sollte.

In diesem Fahrausweis kann auch die Eignung eingetragen werden. Denn sowohl ein Formel-1-Fahrer als auch ein Fahrer mobiler Arbeitsmittel müssen geeignet sein (z. B. DGUV Vorschrift 68), was in einer Eignungsbeurteilung festzustellen ist.

Sicherheitseinrichtungen am Formel-1-Auto

Eine Kritik vieler Zuschauer ist, dass die Formel-1-Fahrzeuge mittlerweile zu schwer geworden sind. Seit 2017 ist das Gewicht der Autos trotz gleichbleibender Größe um mehr als 50 kg angestiegen, was in der Welt des Rennsports äußerst viel ist. Doch ein Großteil dieses Gewichtsplus ist in die Sicherheit geflossen. Jeder Unternehmer ist dazu verpflichtet, ausreichend sichere Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen (BetrSichV). Das nimmt auch die Formel 1 sehr ernst.

Deshalb gibt es zahlreiche Sicherheitseinrichtungen an einem Formel-1-Wagen, die z. B. auch mit denen eines Gabelstaplers vergleichbar sind:
  • Der Überrollschutz ganz oben am Fahrzeug hinter dem Kopf des Fahrers ist wie eine offene Fahrerkabine und bietet Schutz beim Umkippen bzw. Überschlag.
  • Der sogenannte „Halo“ ist der Titanbügel direkt über dem Kopf des Fahrers und in etwa vergleichbar mit einem Fahrerschutzdach. Er schützt den Fahrer vor größeren ankommenden losen Teilen wie beispielsweise Rädern.
Erst kürzlich (Juli 2022) hat dieser Halo dem Formel-1-Fahrer Zhou Guanyu in Großbritannien das Leben gerettet, als sich sein Auto nach einem Unfall überschlug und der Überrollbügel weggebrochen ist. Hier zeigt sich, dass redundante Sicherheitssysteme sinnvoll sind für den Fall, dass eines der Systeme versagt.
  • Wie beim Gabelstapler auch ist ein Gurt als Rückhaltesystem vorhanden, der ein Herausschleudern des Fahrers verhindert. Im Formel-1-Wagen ist statt eines einfachen Beckengurtes allerdings ein 6-Punkt Gurt installiert.
Diese Sicherheitseinrichtungen sind wichtig und nötig, um den Fahrer zu schützen. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Formel-1-Wagen oder einen Gabelstapler handelt.

Zudem sollten diese Einrichtungen kontrolliert werden. Dies geschieht in der Formel 1 durch eine umfassende Abnahme der Fahrzeuge bei jedem Grand Prix. Auch ein mobiles Arbeitsmittel, wie ein Stapler, eine Teleskopmaschine oder ein Kran sollte im Rahmen einer täglichen Einsatzprüfung kontrolliert werden.

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