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Nachgefragt bei Prof. Dr. Klaus Watzka
Twitter weiterempfehlen  20.09.2019

Watzka: „Erstens: Neugier. Zweitens: Neugier. Drittens: Neugier.“

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
Prof. Dr. Klaus Watzka: Die „Digital Natives“ nutzen die Möglichkeiten des Netzes gut. (Foto: privat)
Semesterbeginn an deutschen Hochschulen – mehr als 500.000 Menschen beginnen ein Hochschulstudium. Prof. Dr. Klaus Watzka, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftlehre an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena und Autor des Buches „Anfertigung und Präsentation von Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten“, über Herausforderungen der aktuellen Studierendengeneration.
Herr Prof. Watzka, 55,9 Prozent der Angehörigen eines Jahrgangs hat eine wissenschaftliche Ausbildung in 2018 begonnen. 2001 waren es noch 36,1 Prozent (Quelle: Statista). Welches Verständnis haben die Neu-Studierenden Ihrer Einschätzung nach von wissenschaftlichem Arbeiten?

Klaus Watzka: Das ist recht unterschiedlich. Eine erste Gruppe freut sich, sich vertieft mit einem selbstgewählten, interessanten Themenfeld auseinandersetzen zu können und sieht darin auch die Chance zur intensiven persönlichen Weiterqualifizierung. Entsprechend hoch ist ihr Einsatz und der Anspruch an die eigene Arbeit. Eine zweite Gruppe sieht darin eine lästige Pflicht, die die Prüfungsordnung eben vorsieht und der man sich mit dem geringstmöglichen Aufwand entledigen möchte. Nach meiner Beobachtung ist im Zuge der Umstellung von Diplom- auf Bachelorstudiengängen die zweite Gruppe leider größer geworden. 
 
Welche Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens bringt die aktuelle Studierenden-Generation mit – und welche Fähigkeiten fehlen in der Regel?

Klaus Watzka: Auch das lässt sich nicht pauschal beantworten. Da gibt es den Teil von Studierenden, der schon in der Schule mit der Anfertigung von wissenschaftlichen  Arbeiten  befasst war. Diese Gruppe ist schon recht gut über die inhaltlichen und formalen Voraussetzungen orientiert und vor allem sensibel für deren Wichtigkeit. Ein anderer Teil war in der Schule noch nie mit dieser Leistungsanforderung konfrontiert. Da fehlt es dann mitunter an allem. Man weiß nicht, wie man den Arbeitsprozess strukturieren soll, wie man eine hochwertige Quellenrecherche durchführt, es gibt wenig Gespür für eine logisch aufgebaute Gliederung und Argumentationsführung, für eine präzise und nachvollziehbare Ausdrucksweise und der Einhaltung formaler Prinzipien. So wird zum Beispiel der Einheitlichkeit bei der Gestaltung von Fußnoten oder Quellenverzeichnissen wenig bis keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Fähigkeit zur qualitativen Internetrecherche

Generell besser geworden ist die Fähigkeit zur Recherche im Internet. Da nutzen die Digital Natives recht gut die Möglichkeiten, die ihnen das Netz bietet. Schwierigkeiten haben die Studierenden aber oftmals damit, seriöse Quellen von eher nicht so vertrauenswürdigen Quellen zu unterscheiden. Da wird mitunter recht naiv ins Internet-Angebot gegriffen. Im Durchschnitt deutlich schlechter geworden ist die Kompetenz in Sachen Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung. Diese Dinge genießen offensichtlich - auch in der Schule  - nicht mehr allzu große Aufmerksamkeit.

Wie gehen die Hochschulen mit möglichen Defiziten der Studierenden um?

Klaus Watzka: Natürlich werden an Hochschulen immer auch Kurse zum „Wissenschaftlichen Arbeiten“ angeboten. Vor der Anfertigung von wissenschaftlichen Arbeiten wird auch nachdrücklich die Vorab-Lektüre von Ratgebern zu dieser Materie empfohlen. Es gibt dazu ja mittlerweile ein wirklich breites Angebot. Zudem bieten betreuende Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen in ihren Sprechstunden Gliederungsbesprechungen und Beratungen bei der Vorgehensweise an. Nur „zum Jagen tragen“ können wir auch Niemanden. Ratgeber zu lesen und mündliche Beratungsangebote anzunehmen, das liegt dann schon in der Eigenverantwortung der Studierenden.

Generell würden wir uns an der Hochschule wünschen, dass Studierende schon aus der Schule die Basics wissenschaftlicher Arbeit, zumindest in formaler Hinsicht, mitbringen. Das ist leider zu wenig der Fall. Ein Studium ist einfach nicht der Ort, um z. B. immer wieder zu erklären, warum Fußnoten wichtig sind und wie man sie anfertigt.

Hat sich wissenschaftliches Arbeiten in Zeiten von Google, Wikipedia und Youtube geändert?

Klaus Watzka: Definitiv ja! Vieles ist leichter geworden. Musste man früher noch zu den limitierten Öffnungszeiten eine Bibliothek ansteuern, um eine Statistik zu recherchieren, Gesetzestexte oder Rechtsprechung zu einem Gebiet zu sichten oder eine Begrifflichkeit zu klären, so liegen heute all diese Informationen nur einen Mausklick entfernt, und das 24/7. Das eröffnet hervorragende Möglichkeiten zur Aktualitätssteigerung und informatorischen Anreicherung der eigenen Arbeit.

Informationsüberflutung führt zu Recherchefaulheit

Tückisch sind die neuen Medien aber aus zwei Gründen auch. Zum einen führt die gigantische Informationsmenge, wie bereits oben schon angedeutet, zu erhöhten Anforderungen bei den Studierenden, geeignete von ungeeigneten Quellen zu unterscheiden. Zum anderen erzieht das Netz zu „Recherchefaulheit“. Man gibt in die Suchmaschinen nur die relevanten Stichworte des eigenen Themas ein. Das System findet dann auch nur die Informationen exakt zu diesen Stichworten. Der Blick nach links und rechts von der eigenen Themenstellung bleibt auf der Strecke. Und damit natürlich auch die Möglichkeit, ganz neue Aspekte, Zugänge und Querverbindungen zum Thema zu entdecken. Bei der händischen Recherche in der Bibliothek schaut man sich doch eher auch mal Publikationen im Umfeld an und entdeckt plötzlich, dass es da noch eine Facette gibt, die erst auf den zweiten Blick mit dem eigenen Thema zu tun hat.

Stellen Sie Unterschiede bei der Vorbereitung auf Klausuren und Prüfungen gegenüber früheren Studierenden-Generationen fest?

Klaus Watzka: Im Grundsatz nein. Allerdings ist der Anteil von Studierenden etwas höher geworden, denen „es lediglich aufs Bestehen ankommt“ und für die die Note eher irrelevant ist. Das ist sicherlich auch den Arbeitsmarktverhältnissen der letzten Jahre geschuldet, bei denen Jungakademiker in den meisten Fachgebieten eher wenig Probleme hatte, einen Job zu finden.  

Mit welchen Fragen kommen die Studierenden zumeist in Ihre Sprechstunde?

Klaus Watzka: Mit nahendem Klausurtermin haben natürlich Fachfragen zum Vorlesungsstoff Hochkonjunktur. Bei der Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten dominiert die Gliederungsbesprechung, weil Studierende wissen wollen, ob sie „auf dem richtigen Weg sind“. Ansonsten ist es eine bunte Mischung von Fragen, die von Karriereberatung („Soll ich den Job annehmen?“), Stellungnahmen zu erhaltenen Arbeitszeugnissen bis hin zu allgemeiner Lebensberatung reicht, wenn es gerade mal „nicht so rund läuft“.

Der Autor

Wo liegt die größte Herausforderung beim Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit?

Klaus Watzka: Im Anfangen und Durchhalten! Viele Studierende tun sich schwer, einen strukturierten Arbeits- und Zeitplan aufzustellen und diesen dann auch konsequent durchzuhalten. Der aber ist Voraussetzung für eine effiziente und termingerechte Bearbeitung eines Themas. Lässt man Arbeitsschritte und Termine im Vagen, dann sind der Prokrastination Tür und Tor geöffnet.

Das „Anfangen“ betrifft auch das Schreiben der ersten Sätze. Das weiße Blatt versetzt viele Studierende in eine Schockstarre. Man flüchtet dann ins weitere Lesen und verdrängt den Fakt, dass die Zeit verrinnt und man so viel Material angehäuft hat, dass man es dann gar nicht mehr verarbeiten kann. Ich empfehle immer, möglichst früh die ersten Passagen zu schreiben und dann später sukzessive zu verbessern und auszuweiten. Schon einmal „etwas auf dem Papier zu haben“ motiviert einfach, weiter „dranzubleiben“.

Wie lauten die drei wichtigsten Tipps als Basis für erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten?

Klaus Watzka: Jetzt spitze ich mal zu. Erstens: Neugier. Zweitens: Neugier. Drittens: Neugier.

Manchmal „Flow“ ist besser als nie „Flow“

Wenn man den Anspruch hat, wirklich alles über sein Thema wissen zu wollen und den Dingen mal richtig auf den Grund zu gehen, dann ist das die beste Voraussetzung für eine gelungene Arbeit und hohe Motivation. Man muss „richtig Bock haben“, wie ein Trüffelschwein durchs Netz und durch die Bibliothek zu pflügen, in der Hoffnung noch eine neue, spannende Facette für sein Thema auszugraben. Das gelingt nur, wenn man sich auf eine Themenstellung voll und ganz einlassen kann. Und das wiederum nur, wenn man ein Thema wählt, für das man sich wirklich interessiert. Dann wird man auch die Erfahrung machen, dass die Arbeit nicht nur Belastung ist, sondern auch Spaß machen kann. Psychologen würden vom Flow-Erlebnis sprechen. Das wird man sicher nie über die ganze Distanz haben. Da gibt es dann durchaus Arbeitsstrecken, durch die man sich schlicht mit Disziplin durchbeißen muss. Aber manchmal „Flow“ ist ja viel besser als nie „Flow“.

Sie lehren und forschen im Bereich Personalwirtschaft. Was würde ein Personaler/HR-Manager einem Studierenden in Bezug auf seine akademische Ausbildung raten?

Klaus Watzka: Reduzieren Sie das Studium nicht auf das reine Abhaken von Scheinen. Schauen Sie rechts und links, schauen Sie innerhalb und außerhalb der Hochschule. Wo gibt es Angebote in anderen Fächern, in anderen Fachbereichen, die spannend sind? Wo kann ich mich in Gremien oder Organisationen engagieren, neue Erfahrungen machen und meinen Horizont erweitern? Erst wieder als Rentner oder Rentnerin wird man so viele zeitliche Freiräume haben, um Neues zu entdecken, mit sich zu experimentieren und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Drei bis vier Jahre Bachelorstudium sind eine lange Zeit. Man sollte sie nicht nur auf die rein fachliche Wissensaufnahme reduzieren, sondern sie auch als „lustvolle  Zeit“ der Persönlichkeitsentwicklung begreifen. Die Aktivitäten dürfen auch Spaß machen, das ist ja nicht verboten. Die Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen, wird auch später im Beruf äußerst hilfreich sein.

Anfertigung und Präsentation von Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten

Autor: Prof. Dr. Klaus Watzka
Die wissenschaftliche Arbeit ist ein zentraler Baustein der akademischen Ausbildung und das wichtigste Instrument, um Forschungsleistungen professionell zu dokumentieren. Oft ist auch ein empirischer Teil in Form einer schriftlichen Befragung oder eine mündliche Präsentation gefordert.

Wie Ihre Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeit gelingt, erfahren Sie in dieser kompakten Orientierungshilfe. Klaus Watzka zeigt Ihnen Qualitätsmerkmale guter Arbeiten auf, spricht häufige Fehlerquellen an und vermittelt methodische Kompetenzen – mit vielen Tipps und Beispielen sowie einem detaillierten Bewertungskatalog zur Erfolgskontrolle.

  • Schriftliche Arbeit – Planungsschritte, Gliederung, Formulierungsprinzipien, Literaturarbeit, Formalia, Selbstmotivation
  • Präsentation und Vortrag – Vorbereitung, überzeugender Vortragsstil und Präsentationshilfsmittel
  • Fragebogenuntersuchung – Vorüberlegungen und Konzeption, Fragenformulierung und Fragebogenkonstruktion, Auswertung und Ergebnispräsentation

Ein nützlicher Kompass, der Sie auch in der 6. Auflage sicher durch den Dschungel der Anfertigung und Präsentation wissenschaftlicher Arbeiten führt.
(ESV/me)

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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